Im und um den Nationalpark setzen alle Seiten jetzt auf Transparenz und Dialog – die Akzeptanz bei Anliegern steigt. Foto: Monika Braun

Wird der Nationalpark etwa noch zum „Bürgernationalpark“? Mit der Abgrenzung der Managementbereiche um Siedlungen und in vielen Gesprächen wurde Vertrauen aufgebaut.

Viele Lockerungen und Ausnahmeregelungen gibt es um die bewohnten Gebiete im Langenbach- und Schönmünztal, die im Zuge des Lückenschlusses nun vom Nationalpark umschlossen sind. Die sogenannten Managementzonen um die Siedlungsbereiche beinhalten Flächen, die für jedermann frei betretbar sind. Nach einem guten Miteinander, vielen Gesprächen und Kompromissen mit den betroffenen Anwohnern wurde eine für beide Seiten vertretbare Lösung gefunden. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats stellten Britta Böhr, Berthold Reichle und Urs Reif von der Nationalparkverwaltung die Zonen vor und erklärten die finalisierten Konzepte.

 

„Die finale Abgrenzung der Zonen wurde in Abstimmung mit der örtlichen Bevölkerung vorgenommen“, sagte Bürgermeister Michael Ruf. „Dieser ganze Prozess trägt zu einer positiven Wahrnehmung des Nationalparks innerhalb der Bevölkerung bei.“

„Wir haben die Zusagen des Umweltministeriums umgesetzt und konkret ausgearbeitet“, erklärte Britta Böhr, die mit Berthold Reichle seit Oktober den Nationalpark Schwarzwald leitet. Die Managementzonen um die Siedlungsgebiete enthielten Bereiche mit Lockerungen der Regeln – insbesondere seien das freie Betretungsrecht und das Borkenkäfermanagement wichtig gewesen.

Erweiterungsfläche umfasst 2666 Hektar

Böhr fasste nochmals die Eckdaten zusammen. Durch die Erweiterung des Nationalparks sei eine Gesamtfläche von 11 280 Hektar entstanden. Mit der Erweiterungsfläche von 2666 Hektar sei auch eine Gesetzesänderung verbunden. Es gebe nun drei Typen von Managementzonen: Flächen zum Borkenkäferschutz, Flächen zum Biotop- und Artenschutz und Zonen im Bereich von Siedlungsflächen. „Es war eine gute und einvernehmliche Abstimmung, der endgültige Beschluss wird am 19. März im Nationalparkrat gefasst“, erklärte Böhr.

Urs Reif gab einen Überblick über die betroffenen Gebiete und erwähnte viele Detailabstimmungen vor Ort. Genaue Informationen seien auch auf der Homepage des Nationalparks zu finden. „In der Summe haben wir nun besonders für die Menschen vor Ort Verbesserungen geschaffen“, sagte er.

Yannik Seiferling meldet Zweifel an

Gemeinderat Yannik Seiferling (CDU) sprach von einem Widerspruch, da große Bereiche des Nationalparks künftig von Forst BW bewirtschaftet würden und nicht wie bisher vom Nationalpark selbst: „Meiner Ansicht nach wirft das die Arbeit des Nationalparks zurück. Ich sehe das kontrovers.“ Werde da nicht die Arbeit der vergangenen Jahre zunichtegemacht?

„Dieses Thema hat uns sehr umgetrieben“, bekannte Böhr. „Wir haben naturschutzfachliche Flächen an Forst BW abgegeben, aber durch den Zusammenschluss sehen wir einen höheren ökologischen Mehrwert.“ Man sei in guter Abstimmung mit Forst BW, was die abgegebenen Flächen betreffe, um ein gutes Management sicherzustellen. „Uns wäre es anders lieber gewesen“, gab auch Reichle zu. „Wir versuchen, voneinander zu profitieren und bewirtschafteten Wald und Nationalpark zu verbinden.“ Klar sei aber auch, dass es eine deutliche Trennung gebe.

„Ich sehe auch die finanzielle Seite“, warf Seiferling ein. „Die Ziele des Nationalparks sind nicht immer die gleichen wie von Forst BW.“

Christine Günter wünscht weiter offenen Austausch

Christine Günter, Gemeinderätin (FWV) und Ortsvorsteherin von Schwarzenberg-Schönmünzach, verwies auf geschaffenes Vertrauen vor Ort durch die zahlreichen Bürgergespräche. „Wir wünschen uns auch in Zukunft einen transparenten und offenen Austausch, der Nationalpark ist nun einmal da“, sagte sie. Der Ortschaftsrat habe daher am Vorabend den Plänen zu den Managementzonen zugestimmt.

Gerhard Gaiser (SPD) hätte sich diese Transparenz zu Zeiten der Gründung des Nationalparks gewünscht, aber heute könne man von einem „Bürgernationalpark“ reden.

Bei acht Enthaltungen stimmte der Gemeinderat den Abgrenzungen der dauerhaften Managementbereiche um die Siedlungsgebiete im Schönmünz- und Langenbachtal zu.