Die Zimmerner Narrenzunft feierte ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsabend. Bürgermeisterin Carmen Merz erfüllte mit einem Geschenk einen heiß ersehnten Wunsch.
Zur Feier des 100. Geburtstags hatte die Zimmerner Narrenzunft am Samstagabend in die Turn- und Festhalle eingeladen. Und die Gäste – Mitglieder, Ehrenmitglieder, Freunde, Gönner und Wegbegleiter – waren der Einladung zahlreich gefolgt. Auch die Mutterzunft sowie die Schwesterzunft aus der Altstadt waren mit einer Abordnung vertreten und überbrachten ihre Glückwünsche.
Überraschungen zum Geburtstag
Narrenmeister Daniel Rühle begrüßte die Gäste und freute sich über „volles Haus“. Und für den Jubiläumsabend hatten der Narrenmeister und seine Mitstreiter einmal mehr alles gegeben. Das Ambiente hätte besser nicht sein können und auch das Abendessen, das sie den Gästen reichten, sowie das Programm des Abends ließen keine Wünsche offen. Und es gab auch so manche Überraschung, wie es sich für einen Geburtstag gehört. Und dass zum 100. sowohl ein Narrenstüble, als auch eine neuer Narrenengel auf dem Gabentisch landeten, damit hatte wohl keiner gerechnet, doch dazu später mehr.
Flamme der Narretei 1924 entzündet
Pasi Teufel ließ in seiner tiefgründigen und emotionalen Ansprache unter anderem die Geschichte der Zunft Revue passieren. „Die Gründungsmitglieder haben ‚die Flamme der Narretei‘ am 8. Dezember 1924 im ‚Löwen‘ entzündet. Ein Meilenstein für Zimmern. Denn ohne die Narrenzunft hätten wir hier gewiss eine andere Fastnacht“, machte Teufel aufmerksam. Deswegen sei es an der Zeit, all denen zu danken, die über das Jahrhundert dazu beigetragen hätten, „dass wir die Fastnacht feiern, wie wir sie feiern.
„Dass die Flamme der Narretei noch brennt, ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte Teufel mit Blick auf die Kriegsjahre, in denen auch viele Zimmerner ihr Leben gelassen hätten, unter anderem auch Gründungsmitglied Konrad Teufel. Doch man habe sich nicht unterkriegen lassen und könne nun auf 100 Jahre schöne Fastnachten und unzählige Geschichten zurückblicken.
Narrenmeister Daniel Rühle sprach der Mutterzunft Rottweil seinen Dank aus. „Wir fühlen uns bei Euch willkommen und freuen uns, dass wir als Zimmerner ein Teil der Rottweiler Fastnacht sein dürfen“.
Schlüssel für eine neue Narrenstube
Bürgermeisterin Carmen Merz dankte ebenfalls für das Engagement. „Ich gratuliere zum Hunderter. Ihr habt sehr viele Bewunderer, denn ihr habt die Tradition der Fastnacht über 100 Jahre getragen, habt für die Menschen viel organisiert“, würdigte sie das Schaffen und wartete mit einer besonderen Überraschung auf: „100 Jahre ohne einen eigenen Narrenort, das ist ein Negativrekord. Ich gehöre erst seit sieben Hundertsteln dazu, aber seitdem lasst ihr mir keine Ruh. Eine Narrenstube muss es sein – nicht zu groß und nicht zu klein“, reimte sie und zog einen Schlüssel aus der Tasche, den sie Narrenmeister Daniel Rühle überreichte.
Erst kürzlich hatte die Gemeinde ein Gebäude in der Kirchstraße erworben. Die Scheune kann die Zunft jetzt zum Narrenstüble umbauen. Die Freude darüber war groß. Die Überraschung war geglückt und das Dauerbrennerthema dürfte nun fürs erste vom Tisch sein. Und zum Geburtstag machte sich die Zunft auch ein eigenes Geschenk: einen neuen Narrengel. Dieser – in den Farben Grün und Beige gehalten – präsentierte sich am Samstag erstmals der Öffentlichkeit.
Fabi Maier und Thomas Rühle präsentierten die neue Figur und erläuterten die Entstehung. So hatten Sonja Teufel und Bärbel Mager die Stoffe ausgewählt, Sonja Bühl hatte den Narrenengel genäht und Jo Ruoß die Larve geschnitzt, die von Harald Sellner gefasst worden war. Am Fastnachtsmontag wird der Narrenegel erstmals in seiner ganzen Pracht den Zimmerner Narrensprung anführen.
Film zu 100 Jahren Zunftgeschichte
Ein weiteres Highlight war der 15-minütige Film aus 100 Jahren Zunftgeschichte, den Marian Burkardt aus einer unendlichen Vielfalt an Material, das die Zimmerner aus ihren Privatarchiven zusammengetragen hatten, erstellt hatte. Präsentiert werden sollte auch der 244 Seiten umfassende Bildband zur Zunftgeschichte, der allerdings aus der Druckerei nicht rechtzeitig angekommen war. Der Band, der in einer Auflage von 300 Stück gedruckt wurde, kann bei der Zunft zum Preis von 35 Euro erworben werden.
Bei guten Gesprächen, guter Musik, für die der Zimmerner Musikverein sorgte, und der Tanzeinlage des Narrenzunftballetts, genossen Zünftler wie Gäste den Abend, feierten ausgiebig bis in die Morgenstunden und freuen sich auf die nächsten 100 Jahre.