Beim VfB Stuttgart ist der Außenverteidiger nur ein Ergänzungsspieler, doch was sieht der Bundestrainer Hansi Flick eigentlich in dem 22-jährigen Fußballprofi?
Josha Vagnoman ist gut im Kreis der Nationalmannschaft angekommen. Ein wenig aufgeregt wirkte der 22-Jährige wohl, als er das Teamhotel in Frankfurt bezog, was verständlich ist, weil sich der Profi des VfB Stuttgart ja bisher nie in der A-Auswahl des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) aufgehalten hatte. Diese Anfangsnervosität sollte sich legen, nachdem der neue Sportdirektor Rudi Völler seine Antrittsrede vor der Mannschaft gehalten hatte. Wichtigste Botschaft des 62-jährigen Funktionärs: „Alle Spieler haben die große Chance, auf den EM-Zug aufzuspringen.“
Für Vagnoman ist es eine gänzlich unverhoffte Möglichkeit, als Kandidat für das Heimturnier im nächsten Jahr zu gelten. Denn ursprünglich war er in dieser Länderspielwoche für die U-21-Testspiele gegen Japan und Rumänien vorgesehen. Dort sollte er Spielzeit sammeln. Der DFB-Nachwuchscoach Antonio Di Salvo hatte sich darüber zuletzt mit dem VfB-Trainer Bruno Labbadia ausgetauscht – bis sich Hansi Flick einmischte. Weil der Bundestrainer beim Neustart nach der WM 2022 nach wie vor eine Leerstelle in seinem Kader ausweist.
Was plant der Bundestrainer?
Bestenfalls ist der Posten des Rechtsverteidigers ja als Lehrstelle zu bezeichnen. Denn Flick ist seit Katar der Bundestrainer, der in drei Gruppenspielen vier verschiedene Rechtsverteidiger aufstellte, ohne eine überzeugende Lösung zu finden. Anders ist Vagnomans Nominierung nicht zu verstehen. Der Stuttgarter ist im Hauptberuf derzeit Ergänzungsspieler eines Abstiegskandidaten, plötzlich gehört er einem elitären Zirkel an.
„Neue Einflüsse sind wichtig, damit eine Mannschaft lebt und sich entwickelt“, sagt Flick. Der Bundestrainer überraschte über die Berufung Vagnomans hinaus mit der weiterer Neulinge wie Marius Wolf (Dortmund), Mergim Berisha (Augsburg), Kevin Schade (Brentford), Felix Nmecha (Wolfsburg) und Malick Thiaw (AC Mailand), der kurzfristig Armel Bella Kotchap (Schulterverletzung) ersetzt.
Flick will den DFB-Kader mit Blick auf die Heim-EM 2024 breiter aufstellen. Andere Nationen machen das vor. Dazu hat er die Testländerspiele jetzt am Samstag gegen Peru in Mainz und drei Tage später gegen Belgien in Köln zu Experimentierfeldern erklärt. Der Bundestrainer will sehen, wie sich die Frischlinge präsentieren. „Wir sind neugierig, was sie uns anbieten“, sagt Flick.
Der Plan beinhaltet, dass Vagnoman und Co. debütieren. „Ich werde Gas geben, mehr kann ich nicht tun“, sagt der VfB-Spieler. So hält er es auch im Verein. Dass Labbadia ihn nicht aufstellt, nimmt der gebürtige Hamburger professionell („Es muss einem nicht passen, aber man muss damit umgehen können“). Ansprüche wird er nach den Tagen auf dem DFB-Campus nicht stellen.
Wie läuft es mit der U-21-EM?
Auf erst 687 Saisonminuten kommt Vagnoman in der Liga, schön verteilt über sieben Startelf-Versuche und sieben Einwechslungen. Labbadia hat Flick die Gründe zuletzt in einem Telefonat erörtert. Der VfB-Trainer vertraut auf der Rechtsverteidigerposition dem fachfremden Waldemar Anton, da er sich von diesem Führung verspricht. Vagnoman, laut Labbadia im Aufwind, dient da als Alternative. Ausgestattet mit Potenzial, wie Flick und Di Salvo betonen.
Auflaufen kann der Stuttgarter auf der rechten wie auf der linken Seite. Schnell ist er und mit einem athletischen Körper ausgestattet, solange die Muskeln mitspielen. Alles Eigenschaften, die den ehemaligen VfB-Sportdirektor Sven Mislintat im vergangenen Sommer veranlassten, Vagnoman vom Hamburger SV zu verpflichten. „Er interpretiert seine Rolle sehr mutig“, sagt Di Salvo, der den U-21-Europameister von 2021 für die Endrunde in diesem Sommer in Rumänien und Georgien im Visier hat. Doch zuvor spielt Vagnoman bei Flick vor.