Der Nationalpark Doñana ist einer der wunderbarsten Naturräume Europas, das größte Feuchtgebiet Spaniens. Foto: dpa/Jorge Sierra

Der Nationalpark in Andalusien kämpft mit Wasserknappheit – im Umland sind Obstfelder. Das Regionalparlament will diese Anbaufläche erweitern. Naturschützer wenden sich an deutsche Verbraucher.

Madrid - Geht das zusammen: Intensivlandbau gleich neben einem Nationalpark? „Das geht“, sagt Felipe Fuentelsaz von der spanischen Sektion der Naturschutzorganisation WWF. „Aber es können nicht noch mehr Hektar hinzukommen.“ Doch genau das soll nach dem Willen des andalusischen Regionalparlaments geschehen: 9340 Hektar legale Anbaufläche für Erdbeeren und Heidelbeeren im Umland des Nationalparks Doñana sollen noch einmal um 800 Hektar (sagt ein Anbauverband) oder bis zu 2000 Hektar (fürchtet der WWF) erweitert werden. „Das wird dramatische Folgen für das Grundwasserreservoir haben“, sagt Fuentelsaz.

 

Die andalusische Provinz Huelva ist einer der Obstgärten Europas. Von hier kommen die Erdbeeren und Heidelbeeren, die zurzeit in deutschen Supermärkten zum Verkauf ausliegen. Die Böden und das Klima sind hier ideal für den Anbau der Früchte. Der Boom begann in den 1990er Jahren. Den Bauern brachte er Arbeit und Wohlstand, den Konsumenten im Norden Europas erschwingliche Früchte auch außerhalb der Saison. Und im Gegensatz zum noch dreimal größeren Gemüsegarten Europas in der Wüstenprovinz Almería gibt es hier auch genügend Wasser. Im Prinzip.

Der Grundwasserspiegel unter dem Nationalpark sinkt

Gleich neben den Erdbeerfeldern liegt der gut 50 000 Hektar große Nationalpark Doñana, einer der wunderbarsten Naturräume Europas, das größte Feuchtgebiet Spaniens, Rastplatz von Millionen Zugvögeln, ein Paradies auf Erden, zu dessen Schutz sich einst der WWF gegründet hatte. Doch Doñana trocknet aus. Ein Video, vor gut einer Woche aufgenommen, zeigt eine Steppe statt Feuchtgebiet. Es hat in diesem Herbst und Winter wenig geregnet. Doch das ist der kleinere Teil des Problems, sagt Felipe Fuentelsaz. Die Hauptursache für die verdorrende Natur sei der wasserverbrauchende Erdbeer- und Heidelbeeranbau in der unmittelbaren Nachbarschaft.

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Der Grundwasserspiegel unter dem Nationalpark sinkt. Die zuständige Wasserbehörde erklärte das Grundwasserreservoir vor zwei Jahren für sobreexplotado, überbeansprucht. Das merken auch die Landwirte: Sie müssen ihre Brunnen immer tiefer bohren. „Wenn das Reservoir ein Stausee wäre, wäre das Problem offensichtlich“, sagte Fuentelsaz. Aber so muss man den Blick in die Tiefe richten.

Ein Hektar bewässertes Land ist 100 000 Euro wert

Die Mehrheit der Regionalpolitiker zieht es vor, das nicht zu tun. Einfach nicht hinschauen. Stattdessen haben die Politiker das Wählerpotenzial der Bauern im Blick, die ihr Land illegal bewässern. Die fühlen sich benachteiligt. Ein Hektar unbewässertes Land ist 5000 Euro wert, ein Hektar bewässertes Land 100 000 Euro.

Die Landwirte in der Gegend können sehr rabiat sein, zumindest einige von ihnen haben das in der Vergangenheit schon bewiesen. Beamte auf der Suche nach illegalen Brunnen haben hier schon körperliche Angriffe erlebt, Morddrohungen gibt es sowieso. Wobei die Schließung der Brunnen – rund 1000, schätzt der WWF – sowieso nicht zu den Prioritäten der lokalen Behörden gehört. „Die Urbanitas verstehen das nicht“, sagt ein sozialistischer Abgeordneter des Regionalparlaments im Gespräch mit „El País“. Urbanitas ist ein eher unfreundliches Wort für Stadtmenschen. „Es gibt einen harten kulturellen Kampf der extremen Rechten auf dem Lande.“

Das Image der Beeren in Deutschland wird beschädigt

Das ist die Entschuldigung der andalusischen Sozialisten dafür, sich bei der Abstimmung über die Ausweitung des Bewässerungslands rund um Doñana vorvergangene Woche der Stimme enthalten zu haben, sehr zum Ärger der nationalen Regierung in Madrid.

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„Man kann Doñana nicht in Gegnerschaft zu den Menschen in dessen Nachbarschaft schützen“, sagt der andalusische Sozialistenchef Juan Espadas, was mehr oder weniger die Argumentation der konservativen regionalen Parlamentsmehrheit ist. Wobei nicht ganz so eindeutig ist, was die Doñana-Nachbarn wünschen: Für die legal Anbauenden ist die Konkurrenz der Illegalen keine Freude. Auch deshalb, weil sie das Image der Beeren aus Huelva beschädigen.

„Die Konsumenten wünschen sich Nachhaltigkeit“, glaubt WWF-Mann Fuentelsaz. Was er sich wünschte, wäre stärkerer Druck der deutschen Supermarktketten auf ihre Lieferanten. „In Deutschland ist das Thema noch nicht durchgedrungen“, ist sein Eindruck. Vielleicht ändert sich das gerade. Doñana ist in Not.