Der VfB Deutschland ist mehr denn je in aller Munde. Dieses Mal prägen Jamie Leweling und Angelo Stiller das Geschehen bei der DFB-Elf – was zutiefst mit der Arbeit von Sebastian Hoeneß in Stuttgart zu tun hat.
Zum Abschied schaute die Stuttgarter Reisegruppe für knappe zwei Stunden bei der Logenparty der beiden Weltmeister und des Ex-Kapitäns im Obergeschoss der Münchner Arena vorbei. Nach dem Spiel sagte der DFB Manuel Neuer, Thomas Müller und Ilkay Gündogan noch einmal im kleinen Kreis Servus, nachdem es vor dem Anpfiff am Montagabend schon der große Rahmen auf dem Rasen gewesen war. Um kurz vor zwei Uhr nachts ging es für die VfB-Profis dann in den schwarzen Vans mit dem bewährten Shuttleservice des DFB heim nach Stuttgart
Und, was soll man sagen: Die Stimmung bei Undav und seinen VfB-Kollegen dürfte bei der nächtlichen Fahrt über die A 8 nicht die schlechteste gewesen sein.
Wer weiß, vielleicht fielen auf den bequemen Sitzen des Autosponsors irgendwann auf Höhe Augsburg, Ulm oder Geislingen ja ein paar Sätze, die in diese Richtung gingen: „Menschenskinder, jetzt waren wir grad noch beim Müller und beim Neuer, bei den Weltmeistern – und jetzt kicken wir hier und fahren vielleicht selbst bald zur WM.“
Der bekannte Begriff
Ja, der helle Wahnsinn ist es noch immer und mehr denn je in diesen Tagen: Der VfB Deutschland ist in aller Munde. Unzählige Male fiel dieser Begriff am späten Montagabend beim Interviewmarathon im Untergeschoss der Arena nach dem 1:0 gegen die Niederlande und vor der nächtlichen DFB-Feier. Und wer weiß, wenn die niederländischen Medienvertreter nicht so sehr mit der schwachen Leistung ihrer Elf beschäftigt gewesen wären – sie hätten die Protagonisten auf der anderen Seite des großen Ganges womöglich auch noch nach dem VfB Duitsland gefragt.
Schon wieder also prägten die VfB-Profis eine Partie der DFB-Elf. Nach dem Doppelpack von Stürmer Undav am Freitag in Bosnien (2:1) gab es nun das Goldene Tor gegen die Niederlande: Vom Debütanten Jamie Leweling, der einen starken Auftritt hinlegte.
Leweling war ja in die Anfangself gerückt, weil Undav wegen Adduktorenproblemen ausfiel. Kann der eine nicht, der vorher getroffen hat, kickt halt der andere Stuttgarter – und trifft auch. Was selbstverständlich klingt, wirkt immer noch verrückt. Weil diese Profis von einem Verein kommen, der noch vor eineinhalb Jahren schnurstracks in Richtung Zweitklassigkeit abzustürzen schien.
Ehe Sebastian Hoeneß Anfang April 2023 Trainer wurde – der, man kann diese Phrase an dieser Stelle ruhig mal dreschen: Kam, sah und siegte.
Hoeneß und seine Arbeit waren nun ein Thema an diesem Stuttgarter Montagabend in München, den auch Mittelfeldmann Angelo Stiller maßgeblich beeinflusste bei seinem Startelfdebüt fürs DFB-Team. Auch hier: der helle Wahnsinn mit dem Antlitz des Selbstverständlichen. Da darf der Stiller also in seiner Geburtsstadt gegen die Niederlande erstmals von Beginn an ran – und kickt im Zentrum des Geschehens so, wie er beim VfB kickt: als Chef, mit Ruhe am Ball. Abgezockt, clever, umsichtig, fast immer mit den richtigen Entscheidungen.
Woran das alles liegt, dass Undav, Leweling, Stiller und nun nach leichter Talsohle auch wieder Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt im DFB-Dress ebenso liefern, wie das im Fußball-Sprech heißt?
Julian Nagelsmann kennt einen Grund. Er hört auf den Namen Hoeneß, Vorname Sebastian. Der, so sagte es der Bundestrainer, mache „sehr viel richtig in Stuttgart – weil die Spieler gut ausgebildet zu uns kommen.“ Die VfB-Profis, so Nagelsmann, „bringen viel Vertrauen mit.“
Jüngste Beispiele: Stiller und Leweling, die nun vor der Partie gegen die Niederlande im Bus zwar vor Aufregung noch „schweißnasse Hände“ hatten – dann aber gegen Oranje trocken und selbstverständlich ihr Pensum abspulten. So, als hätte kein Bundesadler ihr Trikot geziert, sondern der Brustring. „Am Ende“, sagte Leweling, „ist es nur Fußball. Elf gegen elf, Ball, los geht’s!“
So hört sich Selbstvertrauen an – das, klar, im Alltag in Stuttgart aufgebaut wurde.
„Wenn man wie ich beim VfB einen Trainer hat, der einem hilft, dann kann man sich top entwickeln“, sagte Leweling nun dazu: „Und das sieht man auch bei den anderen Spielern, das ist in Stuttgart sehr schön.“ In seinem Fall, so Leweling weiter, „hat Sebastian Hoeneß immer an mich geglaubt, obwohl ich in meinem ersten halben Jahr beim VfB nicht so gute Leistungen gebracht habe“. Hoeneß habe ihn jetzt bis hierhin gebracht, meinte Leweling noch – also nach München, zum Ort des vorläufigen Karriere-Höhepunkts. „Ich denke“, so sagte es der VfB-Offensivmann am Ende, „dass ich ihm das jetzt zurückgezahlt habe.“
Der Bessermacher des VfB
Der Spielerbessermacher Hoeneß wird das sicher gern hören – und dann womöglich in seiner bewährt nüchternen Art sagen, dass das ja irgendwie auch sein Job sei. Der VfB-Coach, der etliche seiner Jungs zu Nationalspielern formte, würde damit maßlos untertreiben.
Nicht übertrieben wiederum, sondern angemessen waren nun in München die Lobpreisungen der Teamkollegen in Richtung Leweling, dem Mann des Abends. „Jamie war unser Schlüsselspieler in der Offensive“, sagte Abwehrchef Antonio Rüdiger. Und Kapitän Joshua Kimmich sah gegen die Niederlande einen „sehr reifen und starken Auftritt“ Lewelings – der nun schon an diesem Samstag nach München zurückkehrt. Mit dem VfB, zum Ligaduell mit dem FC Bayern.
Teamkollege Angelo Stiller schmiedete dafür schon mal einen vernünftigen Plan. „Jamie“, so sagte es der Mittelfeldmann des VfB, „soll so weitermachen und an gleicher Stelle einfach wieder treffen.“