An ihrem unfreiwilligen Bad ließen die Frauen auch die Umstehenden teilhaben und spritzten sie fkeißig nass. Foto: Reinhard

Beim Wolfacher Nasenzug hatten sich wieder Damen unter die Narren geschmuggelt.

Wasser von oben, Wasser von unten, Wasser von allen Seiten: So hätte es für die Frauen enden können, die sich unter die männlichen Narren geschmuggelt hatten, wenn das Wetter beim gestrigen Nasenzug in Wolfach so regnerisch gewesen wäre wie an den Tagen zuvor. Doch sie hatten Glück im Unglück: Wenigstens bis zum Stadtbrunnen blieben sie trocken; die über den Tag verteilten Regenschauer legten für die Dauer des Nasenzugs eine Pause ein.

 
Alles mögliche wurde zur Nasenzier umgewandelt. Foto: Reinhard

Vom Schlosstor aus schlängelte sich der lange Zug der Narren durch die Wolfacher Innenstadt bis zum Rathausvorplatz. Die zahlreichen Zuschauer konnten teils abenteuerliche Nasenkonstruktionen bewundern. Zu sehen waren Gießkannen, Züge, Enten, Klobürsten und vieles andere, was kurzerhand zur Gesichtszier umfunktioniert worden war. Manche Konstruktionen bedeckten sogar das ganze Gesicht – wohl in der Hoffnung, dass diese Maskierung es besonders schwer machte, das Geschlecht des Trägers zu erkennen. Besonders beliebt waren Knollennasen.

Foto: Reinhard

Dass Nasenzügler hart im Nehmen sind, zeigte auch ein Blick auf das Schuhwerk der Teilnehmer – beziehungsweise auf dessen Nicht-Existenz: Ein Narr absolvierte den Umzug barfuß.

Lärmend und mit Tröten, Trommeln, Ratschen oder Pfeifen bewaffnet, durchquerten die Teilnehmer bei ihrem Zug Gasthäuser, Geschäfte und sogar das Rathaus. Am Stadtbrunnen folgte dann der Moment der Wahrheit. Der Zug umrundete den Brunnen, und mit jeder entdeckten Frau machten die Narren kurzen Prozess. Da half weder Schreien noch Flehen oder Gegenwehr: Vorder- oder Hintermann packten die Unglücklichen und warfen sie ins Wasser.

Foto: Reinhard

Einfach machten es die meisten Damen den Nasenzüglern allerdings nicht. Sie protestierten lautstark, zeterten – und auch das kalte Wasser machte sie nicht zahm. Wütend und lachend wurde jeder nass gespritzt, der sich in die Nähe des Brunnens wagte. So mancher nasenzugerfahrene Zuschauer hatte wohl nicht nur wegen der schlechten Wetterprognose einen Regenschirm dabei.Die Zählung am Ende ergab zehn Frauen, die den Weg ins kalte Nass gefunden hatten.

Statistik

2014: etwa 18 Frauen, 2015: sieben, 2016: acht, 2017: neun, 2018: vier, 2019: sechs, 2020: vier, 2021 und 2022: kein Nasenzug aufgrund der Corona-Pandemie, 2023: etwa 14 Frauen, 2024: etwa elf, 2025: vier