Strahlende Sieger: Trainerin Claudia Petersohn mit ihren Schülern Rebecca Greggio und Davide Zanella. Foto: Petersohn

Kürzlich holte sich das italienische Voltigier-Spitzenduo Rebecca Greggio und Davide Zanella in Basel den Weltcupsieg im Pas de Deux. Ihre Vereins- und Nationaltrainerin ist die Wildbergerin Claudia Petersohn Die 55-Jährige hat in Italien Pionierarbeit für ihren Sport geleistet. 

Beim Voltigieren (italienisch: volta) werden turnerische und akrobatische Übungen auf einem sich an einer Longe im Kreis bewegenden Pferd ausgeführt. Wissen und Können im Umgang mit dem Pferd von besonderer Wichtigkeit. Oft ist das Voltigieren ein Einstieg in den Pferdesport.

 

Die Anfänge in Wildberg

So war es auch bei Claudia Petersohn, die als Kind mit vier Jahren beim Wildberger Reitverein angefangen hat. Ihre Familie wohnt in der Schwedensiedlung. Mit der Tochter des Reitvereins war sie im Kindergarten. "Wir sind mit dem Fahrrad immer rüber zum Reitverein. Damals gab es schon eine große Voltigiertradition in Wildberg mit den mittlerweile verstorbenen Ilse und Paul Lorenz. So haben wir angefangen zu Voltigieren. Sobald die Beine lang genug waren, habe ich auch angefangen zu reiten", erzählt Claudia Petersohn.

Das italienische Abenteuer

Damals sei es so gewesen, dass man das Voltigieren mit 16 Jahren aufhören musste. So hat Claudia Petersohn mit dem Reiten weitergemacht und so ist sie dann zur Tiermedizin gekommen. "Der Abischnitt hat nicht gereicht, um in Deutschland Tiermedizin zu studieren, so bin ich nach Italien, erzählt sie. Die Sprachkenntnisse musste sie sich erst noch aneignen. Nach einem dreimonatigen Sprachkurs in Florenz hat sie in Parma mit dem Studium der Tiermedizin begonnen. "In Italien sind alle Prüfungen mündlich, wenn ich mir meine Fachbücher aus dem ersten Jahr anschaue, dann denke ich mir, wie hab ich das nur gemacht. Ich musste ja fasst jedes Wort übersetzen", wundert sich die Tierärztin mit der großen Leidenschaft für Pferde noch heute.

Passionierte Tierärztin

Seit dem Jahr 2000 ist Claudia Petersohn als Voltigier-Trainerin neben dem Beruf tätig. Die 55-jährige Tierärztin, die in Wildberg gemeldet ist, aber in Italien wohnt, hat eine Kleintierpraxis bei Padua ganz in der Nähe von Venedig. Ihr Mann ist Musiker. 

Der lang erhoffte Weltcupsieg

2017 hatte Italien zuletzt den Weltcup gewonnen mit einem Pas de Deux aus Mailand. "Seither hat Italien nie mehr irgendwelche Platzierungen gehabt im Weltcup und deswegen waren hier alle super happy, dass Italien es mal wieder geschafft hat", erzählt Claudia Petersohn, die sehr viel für den Voltigiersport in Italien getan hat. "Für uns war der Weltcupsieg eine Premiere und ein großer Erfolg."

Erfolg in Basel

Während der Saison haben die Voltigierer Punkte bei internationalen Turnieren gesammelt, um sich für den Weltcup zu qualifizieren. "Die besten Fünf der Welt wurden dann von der FEI zum Finale nach Basel gerufen", berichtet Petersohn. Und die Entscheidung sollte äußerst knapp ausfallen. Mit nur fünf Hundertstel Vorsprung gewann das italienische Pas de Deux vor dem deutschen Duo Diana Harwardt und Peter Künne. 

Von der Pike auf

Seit 2011 kümmert sich Claudia Petersohn um die Voltigierer im italienischen Nationalteam. Das aktuelle Siegerpaar hat sie von klein auf betreut und zu einem Spitzenpaar geformt. Auch ihr eigener Sohn hat schon als Voltigierer bei Welt- und Europameisterschaften teilgenommen. Als ihr Sohn vier Jahre alt war, war sie auf der Suche nach einem Voltigierverein, den gab es aber damals nicht in Italien und auch bei den Reitvereinen war das Voltigieren nicht so bekannt, so gründete Claudia Petersohn kurzerhand ihren eigenen Voltigierverein und leistete so auch Pionierarbeit.

Der eigene Voltigierverein

"Unser Verein 'Centro volteggio i prati' ist der einzige große, richtige Voltigierverein in Italien." Inzwischen wüssten alle, was Voltigieren ist, das sei schonmal ein großer Erfolg. Als sie angefangen hatte, vor 24 Jahren, hatte Claudia Petersohn noch viel Schulterzucken geerntet. "Inzwischen sind wir die, die dem italienischen Verband die meisten Medaillen bringen", so Claudia Petersohn abschließend.