Wechsel im Nationalparkrat und in der Leitung des Nationalparks (von links): Wolfgang Schlund, Klaus Michael Rückert, Thekla Walker, Andreas Junt, Britta Böhr und Berthold Reichle Foto: Monika Braun

Am Ruhestein wurden Weichen für die Zukunft gestellt. Ein Duo leitet jetzt wieder den Nationalpark Schwarzwald. Und der Nationalparkrat hat einen neuen Vorsitzenden.

Reibungslos vollzog sich der Wechsel von Landrat a. D. Klaus Michael Rückert, der seinen Vorsitz im Nationalparkrat an den neuen Landrat im Kreis Freudenstadt, Andreas Junt, übergab. Einstimmig und in offener Wahl wurde in der jüngsten Sitzung des Nationalparkrats in Nationalparkzentrum am Ruhestein die Amtsübergabe vorgenommen.

 

Viele gute Worte gab es bei der Verabschiedung Rückerts, der selbst den Nationalpark als Herzensprojekt beschrieb. „Auch nach meinem Rückzug aus dem Nationalparkrat werde ich immer wieder hier sein und den Nationalpark begleiten“, sagte Rückert bei der Pressekonferenz. Der Nationalpark sei immer ein Projekt gewesen, das er mit Leidenschaft begleitet habe, und eines der Ehrenämter, das er mit Herzblut betrieben habe. Zum Abschied bekam er ein Fledermaushaus für den Garten.

Sein Nachfolger als Vorsitzender des Nationalparkrats, Andreas Junt, dankte für das Vertrauen und freute sich auf eine gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung. „Die Erweiterung des Nationalparks ist mir ein großes Anliegen, wir möchten Gutes erhalten und Neues gestalten“, so Junt.

Entscheidung im Landtag: Ministerin zuversichtlich

Umweltministerin Thekla Walker zeigte sich zuversichtlich, dass bei der zweiten Lesung des Gesetzes am 12. und 13. November die geplante Erweiterung im Landtag endgültig beschlossen werde. „Es war schon ein Kunststück, dass wir den Lückenschluss hinbekommen haben. Die gute Zusammenarbeit mit der Region und dem Land hat es möglich gemacht“, betonte sie. „Am Ende des Prozesses müssen Entscheidungen getroffen werden, und wir haben einen gelungenen Kompromiss gefunden“, so Walker.

Auf Nachfrage erklärte sie, dass dieser Kompromiss aus ihrer Sicht nicht teuer erkauft worden sei. Es sei verhandelt worden, um das für das Land wichtige Naturschutzprojekt weiterführen zu können. „Es war ein Geschäft, das in Ordnung ist für die übergeordnete Zielsetzung“, sagte sie.

Wolfgang Schlund verabschiedet

Ebenfalls verabschiedet wurde der langjährige Leiter des Nationalparks, Wolfgang Schlund, der den Park seit Gründung 2014 bis 2021 zusammen mit Thomas Waldenspuhl geleitet hatte und nach einer persönlichen Auszeit 2023 die alleinige Leitung übernommen hatte.

Ministerin Walker lobte den Einsatz Schlunds für den Nationalpark und dankte ihm für die Bereitschaft, nach seiner Auszeit zurückzukehren: „Vom Segelschiff wieder in den Wald – vielen Dank, dass Sie das Steuer hier im Nationalpark erneut übernommen haben.“ Es habe sie tief beeindruckt, wie sich Schlund konstant für die Erweiterung und den Park eingesetzt habe, ohne je müde zu werden, alles erneut zu erklären. „Sie gehen wieder auf Reisen, und wir sind auf der Zielgeraden“, stellte Walker fest.

Biologin und Förster sehen gelungene Mischung

„Großschutzgebiete sind dort, wo sie eingerichtet werden sollen, erst mal umstritten“, sagte Schlund. „Dafür braucht es Verständnis, Vertrauen, Austausch – das haben wir auch auf den Weg gebracht.“

Als neue Doppelspitze in der Leitung des Nationalparks folgen seine bisherige Stellvertreterin Britta Böhr und Berthold Reichle, der zuvor im Ministerium für Schutzgebiete zuständig war.

„Wir sehen die Mischung unseres Teams als sehr gelungen an – ich als Biologin und mein Kollege Reichle als Förster ergänzen uns wunderbar und haben in vielen Dingen fast deckungsgleiche Vorstellungen“, sagte Böhr.

Reichle, der erst seit 1. Oktober für den Nationalpark tätig ist, sprach von großer Motivation, mit der er seine Arbeit vorantreiben werde: „Ich bin gelandet, wir haben ein tolles Team, und ich bin hier am richtigen Ort.“

Das sind die neuen Leiter des Nationalparks

Britta Böhr
Die promovierte Biologin leitete seit der Gründung des Nationalparks Schwarzwald 2014 den Fachbereich Nationalparkplanung, Regionale Entwicklung und Tourismus, 2021 übernahm sie auch die stellvertretende Leitung des Nationalparks. Während der Gründungsphase war Britta Böhr als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung „Wald und Gesellschaft“ der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg Teil des Koordinationsteams, das die Einrichtung des Nationalparks begleitet hat. Zuvor war sie maßgeblich an der Erstellung der Waldnaturschutzkonzeption sowie des strategischen Nachhaltigkeitsmanagements der Landesforstverwaltung beteiligt, so das Umweltministerium in einer Mitteilung.

Berthold Reichle
Der ausgebildete Förster und Bergführer war mehrere Jahre beim Bergwaldprojekt im Bergwald der Schweiz und Deutschlands im Bereich Naturschutz und Bildungsarbeit tätig. Im Forstamt am Bodensee konnte er zudem jahrelange Erfahrung als Förster sammeln. Darüber hinaus leitete Reichle 21 Jahre lang das Haus des Waldes in Stuttgart und hat die Waldpädagogik wesentlich konzeptionell und strukturell in Baden-Württemberg mitetabliert. Zuletzt war er als stellvertretender Referatsleiter im Umweltministerium Baden-Württemberg für Schutzgebiete zuständig.