Julia Maidhof im Dress der SG BBM und im Trikot der deutschen Nationalmannschaft (re.) Foto: Baumann/Alexander Keppler

Julia Maidhof ist eine von drei aktuellen deutschen Nationalspielerinnen im Dress der SG BBM Bietigheim. Vor dem Länderspiel in Ludwigsburg spricht die Linkshänderin über ihren Wechsel im Sommer nach Rumänien, ihre persönlichen Ziele und den Bundestrainer.

Die Frauennationalmannschaft des Deutschen Handballbundes (DHB) absolviert im Rahmen eines Drei-Nationen-Turniers zwei Länderspiele gegen Ungarn (3. März, 19.30 Uhr, MHP-Arena Ludwigsburg/3200 Tickets verkauft) und Polen (5. März, 15 Uhr, SNP-Dome in Heidelberg). Rückraumspielerin Julia Maidhof (24) von der SG BBM Bietigheim schätzt die Lage ein.

 

Frau Maidhof, ist die Enttäuschung nach dem Aus in der Champions League inzwischen verdaut?

Mittlerweile ja. Aber natürlich hatten wir uns mehr vorgenommen.

In der Liga ist die SG BBM mit 32:0 Punkten eine Klasse für sich. Ein Trostpflaster?

Die K.-o.-Runde in der Königsklasse zu erreichen war ein wesentlicher Bestandteil unseres Saisonziels. Zum Glück sind für uns noch zwei Titel im Pokal und in der Meisterschaft möglich.

Wie titelhungrig sind Sie?

Seit meiner ersten deutschen Meisterschaft mit der SG ist der Hunger nach Titeln eher noch größer geworden. Auch unsere Serie mit 63 Spielen hintereinander ohne Niederlage hat dazu beigetragen, dass man irgendwie süchtig nach Erfolgen wird.

Hat Ihr Wechsel nach der Saison zu SCM Ramnicu Valcea damit zu tun?

Ich hatte die Option, in Bietigheim zu bleiben, doch ich war bereit für eine neue Herausforderung, ein neues Abenteuer. Ich möchte diesen nächsten Schritt machen – im Ausland in einer starken Liga, die ausgeglichener ist als die Bundesliga.

Auch Ihre Nationalmannschaftskollegin Mia Zschocke wechselt zu dem rumänischen Topclub. Welche Rolle spielt der finanzielle Aspekt?

Natürlich haben Vereine in Rumänien oder Ungarn durch die staatlichen Hilfen andere Möglichkeiten, aber bei meiner Entscheidung stand nicht das Geld im Vordergrund, sondern meine sportliche Weiterentwicklung.

„Zwei echte Gradmesser“

Hat diese zuletzt stagniert?

Nein, wir haben in Bietigheim einen starken Kader, ich werde im Training stark gefordert. Ich möchte künftig auf international hohem Niveau meine Spielanteile haben, gerne mehr Verantwortung übernehmen – auch in der Nationalmannschaft.

Wie sehr freuen Sie sich auf die beiden Länderspiele?

Sehr, zumal wir SG-Spielerinnen am Freitag in Ludwigsburg ein Heimspiel haben. Die Partien gegen Ungarn und anschließend in Heidelberg gegen Polen werden zwei echte Gradmesser.

Wann reicht es denn endlich zu einer Medaille bei einem großen Turnier?

Die Antwort wüsste ich auch gerne (lacht). Wir arbeiten gemeinsam mit unserem Trainer Markus Gaugisch hart daran, mehr Konstanz in unsere Leistungen zu bringen, und tun alles dafür, dass das möglichst bald gelingt. Im April müssen wir uns in den Play-offs gegen Griechenland aber noch für die Weltmeisterschaft im kommenden Dezember in Dänemark, Norwegen und Schweden qualifizieren, was uns im Vorjahr sehr souverän gelang.

Was zeichnet den Noch-SG-Coach und Bundestrainer aus?

Markus hat ein klares Konzept, er gibt uns aber auch Freiräume, kreativ Ideen einzubringen. Es herrscht ein sehr respektvolles Miteinander.

„Keine Energie verschwenden“

Der „Fall Andre Fuhr“ zeigt, dass das offenbar nicht immer im Frauenhandball so war. Ist der Missbrauchsskandal noch ein Thema im Team?

Wir wurden in den Lehrgängen auf den neuesten Stand gebracht. Aber das Thema spielt jetzt keine Rolle mehr, es ist abgehakt, wir verschwenden diesbezüglich keine Energie.

Waren Sie in Ihrer Karriere jemals betroffen?

Nein, ich hatte keine Berührungspunkte, was diese Thematik betrifft.

Zur Person und Aufgebot

Julia Maidhof
Sie wurde am 13. März 1998 in Aschaffenburg geboren. 2017 stieg sie mit Bensheim in die Bundesliga auf. In der Saison 2017/18 besaß die Linkshänderin ein Zweitspielrecht für den Zweitligisten 1. FSV Mainz 05. Seit der Saison 2020/21 steht sie bei der SG BBM Bietigheim unter Vertrag. Mit dem Club gewann sie 2021 und 2022 den DHB-Pokal, 2021 den DHB-Supercup, 2022 die deutsche Meisterschaft sowie 2022 die European League. Ab der Saison 2023/24 steht Maidhof beim rumänischen Erstligisten SCM Ramnicu Valcea unter Vertrag. Sie gab am 2. Juni 2019 ihr Debüt für die deutsche Nationalmannschaft. Inzwischen hat sie 39 Länderspiele (116 Tore) absolviert.

Aufgebot
Tor: Katharina Filter (Kopenhagen Handbold/DEN), Isabell Roch (SC Ramnicu Valcea/ROU), Sarah Wachter (Sport-Union Neckarsulm); Feld: Amelie Berger (HSG Bensheim/Auerbach Flames), Jenny Behrend (SG BBM Bietigheim), Antje Döll (SG BBM Bietigheim), Johanna Stockschläder (Thüringer HC), Meike Schmelzer (HC Dunarea Braila/ROU), Maxi Mühlner (Buxtehuder SV), Lisa Antl (Borussia Dortmund), Emily Bölk (Ferencvaros Budapest/HUN), Xenia Smits (SG BBM Bietigheim), Mia Zschocke (Storhamar Elite/NOR), Alina Grijseels (Borussia Dortmund), Annika Lott (Thüringer HC), Marie Michalczik (HSG Blomberg-Lippe), Julia Maidhof (SG BBM Bietigheim), Alicia Stolle (Ferencvaros Budapest/HUN), Viola Leuchter (TSV Bayer 04 Leverkusen).