Wilder Wald im Nationalpark Schwarzwald: Die Besucher wissen unberührte Natur zu schätzen. Foto: Luis Scheuermann/Nationalpark Schwarzwald

Eine Forsa-Umfrage zeigt höhere Akzeptanz für den Prozessschutz im Nationalpark Schwarzwald. 70 Prozent der Befragten kennen das Schutzgebiet, 90 Prozent bewerten es positiv.

Der Wald im Nationalpark Schwarzwald wandelt sich langsam aber stetig zu mehr Wildnis, mit der das Motto des Großschutzgebiets „Natur Natur sein lassen“ auch für die Gäste immer spürbarer wird.

 

Dass das gut ankommt, sich viele Besucher sogar noch mehr Wildnis wünschen, zeigt laut Mitteilung des Nationalparks eine repräsentative Umfrage, bei der das Meinungsforschungsinstitut Forsa im November von rund 1000 Menschen in Baden-Württemberg wissen wollte, wie sie zum Nationalpark Schwarzwald stehen und die Entwicklungen dort wahrnehmen.

Seit 2018 gibt das sozialwissenschaftliche Team des Nationalparks einmal jährlich eine solche Telefonbefragung in Auftrag – um zu untersuchen, wie sich Bekanntheit und Wahrnehmung des einzigen Großschutzgebiets dieser Kategorie im Land entwickeln. Besonders auffällig dieses Jahr laut der Mitteilung vom Ruhestein: die deutlich gestiegene Akzeptanz für den Prozessschutz, also für das Konzept, der Natur das Ruder zu überlassen und auf einem Großteil der Fläche nicht mehr einzugreifen. So stimmen 80 Prozent der Befragten ab 14 Jahren der Aussage zu: „Je wilder die Natur im Nationalpark Schwarzwald, desto besser gefällt sie mir.“

Wertschätzung für unberührte Natur

64 Prozent waren der Meinung, es müsse im Naturschutz auch Gebiete geben, „in denen der Mensch seine Finger komplett aus dem Spiel lässt“. 2018 stimmten noch acht Prozent weniger dieser Aussage zu.

„Das freut uns natürlich sehr, dass die Menschen die unberührte Natur zu schätzen wissen. Für den Schutz der biologischen Vielfalt, die Forschung und auch die Bildungsarbeit ist es wertvoll, dass wir in Baden-Württemberg Räume haben, in denen sich natürliche Prozesse frei entwickeln dürfen. Hier können wir von der Natur lernen und darüber staunen, welche Lösungen sie selbst entwickelt“, wird Umweltministerin Thekla Walker in der Mitteilung zitiert.

Brücke der Wildnis am Nationalparkzentrum Ruhestein Foto: Daniel Müller/Nationalpark Schwarzwald

2018 war noch fast die Hälfte der Befragten der Meinung, die Natur könne nur geschützt werden, „wenn der Mensch sich aktiv um sie kümmert“. Jetzt stimmten dieser Aussage nur noch 34 Prozent zu. Auch das zeige, so heißt es weiter, dass die Akzeptanz für Schutzgebiete wie Nationalparke steigt.

„Im Nationalpark können die Menschen erleben und zum Beispiel auf Führungen lernen, warum Nichtstun auch für die Artenvielfalt eine richtig gute Idee ist“, sagt Nationalparkleiterin Britta Böhr. Rund 40 Prozent der Befragten haben von dieser Gelegenheit schon einmal selbst Gebrauch gemacht.

Bekanntheit konstant bei 70 Prozent

„Diese Zahl ist mit den Jahren kontinuierlich gestiegen, weil es uns jetzt ja auch schon länger gibt“, erklärt Susanne Berzborn, die die Befragungen für den Nationalpark koordiniert. Die Bekanntheit des Großschutzgebiets liegt seit einigen Jahren konstant bei rund 70 Prozent, die positive Bewertung ebenfalls unverändert bei rund 90 Prozent der Befragten.

„Uns ist wichtig, über solche Umfragen regelmäßig ein Feedback zum Nationalpark einzuholen – um daraus auch für die Praxis zu lernen und Verbesserungen abzuleiten“, so die Sozialwissenschaftlerin.

Impulse für die praktische Arbeit

Das große Interesse der Gäste an Wildnis und natürlichen Prozessen fließt auch in die praktische Bildungsarbeit des Nationalparks ein. „Neben der Erweiterung werden die Themen Wald, Wandel, Wildnis für uns Schwerpunkte im neuen Jahr sein“, kündigt Nationalparkleiter Berthold Reichle an. Nachdem die gleichnamige Fotoausstellung schon seit einem Jahr erfolgreich in der Region kursiere, werde sich auch das Veranstaltungsprogramm des Nationalparks noch stärker mit Fragen rund um Waldwandel und Prozessschutz beschäftigen.

Der Ergebnisbericht des Meinungsforschungsinstituts und die Berichte aus den Vorjahren sind unter www.nationalpark-schwarzwald.de/forschen/sozialwissenschaftlich zu finden.