Nach dem gelungenen Länderspieljahr rufen Bundestrainer Julian Nagelsmann und Kapitän Joshua Kimmich große Ziele aus: den Triumph in der Nations League 2025 – und bei der WM 2026.
Am Ende ging es raus mit Applaus. Julian Nagelsmann hatte in der Kabine eine kurze Rede an die Mannschaft gehalten, die die Worte des Bundestrainers dann mit Beifall quittierte. So berichtete das Joshua Kimmich nach dem 1:1 von Budapest gegen Ungarn – ehe der Kapitän nach dem letzten Länderspiel des Jahres nach vorne blickte. Der Titel in der Nations League wird im nächsten Jahr vergeben, und dann steigt 2026 die WM in den USA, Kanada und Mexiko. Das Ziel der DFB-Elf formulierte Kimmich nach dem gelungenen Länderspieljahr 2024 klar: „Wir können uns im ersten Moment nichts davon kaufen, weil wir jetzt noch keinen Titel gewonnen haben – das ist das ganz große Ziel. Da wollen wir drauf hinarbeiten.“ Die Turniere, so Kimmich weiter, begännen jetzt: „Jedes Spiel ist für uns wichtig auf dem Weg dorthin.“
Das sieht der Bundestrainer genauso, weshalb er in Budapest, wenn auch etwas kompliziert formuliert, das Motto für die nächsten Jahre vorgab: „Wenn wir 2025 genau so angehen, wie wir 2024 bestritten haben“, sagte Nagelsmann, „werden wir 2026 deutlich präparierter sein, als wir es 2024 waren – ich denke, dass da viel entstehen kann.“
Die freie Übersetzung der Nagelsmann-Ansage geht so: 2025 wieder Gas geben und weiterentwickeln wie 2024. So tankt man für die WM 2026 Selbstvertrauen – um dann im Gegensatz zur EM 2024 ernsthaft um den Titel mitzuspielen.
Nicht weniger als das ist der Plan. Helfen sollen dabei auch die Fortschritte aus dem abgelaufenen Länderspieljahr. Beim Rückblick wurde Nagelsmann nun emotional. „Das hat mir viel gegeben, weil wir am Boden lagen im November und diese Heim-EM hatten als Damoklesschwert über uns“, sagte er. Das bittere 0:2 in Österreich vor einem Jahr wirkte eben lange nach. Die dann folgende Entwicklung der DFB-Elf sei eine für ihn einzigartige Erfahrung gewesen, sagte Nagelsmann: „Das Wir-Gefühl, das ich hier spüre, in Verbindung mit der Mannschaft und mit dem Staff, das hatte ich so noch nie, das ist einmalig und hat mir persönlich viel gegeben.“
Nur das unglückliche 1:2 nach Verlängerung im EM-Viertelfinale gegen Spanien trübt bei den Beteiligten die freudige Erinnerung der DFB-Elf. Ansonsten war in 2024 einiges beeindruckend – auch die nackten Zahlen: Zehn Siege, vier Remis, eine Niederlage, 35:10-Tore – das ist statistisch besser als im Jahr des WM-Triumphs 2014. Und, noch wichtiger: Fußballdeutschland hat seine Nationalelf wieder ins Herz geschlossen, nachdem sich in den Jahren zuvor viele Anhänger abgewendet oder der wichtigsten Fußballmannschaft der Republik emotional gar den Rücken gekehrt hatten.
Die neue Verbundenheit speist sich auch aus dem aktiven, teils spektakulären Offensivfußball, den Nagelsmann spielen lässt. Zum Jahresende nun freute sich der Bundestrainer über den neuesten Entwicklungsschritt, den sein Team gegangen ist – die erzielten Tore nach Ballgewinnen. „Am beeindruckendsten fand ich zuletzt unser Gegenpressing gegen Bosnien“, sagte der Coach: „Das sieht man nicht so oft im Club-Fußball – dass sechs oder sieben Spieler den Gegenspieler am Ball jagen. Das zermürbt den Gegner, so kommen dann viele Tore zustande, obwohl der Gegner tief verteidigt.“
Auslosung am Freitag
So erzielte das deutsche Team am Samstag sieben Tore gegen Bosnien und sicherte sich schon da den Gruppensieg in der Nations League, deren Viertelfinalpaarungen am Freitag (12 Uhr) in Nyon ausgelost werden. Italien, Kroatien oder Dänemark sind die möglichen deutschen Gegner im März – wenn Nagelsmann die nächsten Entwicklungsschritte mit seiner Mannschaft plant.
Man wolle an weiteren Eröffnungsvarianten im Spielaufbau arbeiten. Das Ziel: flexibler werden, ohne die Dinge zu kompliziert zu gestalten. „Es soll für uns einfach umsetzbar und trotzdem herausfordernd für den Gegner sein“, sagt Nagelsmann, denn: „Wenn wir bis zur WM immer denselben Stiefel spielen, sind wir zu leicht ausrechenbar. Wir werden also ein paar Dinge neu einbringen, aber nicht komplett anderen Fußball spielen, weil wir dafür nicht die Zeit haben.“
In der nun beginnenden viermonatigen Länderspielpause wird Nagelsmann in Videobesprechungen mit seinen Spielern an Details weiterarbeiten – gruppentaktisch und individuell. Nagelsmann betonte da die Wichtigkeit der jeweiligen Vereinstrainer. Um die Dinge zu forcieren, sei ein guter Austausch wichtig, sagte der Bundestrainer: „Weil sie hauptverantwortlich dafür sind, bei den Jungs die Dinge wiederholt anzusprechen, die auch uns im Training auffallen.“
Große Ziele
Auch die Zusammenarbeit mit den Clubs also soll die DFB-Elf bei der WM 2026 titelreif machen. Die Gegner für die Qualifikation werden bei der Auslosung am 13. Dezember ermittelt. „Wir haben ein ganz großes Ziel vor Augen“, sagt Nagelsmann: „Eine gute Qualifikation zu absolvieren, hoffentlich die Nations League vorher zu gewinnen und idealerweise eine sehr gute WM zu spielen.“