Majestät des Waldes: Silhouette eines Rothirschs. Foto: Finkbeiner

Der Weg der Hirsche: Die Mannschaft der Wissenschaftler im Nationalpark Schwarzwald will in den nächsten beiden Jahren 13 weitere Tiere mit Telemetrie-Halsbändern ausstatten, um mehr über ihr Leben zu erfahren.

Seebach - Er kennt die Rothirsche im Nationalpark beim Namen: Forstwissenschaftler Thorsten Schaupp ist zuständig für die Datenerhebung durch eine Besenderung dieser größten aller wildlebenden Säugetiere in Baden-Württemberg. "Wir erhalten mithilfe der Telemetrie einen Einblick in die Bewegungen der Rothirsche", so Schaupp. Er erhofft sich Daten unter anderem darüber, wo sie sich aufhalten und wie weit sie umherziehen.

Majestät des Waldes

Die Erkenntnisse aus diesem Monitoring sollen helfen, mehr über die Rothirsche zu erfahren, ihr Verhalten besser zu verstehen. Der Rothirsch gilt als Majestät des Waldes und ist neben dem Löwen Wappentier von Baden-Württemberg. Waldbesitzer verbinden mit ihm jedoch nicht nur Positives: Das Abziehen der Baumrinde durch den Rothirsch, das sogenannte Schälen, kann die Holzqualität der heranwachsenden Bäume deutlich mindern.

Der Nationalpark, der innerhalb eines der Rotwildgebiete Baden-Württembergs liegt, ist mehreren Schutzzielen verpflichtet: In seinen Kernzonen gilt die Maxime "Natur Natur sein lassen". Doch neben dieser Hauptaufgabe hat der Nationalpark auch das Ziel, angrenzende Wirtschaftswälder vor Schaden zu schützen. Die Erkenntnisse aus der Wildtierforschung können dabei helfen.

Um Hirsche mit Sendern ausstatten zu können, werden sie zunächst mit einem Narkosegewehr betäubt, teilt die Nationalpark-Leitung mit. Dann erhalten sie das Senderhalsband montiert und eine Ohrmarke gesetzt. "Wir nehmen bei den Tieren auch gleich eine Speichelprobe für spätere genetische Auswertungen", sagt der Forstwissenschaftler.

Hohe Ortstreue festgestellt

Anhand der Ohrmarkennummer und der Farbe des Sendehalsbands seien die Rothirsche auch auf den Bildern des laufenden Fotofallen-Monitorings wiederzuerkennen. "Jeder Hirsch erhält von uns einen eigenen Namen", so der Wildtierforscher. So sei der "Fasnachtshirsch" erstmalig an Fasnacht 2017 besendert worden. Da die Akkulaufzeit der GPS-Halsbänder begrenzt sei und Langzeitdaten für die Erforschung der Raumnutzung besonders bedeutsam seien, sei er im April erneut mit einem Halsband ausgestattet worden.

Die Auswertung seiner bisherigen Halsbanddaten zeige, dass dieser Hirsch auf einer Fläche von rund zwölf Quadratkilometern lebt. Damit durchstreife "Fasnachtshirsch" eine vergleichsweise große Fläche; im Durchschnitt betrage der Lebensraum von Rothirschen im Nationalpark fünf bis acht Quadratkilometer. Diese Fläche variiert von Jahr zu Jahr leicht.

"Wir konnten bei ›Fasnachtshirsch‹ und zehn weiteren, über mehrere Jahre untersuchten Artgenossen eine hohe Ortstreue feststellen", resümiert Friedrich Burghardt, Leiter des Wildtiermanagements im Nationalpark. "Nennenswerte Wanderbewegungen in die angrenzenden Wirtschaftswälder bestätigten sich hierbei nicht."

100 Meter in der Stunde

Die bisherigen Daten von "Fasnachtshirsch" verraten dem Forschungsteam noch weitere interessante Details, so der Nationalpark weiter: So lege er je Stunde durchschnittlich eine Strecke von ungefähr 100 Metern zurück. Seine Raumnutzung sei dabei in der Nacht größer – am Tag halte er mehr Abstand zu den Wegen ein. "Gandalf", ein weiterer Rothirsch, sei vom Telemetrie-Team um Ostern zum ersten Mal besendert worden. Er werde mit seinem GPS-Halsband ebenfalls über mehrere Jahre "wertvolle Daten für die Wildtierforschung" liefern. Mit Hilfe der Genetik und der Besenderung weiterer Tiere erhoffen sich Wildtierforscher Erkenntnisse zur Lebensweise und Raumnutzung von "Gandalfs" Nachkommen und von weiteren Rothirschen im Nationalpark. Im Rahmen des laufenden Telemetrieprojekts des Nationalparks sollen in den nächsten zwei Jahren 13 weitere Tiere mit Sendehalsbändern ausgestattet werden.

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