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Nationalpark Schwarzwald Ausstellung lässt Wald zum Erzähler werden

Von
Foto: Michel

Baiersbronn/Seebach/Ruhestein - Es ist ein Spiel mit Draußen und Drinnen, mit Raum und Natur und immer im Mittelpunkt: Wald und Wildnis. Das neue Nationalparkzentrum Ruhestein ist so gut wie fertig und mit ihm die Dauerausstellung.

Die Dauerausstellung im neuen Nationalparkzentrum, das Mitte Oktober feierlich übergeben wurde, ist beinahe bereit für die Besucher, an ein paar Dingen wird noch gefeilt. Bis Zentrum und Ausstellung öffentlich zugänglich sind, dauert es allerdings noch. Im März soll es so weit sein, allerdings wegen der Corona-Pandemie zunächst mit beschränkter Besucherzahl.

Glasfront gibt Blick frei auf den Wald

Vorab gab es bei Presserundgängen Einblicke in das Gebäude und die Ausstellung. Schon beim Eintreten ist der Besucher gleich wieder irgendwie ein bisschen draußen. Eine riesige bodentiefe Glasfront gibt den Blick frei auf den Wald.

Das Thema des Nationalparkzentrums wird schon von außen deutlich – Waldwildnis, passend zum Slogan des Nationalparks "Eine Spur wilder". Der Bau besteht aus übereinander liegenden Riegeln und erinnert damit an Totholzstämme, die von einem Sturm umgeworfen wurden.

Der Neubau, der Platz für die Dauerausstellung, aber auch für Vorträge, pädagogische Angebote, Gastronomie und Büroarbeitsplätze bietet, ist in die Natur eingefügt. "Eingefügt" ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen. "Das war keine 08-15-Baustelle", sagt Christian Lindinger, Leiter des Amts Vermögen und Bau Baden-Württemberg Pforzheim. "Es wurde mit der Landschaft gebaut und gearbeitet." So wurden die einzelnen Riegel zum Teil um die Bäume herumgebaut. Und so spielt auch die Architektur immer wieder mit neuen Blicken in die Natur, in den Wald. Dieser ist quasi ständig präsent, durch Ausblicke, Einblicke, Holz als Baustoff und die Ausstellung, in der er selbst quasi zum Erzähler wird.

60 Meter langer Skywalk besticht auchmit seiner Architektur

Empfang, Café, Shop und der Eingang zum Kino gehören zur großen Eingangshalle, durch die es über den Bereich, der später für Wechselausstellungen dienen soll, auch zum Skywalk geht. Dieser 60 Meter lange Teil des Baus besticht zugleich mit seiner Architektur und mit Aussichten, die sich bei einem Waldspaziergang nicht bieten.

Um den Skywalk in den Wald einzufügen, wurden Bäume mit Gurten weggebogen. Die Bäume hätten das gut mitgemacht, sagt Wolfgang Schlund, einer der beiden Leiter des Nationalparks. Das Einsetzen des vorgefertigten Skywalks mit einem riesigen Kran sei eine große Herausforderung gewesen, ergänzt Charly Ebel, Leiter des Fachbereichs Besucher­information im Nationalpark.

Bringt der 60 Meter lange Skywalk die Besucher auf eine Ebene mit dem Grün des Waldes, so bietet sich vom Turm, der eine Höhe von 35 Metern hat, ein Blick über die Kronen. "Es ist toll, wie viele Möglichkeiten uns das Gebäude bietet. Da freuen wir uns richtig drauf", sagt Ursula Pütz, die Leiterin der Besucherzentren im Nationalpark.

In einem Vorraum zur Ausstellung stimmt ein Film emotional und thematisch auf das ein, was dann kommt. Die Spitze eines umstürzenden Baumes scheint durch die Leinwand zu brechen, und dann macht sich der Weg in die Ausstellung auf.

Die bietet so viel zu sehen, dass sie sich auch für mehrmalige Besuche eignet. Dabei sind die Informationen in Deutsch, Französisch, Englisch und in Gebärdensprache abrufbar. Immer wieder wird es emotional, immer wieder auch philosophisch. "Wenn wir über Wildnis sprechen, reden wir über Baumgenerationen, nicht über Menschengenerationen oder Legislaturperioden", sagt Ebel.

Neben moderner Technik haben die Macher der Ausstellung, die von der Nationalparkverwaltung gemeinsam mit dem Planungsbüro Kunstraum in Hamburg konzipiert und umgesetzt wurde, auch auf Altbewährtes zurückgegriffen: auf Dioramen. Die sind so detailreich, dass es sich lohnt, etwas mehr Zeit für sie aufzuwenden: Luchs, Wolf, Rehkitz, kleine Nager und natürlich das Wappentier des Landkreises, der Auerhahn, sind hier neben vielen Waldbewohnern mehr zu finden – quasi im Zentrum die Bruchstücke eines großen umgefallenen Baums. "Man kann immer wieder Neues entdecken", stellt denn auch Wolfgang Schlund fest.

Besucher können anverschiedenen Stationen selbst aktiv werden

Die Ausstellung widmet sich Themen wie Zeit, Kommunikation im Wald, Stoffflüssen und Vielfalt, stellt verschiedene Lebensräume – von Karseen bis zu den Grinden – vor, erzählt von der Entwicklung des Waldes, vom Werden und Vergehen, führt durch die Jahreszeiten und spielt mit dem Licht der Tageszeiten und Geräuschen, will zum einen informieren, zum anderen aber auch Emotionen ansprechen. Und vielleicht kann sie damit auch diejenigen, die sich mit dem modernen Flachdachbauwerk nicht anfreunden können, wieder versöhnen.

Sie macht spannende Abenteuer möglich, bei denen die Besucher selbst aktiv werden können. Da wird zum Beispiel das Gefühl vermittelt, wie ein Vogel über den Wald zu fliegen, wobei der Flug durch die eigenen Körperbewegungen gesteuert wird. Da gibt es Bücher, die über Computeranimationen lebendig werden, und eine umgebaute Orgel, die beim Bedienen Bilder verschiedener Tiere zeigt und ihre Stimmen wiedergibt – vom Grasfrosch bis zum Waldkauz.

Die Ausstellung führt nach und nach auch hinunter in eine faszinierende Welt unter der Erde, in das Universum der Kleinstlebewesen, das dem Menschen in der Natur verborgen bleibt.

"Wir werden gefühlt kleiner, weil alles um uns größer wird", sagt Schlund. Der riesige Feuersalamander im Maßstab 1 zu 100 neben überdimensionalen orangen Schleimpilzen, die in Wahrheit nur so groß wie ein Stecknadelkopf sind, machen das deutlich. In einer Hand voll Erde seien mehr Organismen als Menschen auf dem Globus, sagt Charly Ebel zur Reise in den Mikrokosmos. Wenn man über Vielfalt spreche, müsse man auch über Mikroorganismen sprechen.

Wie in einem Sience-Fiktion-Film mutet schließlich der Raum an, in dem es durch überdimensionale Pilzhyphen geht, die das Wurzelsystem im Wald verbinden. Im Prolog der Ausstellung kommt sie wieder zum Großen zurück – der Nationalpark Schwarzwald als Teil eines Netzes aus Schutzgebieten und Teil unseres blauen Planeten, der zerbrechlichen Erde.

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