Ging erstmals für die A-Nationalelf auf Torejagd: Nick Woltemade. Foto: imago/osnapix

Entgegen der Ankündigung von Bundestrainer Nagelsmann vom späten Mittwochabend reist der VfB-Profi nun doch noch nicht zur U 21.

Spät am Mittwochabend verkündete Julian Nagelsmann die Botschaft. Oder besser: Seinen Plan B. Plan A, das ist klar, das war der Sieg im Nations-League-Halbfinale gegen Portugal und der Einzug ins Finale in der Münchner Arena am Sonntag. Nach dem 1:2 aber geht es nun nach Stuttgart, zum Spiel um Platz drei (15 Uhr) – und damit sollte sich alles ändern. Zumindest für Nick Woltemade. Denn für den Offensivmann des VfB Stuttgart sollte, so Nagelsmann, der vorab besprochene Plan B greifen. Und der hieß: Woltemade verpasst nach seinem Debüt am Mittwoch sein großes Heimspiel am Sonntag – und reist stattdessen mit der U-21-Auswahl ins slowakische Modra ins Quartier. In der Slowakei steigt vom 11. bis 28. Juni die U-21-EM. Woltemade soll das Team von Trainer Antonio di Salvo zum Titel schießen. Das ist der Auftrag.

 

Der Angreifer also firmiert bald nicht mehr als A-Nationalspieler, sondern in den nächsten Wochen wieder als U-21-Nationalspieler. „Das habe ich mit Toni di Salvo so vereinbart, wenn wir nicht ins Finale kommen“, sagte Bundestrainer Nagelsmann am späten Mittwochabend, „generell will ich mich auch an die Vereinbarung halten, dass die Jungs ein gutes Turnier spielen können.“

Dann sagte Nagelsmann in den Katakomben der Münchner Arena noch einen Satz, der Woltemade und seinen Fans sehr gefallen dürfte mit dem Blick in die Zukunft: „Es wird sicher noch das eine oder andere A-Länderspiel dazukommen in seiner Karriere.“

Womöglich doch schon am Sonntag in Stuttgart?

Am Donnerstag jedenfalls gab es doch noch weitere DFB-interne Gespräche in der Causa Woltemade, an deren Ende eine Planänderung stand. Denn: die U 21 wird nach einem geheimen letzten EM-Test gegen Finnland am Donnerstag in Frankfurt nun nochmal zwei freie Tage erhalten. Die Junioren werden danach am Sonntag in die Slowakei reisen. Heißt: Woltemade wäre am Donnerstag, also einen Tag nach seinem Debüt für die A-Nationalelf, aus Gründen der Belastungssteuerung ohnehin nicht beim Test der U 21 zum Einsatz gekommen – und hätte jetzt bei den zwei folgenden freien Tagen wiederum nicht mit der Mannschaft trainieren können. Also entschied man sich, dass der VfB-Angreifer doch weiter beim A-Team mit Nagelsmann bleibt, dort trainiert, am Sonntag in Stuttgart im Kader steht und erst danach zur U 21 reist.

Bei seinem ersten A-Länderspiel gegen die Portugiesen in München jedenfalls durfte der Senkrechtstarter eine Stunde lang ran – und hatte bei seinem Länderspieldebüt einen schweren Stand. Seine Aufgabe wurde schnell ersichtlich: Woltemade sollte vorne mit dem Rücken zum Gegner die Bälle festmachen, sie prallen lassen und so eine ständige Anspielstation sein.

Allerdings: In einer schon in der ersten Hälfte nicht funktionierenden deutschen Elf (wenig Struktur, keine funktionierenden Abläufe, kaum Esprit) fehlte Woltemade die Bindung zum Spiel – auch, weil seine Kollegen ihn selten in die Position brachten, die ihn stark macht: mit dem Ball am Fuß auf die Abwehr zulaufen zu können und ins Dribbling zu kommen. Wenn der Angreifer mal den Ball hatte, verlor er ihn aber oft auch schnell wieder. Nach 19 Minuten hatte der VfB-Angreifer dennoch eine dicke Chance zum 1:0, als er nach Zuspiel von Aleksandar Pavlovic mit einem Schlenzer scheiterte.

Hinterher sagte Nagelsmann über die Leistung seines Debütanten dies: „Ich will das gar nicht zu viel bewerten – es prasseln so viele Dinge auf so einen jungen Spieler ein, da erwarte ich keine Wunderdinge.“ Dann bewertete der Bundestrainer den Woltemade-Auftritt doch noch: „Er hat es gut gemacht, er hat relativ viel Raum gehabt, es hat nur lange gedauert, bis wir nachgerückt sind, um die abgelegten Bälle von ihm zu kriegen.“ In der zweiten Hälfte habe sich Woltemade, so der Coach weiter, nochmal stabilisiert: „Es war absolut in Ordnung von Nick, er hat seine ersten 60 Minuten als Nationalspieler gut genutzt.“ Und die werden, glaubt man Nagelsmanns Worten, nicht die letzten gewesen sein.