Marco Reus verletzt sich beim 6: Foto: dpa

Der Dortmunder verletzt sich beim 6:1 gegen Armenien am Sprunggelenk, ihm droht der Ausfall für die WM in Brasilien. Miroslav Klose knackt den Torrekord von Gerd Müller, doch das gerät zum Randthema.

Mainz - Wie gelähmt verfolgten Mitspieler, Trainer und Fans die Szene, die sich in der 44. Minute abspielte. Bei einem Zweikampf traf Artak Jedigarjan den Profi von Borussia Dortmund am linken Sprunggelenk. Reus blieb auf dem Rasen liegen, schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen, und auch die Miene von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt verhieß nichts Gutes. Reus konnte nicht mehr selbst auftreten und musste sich stützen lassen, als er den Platz verließ und in ein Krankenhaus gefahren wurde. Eine Kernspinuntersuchung ergab dort einen Verdacht auf Syndesmosebandriss. Gegen 23.50 Uhr verließ Reus das Krankenhaus, verbunden mit besten Wünschen. „Ich hoffe, dass er fit ist. Wir brauchen ihn“, sagte Toni Kroos.

Sollten sich die ersten Befürchtungen bestätigen, hebt die Nationalmannschaft an diesem Samstag um 22 Uhr ohne Reus nach Brasilien ab. Bundestrainer Joachim Löw kann seinen Kader bis 24 Stunden vor dem ersten WM-Spiel am 16. Juni gegen Portugal ändern, falls ein Spieler verletzt ausfällt.

Angesichts der tragischen Umstände geriet die WM-Generalprobe zur Nebensache. Auch der Rekord von Miroslav Klose ging fast unter. Drei Tage vor seinem 36. Geburtstag übertraf der Angreifer von Lazio Rom in seinem 132. Länderspiel die bisherige Bestmarke von 68 Toren, die Gerd Müller vor 40 Jahren aufgestellt hatte. „Der Torrekord bedeutet mir natürlich etwas, wichtiger war es aber, in Form zu kommen“, sagte Klose.

Mit einem Lächeln wollte sich Joachim Löw zur WM verabschieden, doch das fällt leicht gequält aus. Denn die Partie gegen die Armenier, die den ersten WM-Gegner Portugal simulieren sollten, ließ lange Zeit viele Wünsche offen. „Es war noch nicht ganz optimal. Wir waren frischer und konnten in der zweiten Halbzeit das Tempo noch einmal erhöhen, aber wir brauchen noch ein paar Tage in Brasilien“, sagte Löw. Die Mannschaft, die ohne Spielmacher Mesut Özil begann, zog zwar ein passables Kurzpassspiel mit schnellen Ballkontakten und vielen Positionswechseln auf, doch vor dem gegnerischen Tor war sie mit ihrem Latein schnell am Ende. Zuweilen schien es, als habe eine ganze Horde von Maulwürfen den Rasen mit Hügeln übersät, von denen der Ball versprang. Thomas Müller, der zunächst Klose in der Sturmmitte ersetzte, schlug einige Luftlöcher, auch Reus und André Schürrle hatten Mühe, den Ball zu kontrollieren, wieder anderen fehlte die Kaltschnäuzigkeit beim Abschluss. „Das muss besser werden bis zur WM“, mahnte Joachim Löw zum wiederholten Male an . Auch Kapitän Philipp Lahm befand: „Es gibt noch einiges zu tun.“

Wie am Sonntag beim 2:2 gegen Kamerun nahm das deutsche Spiel erst Fahrt auf, als Lukas Podolski zum Zuge kam. Der eingewechselte Mittelfeldspieler des FC Arsenal, der auf den Tag genau vor zehn Jahren beim 0:2 gegen Ungarn in Kaiserslautern sein Länderspieldebüt gefeiert hatte, präsentiert sich bereits in WM-Form. Podolski bereitete drei Treffer, darunter das 1:0 durch André Schürrle (52.), vor und traf selbst zum 2:1 (71.). Davor hatte der eingewechselte Özil auf Zuspiel von Schürrle den Pfosten getroffen (65.), auf der Gegenseite hatte der Dortmunder Hendrik Mchitarjan nach einem Foul des gerade eingewechselten Kevin Großkreutz den fälligen Elfmeter zum 1:1 (69.) verwandelt. Die deutsche Elf ließ sich nicht schocken, konterte durch das Tor von Podolski umgehend – und legte dann richtig los. Benedikt Höwedes (73.) traf, Podolski legte für Klose (76.) und Mario Götze (82.) auf, dann stellte Götze (89.) mit seinem zweiten Treffer den standesgemäßen Sieg sicher.

Wenn wir bei der WM den Turbo zünden können, kann die Mannschaft weit kommen“, sagte Joachim Löw – aber nur dann. „Da warten ganz andere Gegner. Da müssen wir eine Schippe zulegen“, stimmte ihm Podolski zu. Womöglich auch zwei Schippen.