Rund um den Nationalpark Schwarzwald kämpfen unter anderem die Mitarbeiter von Forst BW gegen den Borkenkäfer – mit Erfolg, sagen sie.
Kreis Freudenstadt - Die Entscheidung für den Nationalpark Schwarzwald im Jahr 2014 hatte bei den Besitzern von Wäldern in der Nachbarschaft des Parks große Sorge ausgelöst. Wenn man den Wald dort sich selbst überlässt, kann dann der Borkenkäfer auch die angrenzenden Wälder befallen?
Sieben Jahre später: Die gesetzlich festgelegten Schutzmaßnahmen haben sich bislang bewährt. Um den Nationalpark wurde eine 500 Meter breite Pufferzone angelegt. Wissenschaftliche Untersuchungen hatten ergeben, dass der Borkenkäfer ungefähr diese Strecke im Flug zurücklegt. 50 Prozent dieser Pufferzone kontrolliert die Forst BW. Die Landeseinrichtung ist also hauptsächlich für den Schutz der umliegenden Wälder verantwortlich.
Digitales System im Wald
Simon Stahl, der Forstbezirksleiter Mittlerer Schwarzwald, sprach in einer Waldbegehung über das Projekt Borkenkäfermonitoring. Dabei soll der Käfer gewissermaßen in der Pufferzone gefangen gehalten werden. "So ein Projekt muss man sich leisten können. Das Ziel in der Pufferzone ist es, dem Käfer immer fressbare Fichten zu liefern", erzählt Stahl.
Der Fichtenborkenkäfer – auch Buchdrucker genannt – ist der "Feind" der Forstwirte. Stahl betont, dass es sich beim Nationalpark keinesfalls um eine Monokultur handle. Der Wald bestehe neben Fichten auch aus Kiefern, Tannen und einer großen Zahl von Laubbäumen. Es sei eine Lüge, dass in Deutschland immer mehr Monokulturen in Wäldern entstünden. "Ich weiß nicht, woher das kommt", so der Forstbezirksleiter.
Im Kampf gegen den Schädling setzen die Mitarbeiter auf ein digitales System. Auf einer Karte können die Forstwirte im Detail jeden Baum auswählen, markieren und – wenn er später wegen Käferbefall gefällt wurde – zur Abholung freigeben. Das System kommt in der ganzen Pufferzone zum Einsatz und basiert auf einer Datenbank.
Tierischer Helfer
Zunächst muss der Käfer aber erst einmal gefunden werden. Grundsätzlich gibt es drei Wege: Der Baum wehrt sich mit der Aussonderung von Harz gegen den Schädling, was man mit einem Fernglas entdecken kann. Einfacher sei es, wenn man auf Bohrmehl stößt, das entsteht, wenn sich der Käfer in den Baum gräbt.
Und es gibt auch einen tierischen Helfer: Der Specht hat den Borkenkäfer auf seinem Speiseplan. Er isst besonders gern die Larven. Für die Forstwirte bedeutet dies, dass es höchste Zeit ist, wenn der Specht an den Bäumen gesichtet wird.
Dagegen ist es oft schon zu spät, wenn sich die Nadeln gelb färben oder sich die Rinde löst. Nach dem Fällen muss das Käferholz unverzüglich abgeholt werden, da sich der Käfer im Holz weiterentwickle, sagt ein Forstwirt.
Für einen Hektar Wald benötigen die Mitarbeiter der Forst BW drei Stunden. Bei gutem Wetter gehen sie einmal in der Woche auf Kontrolltour – aber nicht bei diesem nasskalten Sommer. Zumal diese Temperaturen dem Wald zu Gute kommen, da der Käfer erst ab 16 Grad aktiv wird.
So rechnet Simon Stahl damit, dass der Borkenkäfer in diesem Jahr nur zwei Fortpflanzungszyklen hat. In wärmeren Jahren sind es für gewöhnlich drei. In Sachen technischen Hilfsmitteln erwartet sich der Forstbezirksleiter für die Zukunft noch einiges: "Da wird sich noch was tun." Wahrscheinlich mit Satelliten oder Drohnen.