Das moldawische Nationalballett inszenierte am Samstagabend im Parktheater den Nussknacker von Peter Tschaikowsky als fantasievolles Weihnachtsmärchen.
Der Nussknacker, uraufgeführt in St. Petersburg im Jahr 1892, ist eines der berühmtesten Ballette – zu Recht. Das moldawische Nationalballett hat die zwei Akte mit vielen Szenen als wunderbares, buntes und insgesamt fröhliches Weihnachtsmärchen aufgeführt. Dass die Aufführung am Samstag bereits um 19 Uhr begann, war richtig. Auffallend viele Familien mit Kindern und eine Ballettklasse von Lea Gründwalds Tanzleben verfolgten auf den voll besetzten Rängen das Märchen von Klara und ihrem Prinzen. Da waren das Erwachen am Ende der knapp zweistündigen Choreografie und die Erkenntnis, alles nur geträumt zu haben, zu verschmerzen.
Wunderbare Traumsequenz am Weihnachtsabend
Das Libretto nach Alexandre Dumas père und E. T. A. Hoffmann erzählt eine im Wortsinne wunderbare Traumsequenz von Klara (Mariana Anghilinici) am Weihnachtsabend. Klaras Patenonkel, der Ratsherr Drosselmeier (Tudor Tudose,) eine Mischung aus Zauberer und menschlichem Clown, lässt zur Freude aller Kinder – neben Klara und ihrem Bruder Fritz (Tatiana Nazarchevici) treten etliche Statistinnen auf – die Puppen unter dem Weihnachtsbaum tanzen.
Das Motiv des Nussknackers gehört zu den bekanntesten Themen Tschaikowskys. Klara erlebt die Verwandlung der Puppe des Nussknackers (getanzt von Christina Suruceanu) zu einem oder ihrem Märchenprinzen. Der Prinz, in einer zur Geschichte passenden Schwarz-Weiß-Malerei, bekämpft den Mäusekönig (Dan Tanas) und sein düsteres Gefolge. Gerade die Puppen, die als einer der getanzten Höhepunkte im Pas de deux verdienten Applaus bekommen haben, haben die Weltgeltung des gesamten Ensembles unterstrichen. Am Ende erwacht Klara, der Bruder ist wieder da und unter dem Weihnachtsbaum steht ein Nussknacker als hölzerne Puppe.
Die Unterschiede bei den Darbietungen aller Tänzer waren grandios. Zum einen waren gerade die namenlosen Puppen mit den abgehakten Bewegungen und einer perfekten parallelen Choreografie eine Klasse für sich. Der anspruchsvolle Zehengang war Normalität. Zum anderen waren die Hauptfiguren miteinander oder beim gelegentlichen Gegeneinander eine Einheit mit der Musik. Eine gute Idee von Veaceslav Ocunev (Regie) war das Schaulaufen, einmal von links nach rechts und dann umgekehrt, aller Figuren in der Ouvertüre.
Ein einfaches Bühnenbild und die kontrastierenden, teilweise grellen Kostüme waren neben der Musik eine Augenweide. Chapeau an alle.
Ursprung als „Kunstmärchen“
Der Ursprung der Geschichte stammt von E. T. A. Hoffmann, der das Märchen 1816 als „Kunstmärchen“ veröffentlicht hat. In dieser Fassung ist der Onkel ein geschickter Uhrmacher, der den Puppen mechanisches Leben einhaucht. In der Fantasie des Mädchens werden diese lebendig. Der französische Romanautor Alexandre Dumas père hat 1845 die Vorlage für das Libretto nach dem Kunstmärchen geschrieben, nachdem das bis heute verwendete Libretto Ende des Jahrhunderts entstanden war.