In einer gemeinsamen Sitzung mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) einigte sich der Nationalparkrat am Montag über das weitere Vorgehen bei der geplanten Erweiterung des Parks.
Es hatte thematisch gerumpelt bei der geplanten Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald, mit der die Lücke zwischen den beiden jetzt getrennten Parkteilen geschlossen werden soll.
Im Vorfeld der Sitzung des Nationalparkrats an diesem Montag hatten die Landräte Klaus Michael Rückert (Freudenstadt) und Christian Dusch (Rastatt) sowie der die Bürgermeister Robert Stiebler (Forbach) und Michael Ruf (Baiersbronn) eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie sich kritisch zur Kommunikation des Landes geäußert hatten.
Auslöser war eine Pressemitteilung des Staatsministeriums in Stuttgart. Die laut Rückert, gleichsam auch Vorsitzender des Nationalparkrats, „unterschiedlich interpretierbar“ war und den Eindruck erweckt habe, der Nationalparkrat habe in einer Nacht- und Nebelaktion die Parkerweiterung bereits beschlossen, ohne die betroffenen Kommunen und Bürger anzuhören.
Die weitere Entwicklung
In der Sitzung habe man die Situation geklärt, so der Freudenstädter Landrat, und nun einen einstimmigen Beschluss des Nationalparkrats zur weiteren Vorgehensweise bei der Parkerweiterung um 1500 Hektar gefasst. Die Kuh scheint also vorerst vom Eis – und das wohl nicht zuletzt wegen des Ministerpräsidenten.
Für Winfried Kretschmann (Grüne) ist der Nationalpark Schwarzwald ohnehin eine Herzensangelegenheit und so kam er gestern auf den Ruhestein, um die Wogen zu glätten. „Es war mir wichtig, heute persönlich an der Sitzung teilzunehmen, um den direkten Austausch zur geplanten Erweiterung des Nationalparks zu ermöglichen. Für die Menschen vor Ort ist der Wald Heimat, und ihre Interessen – ob bei Nutzungsrechten oder Betretungsregeln – werden wir soweit möglich berücksichtigen und sorgfältig mit den Anforderungen des Natur- und Artenschutzes abwägen. Diesen Weg möchten wir gemeinsam gehen, und dafür werden wir die betroffenen Kreise, Kommunen sowie den Nationalparkrat und -beirat eng einbinden“, versicherte Kretschmann.
Auch Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) betonte gestern, dass man erst jetzt einen Grundsatzbeschluss im Rat gefasst habe und nun im Gespräch mit den Betroffenen schaue, wie die Parkerweiterung ausgestaltet wird, damit sie ein „Gewinnerthema“ für alle Beteiligten werden kann. Erst dann werde der Nationalparkrat die Details der Erweiterung beschließen und anschließend werde das Gesetzgebungsverfahren eingeleitet. Bis zum 1. Januar 2026 soll das Projekt abgeschlossen sein.
Die vorläufige Karte
Eine Arbeitskarte für die geplante Erweiterungsfläche wurde am Montag bereits präsentiert. Demnach soll der verbindende Korridor für den Lückenschluss zwischen dem jetzt getrennten Süd- und dem Nordteil des Nationalparks östlich von Hundsbach und über das Langenbachtal verlaufen. Hundsbach wäre dann nicht – wie von den dortigen Einwohnern befürchtet – vom Nationalpark umschlossen. Der Ort würde lediglich von einer Pufferzone tangiert, die künftig von Forst BW gemanagt werden soll.
Im Langenbachtal könne laut Umweltministerin Walker nur eine Managementzone entstehen. Für die Ministerin heißt das, „man kann sich dort frei bewegen, mit entsprechenden Zugängen und Auffahrtswegen, damit das Leben ganz normal weitergeht“. Auch Rückert betonte, „es wird dort keine Käseglocke geben“, die Ausgestaltung der Managementzone werde gemeinsam mit den Anwohnern besprochen. Klar ist laut Nationalparkleiter Wolfgang Schlund bereits, dass die vom Schwarzwaldverein ausgewiesenen Wanderwege im Erweiterungsgebiet erhalten bleiben. Lediglich bei den Managementwegen soll mit der Bevölkerung abgeklärt werden, welche man erhalten sollte.
Preis für die Erweiterung
Die Kosten für die Erweiterung wurden laut Rückert in der Sitzung nicht thematisiert. Da die Waldgenossenschaft Murgschifferschaft Flächen im Erweiterungsgebiet hat, wird das Land eigene Waldflächen mit der Genossenschaft tauschen.
Die Vorbereitungen dafür laufen derzeit schon, Forst BW und Murgschifferschaft bewerten die Tauschflächen gemeinsam. Ebenfalls Teil des Deals: Das Land wird seine Anteile an der Genossenschaft der Murgschifferschaft verkaufen, allerdings erst dann, wenn die Bewertungen abgeschlossen sind und der Flächentausch erfolgen kann. Die endgültige Karte für die Nationalparkerweiterung soll bis Januar 2025 stehen.