Vier Spieler des VfB Stuttgart waren zuletzt für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nominiert gewesen. Am Donnerstag wird nun der EM-Kader bekannt gegeben. Dürfen sich noch mehr Weiß-Rote Hoffnungen machen?
Für Maximilian Mittelstädt ist die Sache klar: „Wenn ich der Trainer wäre, ich würde Deniz mitnehmen – und auch spielen lassen.“ Der Außenverteidiger des VfB Stuttgart sprach über seinen Teamkollegen, den Stürmer Deniz Undav. Das war nach dem 1:0-Auswärtssieg der Weiß-Roten am Freitagabend (Liveticker und Statistiken) – als der Blick schon auf den kommenden Donnerstag ging.
Dann nämlich gibt Julian Nagelsmann den Kader bekannt, mit dem er in die finale Vorbereitung auf die Europameisterschaft im eigenen Land (14. Juni bis 14. Juli) startet. Und beim VfB werden einige ganz genau hinschauen – oder schon vorab auf einen Anruf des Bundestrainers warten. „Ich hoffe“, sagte etwa der gelobte Deniz Undav, „dass ich meinen Namen hören werde.“ Das hoffen in Stuttgart zumindest auch noch drei andere.
Neben Undav waren zuletzt bei den Länderspielen gegen Frankreich und die Niederlande auch Maximilian Mittelstädt, Waldemar Anton und Chris Führich nominiert. Seitdem sind einige Wochen vergangen, in denen sich einiges getan hat – beim VfB und bei der Konkurrenz. Weshalb es sicher kein Schaden war, dass die Stuttgarter Kandidaten mit ihrer starken Mannschaft noch einige Signale gesetzt haben.
Da war das Spiel auf Augenhöhe beim Meister aus Leverkusen, das der VfB beinahe gewonnen hätte (2:2). Da war der Sieg gegen den FC Bayern (3:1). Und da war nun der starke letzte Eindruck beim Auswärtssieg beim FC Augsburg, der sicherstellte, dass der VfB die Bundesligasaison mindestens als Dritter abschließt. „Es gab viele positive Einzelentwicklungen im Laufe des Jahres“, sagte am Freitag Fabian Wohlgemuth. Und der Sportdirektor beschränkte sich nicht auf das bereits im DFB-Dress bekannte Quartett.
Haben Nübel und Stiller noch Chancen?
Alexander Nübel, sagte er, habe „gut gehalten“. Der Torhüter wird aber wohl kaum eine Chance haben, da den Bundestrainer auf der Torhüterposition keine Sorgen plagen. Und Wohlgemuth nannte noch Angelo Stiller, „der scheint ja ein Magnet im Fuß zu haben“. Das sollte die Ballsicherheit des Sechsers unterstreichen. „Er hat seit der letzten Länderspielpause noch einmal richtig gute Leistungen gebracht“, ergänzte der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß und meinte: „Es wäre sicher kein Fehler, einen solchen Spieler auch dabei zu haben.“
Auch Stiller hat allerdings nur Außenseiterchancen, denn das Gedränge im deutschen Mittelfeld ist vor allem durch die Rückkehr von Toni Kroos nicht gerade kleiner geworden. In Ilkay Gündogan, dem Kapitän, steht ein weiterer spielstarker Mittelfeldmann fix im Kader, der Leverkusener Robert Andrich und Pascal Groß (Brighton & Hove Albion) verkörpern eher den kampfstarken und körperbetonten Typ Mittelfeldspieler. Dazu drängt Leon Goretzka noch ins Team, der Nationalspieler des FC Bayern war zuletzt außen vor gewesen. Auch der junge Aleksandar Pavlovic gilt noch als Münchner Kandidat.
Außen vor waren zuletzt auch Mats Hummels und Nico Schlotterbeck. Die beiden Dortmunder Abwehrspieler haben nun aber im Viertel- und Halbfinale der Champions League starke Leistungen gezeigt – und den Bundestrainer womöglich noch einmal ins Grübeln gebracht, ob er vom Finalisten der Königsklasse tatsächlich nur den Stürmer Niclas Füllkrug nominieren möchte. Springen Hummels und/oder Schlotterbeck noch auf den EM-Zug auf, könnte es für Waldemar Anton, den VfB-Kapitän, eng werden. Allerdings waren zuletzt lediglich 23 Spieler nominiert, bei der EM sind 26 erlaubt.
Eher sicher sein dürfen sich mit Blick auf die Nominierung am Donnerstag wohl Chris Führich und Maximilian Mittelstädt. Da Serge Gnabry nun erst einmal wegen eines Muskelbündelrisses ausfällt, wird Führich als dribbelstarker Flügelspieler wohl auf jeden Fall gebraucht. Und die Linksverteidigerposition, auf der Mittelstädt zuhause ist, ist keine, auf der sich die Kandidaten gegenseitig auf den Füßen stehen. Zudem hat der Ex-Berliner bei seinen ersten beiden Einsätzen im Nationalteam überzeugt – sogar als Schütze eines Traumtores.
Wer also schafft es ins 26-köpfige EM-Aufgebot von Julian Nagelsmann. Das bisherige Quartett, eher weniger – oder sogar noch ein VfB-Spieler mehr als zuletzt? „Ich wünsche es ihnen und glaube auch, sie hätten es verdient“, sagte Sebastian Hoeneß mit Blick auf „seine“ Kandidaten. Wollte aber keine Empfehlungen abgeben. „Der Julian“, meinte der VfB-Coach, „sieht viel und hat alle Informationen.“ Und zur Not kann er sich ja auch die Tabelle der Fußball-Bundesliga anschauen.