Um die Spareritis ging es am Dreikönigsabend bei der Eröffnung der historischen Villinger Fasnet am Narrobrunnen in der Oberen Straße.
„Wenn mir wieße Tannebäm hän, no isch des e guetes Zeiche, dass es au e scheene Fasnet giit“, so die Fasnets-Bauernregel nach Zunftmeister Anselm Säger beim Schmücken des Narrobrunnens.
Es schlichen sich aber bei ihm Zweifel ein, ob dies gelingt, ob den Sparforderungen von Oberbürgermeister Jürgen Roth von zehn Prozent, und das egal wie.
Nichts Gutes ahnend, bekam der Ober-Narro gleich von seinem Vize, Alex Brüderle, Kontra. „Des got nit, mir kinet doch nit a issere scheene Faasnet spaare, mir beide mon doch gucke, dass älles so bliebt wis isch.“
Eine Neuntscheuer?
„Wir sollten ein paar gute Vorschläge machen, der OB brauche gute Ideen, er hät jo selber konne“, brachte es Säger auf den Punkt. Die Spareritis würde am Narrobrunnen bedeuten, so Alex Brüderle, aus der Zehntscheuer wird eine Neuntscheuer, jeder zehnte Zuschauer muss heim, jeder zehnte Musiker muss gehen, jedes zehnte Ratsmitglied wird entlassen, jedes zehnte Fackelkind muss gehen. „Spinnet ihr“, kam es aus der Menge.
Wo könnte der OB sparen, sinnierte Anselm Säger. Zum Beispiel beim „Essen“, so beim Einkaufen für die Gemeinderatssitzungen. Außerdem, der OB spreche immer vom Gürtel enger schnallen, und er habe schon lange Hosenträger an.
Sparsame Narros
Nur noch jeder zehnte Mülleimer wird geleert und das auch nur jeden zehnten Tag. Zehn Prozent weniger Blitzer. Und, und, noch viel Sparpotenzial. Was die Vereine anbetrifft, so seien die Narros eigentlich immer sparsam gewesen, erinnert sich Brüderle. Ein Malzer reicht für die ganze Fasnet.
Aber so sinnierte das närrische Duumvirat weiter, wenn ihre Ideen zu gut seien, dann merken es die Bürger schnell und „no wählet sie iis zwei am Ende no als neue OB“. Zumindest die Schlüsselübergabe ginge dann zehn Prozent schneller.
„100 Prozent echte Fasnet“
Was der OB zu sagen hatte. Er sah mit Interesse die Diskussion in der Jahreshauptversammlung der Narrozunft um eine Beitragserhöhung. Eine Reihe war mit fünf Euro einverstanden, andere mit drei Euro. „Ihr nehmt die fünf Euro, die drei nehmen wir, dann passt es“, so Jürgen Roth.
Egal was komme, so Säger und Brüderle, sie versprechen auf jeden Fall 100 Prozent echte Fasnet und 100 Prozent Spaß.
Allerspätestens beim Abmarsch der Stadt- und Bürgerwehrmusik vom Narrobrunnen mit klingendem fastnächtlichem Spiel und mit dynamischem Schmackes war der angedrohte Sparzwang vorläufig ausgeblendet. Bis zur nächsten Moritat auf einem Fasnetsball oder nach dem Erwachen aus den Fasnetsträumen am Aschermittwoch.