Erzielte 2024 gegen Frankreich den schnellsten Treffer der DFB-Historie: Florian Wirtz (links). Foto: imago/ActionPictures

Nach der Niederlage gegen Portugal trifft die deutsche Nationalmannschaft auf das nächste internationale Schwergewicht. Wie stehen die Aussichten auf einen Erfolg gegen Frankreich?

Am Mittwochabend fand Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem enttäuschenden 1:2 gegen Portugal im Halbfinale der Nations League klare Worte: „Das war bisher eines unserer schlechtesten Spiele.“ In der vierten Ausgabe hatte die deutsche Nationalmannschaft zum ersten Mal das Halbfinale des Turniers erreicht.

 

Am Sonntag nun endet die Nations League für das deutsche Team in Stuttgart. Erneut wartet ein Gegner mit immenser Qualität: Das Starensemble aus Frankreich verlor am Donnerstag knapp gegen den amtierenden Europameister Spanien. Die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps musste sich nach einem wahren Torefestival mit 4:5 geschlagen geben. Für Joshua Kimmich und seine DFB-Kollegen geht es im Spiel um Platz Drei darum, sich zumindest mit einem Platz auf dem Podium aus dem Turnier zu verabschieden.

Gegen Portugal offenbarte die deutsche Mannschaft einige Schwächen – sowohl in der Defensive, als auch in der Offensive. Wir nennen drei Gründe, warum ein Sieg gegen die Franzosen trotzdem möglich ist. Und drei Gründe, warum es eng werden könnte.

Pro: Eine positive Bilanz

In beiden vergangenen Spielen gegen Les Bleus ging die deutsche Mannschaft als Sieger vom Feld. Der verdiente Sieg im September 2023 (2:1) unter Interimstrainer Rudi Völler brachte Fußball-Deutschland neuen Mut im Hinblick auf die Europameisterschaft 2024 im eigenen Land. Die darauffolgende Begegnung im März 2024 (2:0) bestätigte diese Zuversicht – dieses Mal unter dem neuen Bundestrainer Julian Nagelsmann. Florian Wirtz’ Treffer nach acht Sekunden löste bei vielen Fans Emotionen aus, die sie lange nicht mehr im Kontext der Nationalmannschaft verspürt hatten.

Contra: Französische Torgefahr

Ousmane Dembélé, Kylian Mbappé, Désiré Doué. Im Kader der Franzosen findet sich ein Offensiv-Trio bestehend aus einem Ballon d’Or Kandidaten, dem Gewinner des europäischen goldenen Schuhs und dem Spieler des Spiels im Finale der Champions League. Didier Deschamps’ Mannschaft stellt auf dem Papier eine Torgefahr dar, wie kaum eine andere Mannschaft auf dieser Welt. Selbst bei der Niederlage gegen Spanien erzielte Frankreich vier Tore. Das DFB-Team muss die zahlreichen defensiven Ungenauigkeiten schleunigst beiseite legen, wenn es mithalten möchte.

Pro: Heimvorteil

Das Spiel findet in der Stuttgarter MHP-Arena statt. Daher werden deutlich mehr Fans der deutschen Mannschaft vor Ort sein und dem Team die Daumen drücken. Für die VfB-Kicker Alexander Nübel, Maximilian Mittelstädt, Nick Woltemade und Deniz Undav wird die Partie zum absoluten Heimspiel. Gut möglich, dass die Untersützung durch die Fans der Mannschaft den nötigen Rückenwind bringt, um die Partie für sich zu entscheiden.

Contra: Immense Kaderqualität Frankreichs

Für viele Fans und Experten war der Dreifach-Wechsel in der 60. Minute der deutsche Knackpunkt im Spiel gegen Portugal. Wichtige Stützen wie Jamal Musiala, Antonio Rüdiger oder Angelo Stiller fehlen Julian Nagelsmann aktuell. Das bedeutet auch, dass er Startelf-Spieler nach ihren Auswechslungen nicht adäquat ersetzen kann. Frankreich hingegen profitiert von einer enormen Kadertiefe. Spieler mit internationaler Klasse wie Marcus Thuram und Aurélien Tchouaméni kamen gegen die spanische Elf nicht einmal zum Einsatz. Entscheidet am Ende die Bank das Spiel?

Pro: Höhere Priorität für Deutschland

Deschamps meinte am Donnerstagabend, die Partie sei „nicht das wichtigste Spiel“ für Frankreich. Eine überraschend klare Aussage des Mannes, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde. Ein genauerer Blick auf die Startelf gegen Spanien verrät, dass diese Worte durchaus begründbar sind. Gerade im Abwehr und im Mittelfeld tauchen Namen auf, die nicht zwingend eine designierte Rolle in der besten Startelf spielen. Ob sich diese Situation gegen Deutschland wiederholen wird? Oder wird noch mehr rotiert. Deschamps kündigte bereits an: „Es wird Wechsel geben.“ Vielleicht ist aber auch alles nur ein großer Bluff.

Contra: Französischer Schnellzug

Die hohe Linie des deutschen Spiels gegen den Ball birgt einige Risiken. Die defensive Absicherung bei Umschaltsituationen ist häufig ein Risikofaktor in Spielen der DFB-Elf. Besonders auffällig war der Tempo-Nachteil am Mittwoch bei Joshua Kimmich und Jonathan Tah. Beide bekamen den portugiesischen Flügelstürmer Pedro Neto immer wieder nicht gefangen, sodass dieser ihnen einfach davon lief. Frankreichs Kader verfügt in Theo Hernandez, Ousmane Dembélé und Kylian Mbappé über drei Spieler, welche mehrfach mit über 36 Kilometern die Stunde gemessen wurden. Ob dieses Thema ein Faktor für die personelle Auswahl am Sonntag sein wird?