Riesen Schlange. Wer am Samstag eine Narrenkarte wollte, musste lange warten. Foto: Straub

Beim Verkauf der Narrenkarten an Nichtmitglieder am Samstag gab es viele enttäuschte Gesichter. Nicht jeder, der stundenlang anstand, bekam auch eine Karte. Der Frust ist groß. Was sagt da die Narrenzunft?

„Eine absolute Frechheit“, so beschreibt es eine Rottweilerin, die am Samstag beim Narrenkartenverkauf für Nichtmitglieder auf dem Gelände der Firma Hugger war. Die Schlange derjenigen, die für Fasnetsmontag und/oder Fasnetsdienstag eine Narrenkarte für den Narrensprung kaufen wollten, reichte zu Höchstzeiten bis hinauf zum ehemaligen Baywa-Gelände.

 

Und Viele gingen nach Wartezeiten von fast zwei Stunden mit leeren Händen nach Hause. Der Frust und auch der Ärger über die Narrenzunft und deren Vorgehensweise beim Verkauf der Restkarten an Nichtmitglieder ist dementsprechend groß.

Die Narrenzunft jedenfalls sieht sich noch am späten Samstagnachmittag dazu veranlasst, eine Mitteilung an die Presse zu verfassen und ihr Vorgehen zu rechtfertigen. Unter dem Titel „Zu viel ist halt zu viel“ entschuldigt sich Zunftmeister Christoph Bechtold. „Es tut uns furchtbar Leid, dass viele der Rottweiler Fasnet verbundene Bürger keine Karte ergattern konnten, aber inklusive der Jungnarren rechnen wir mit circa 3300 Sprungteilnehmern“.

Insgesamt 1800 Karten

Es sei für die Zunft schwer abzuschätzen gewesen, „wie viele Sprungteilnahmekarten wir allen Nicht-Mitgliedern der Narrenzunft im freien Verkauf anbieten konnten“. Es fehlten die Erfahrungswerte. Nach Angaben der Zunft waren 750 Karten für den Montag und 1050 für den Dienstag als Restkontingent in den freien Verkauf gegangen. Der Andrang sei am Samstag dann aber deutlich höher gewesen – kein Wunder, war bei Vielen doch die Sorge groß gewesen, überhaupt eine Narrenkarte zu ergattern.

Für die, die leer ausgingen, sind die Worte des Narrenmeisters wohl kaum ein Trost. Am Samstagnachmittag jedenfalls ist die Stimmung bei jenen, die keine Karte mehr bekommen haben, am Tiefpunkt: „Jedem zur Freud und niemand zum Leid – das können sie sich jetzt echt ans Knie nageln.“ „Da hat man für viel Geld ein Kleidle im Schrank und darf dann nicht d’Stadt nab.“

Nicht genügend Gastronomie

Wie emotional beladen das Thema Narrensprung ist, weiß die Zunft. „Wir wissen um die Emotionalität und die aufgeladene Stimmung zur Begrenzung der Teilnehmerzahl. Es sind uns aber bis zu einem gewissen Ausmaß hier aber die Hände gebunden“, betont Zunftschreiber Frank Huber.

„Wir können nicht 5000 oder 6000 Narren am Montag durchs Tor lassen. Die Musikkapellen spielen bei Kälte bei 4000 Narren und einer Sprungdauer von über fünf Stunden etwa 80 Mal den Narrenmarsch. Danach rennen alle Musiker Hals über Kopf davon, um teilweise ihre eigenen Umzüge musikalisch zu umrahmen.“ Zudem reichten in Rottweil die gastronomischen und sanitären Kapazitäten nicht aus. „In der Rottweiler Kernstadt stehen für Narren 18 Gastronomiebetriebe zur Verfügung“, so Huber.

Das Aufsage bewahren

Und dann gehe es der Zunft um ein weiteres Element der Rottweiler Fasnet, dass es zu bewahren gelte – das Aufsagen. Denn je länger der Narrensprung daure, desto weniger Zeit bleibe dem Narr, um Gässle zu narren und aufzusagen.

Dennoch – so bleiben, wie es jetzt ist, das ist auch für die Narrenzunft keine Option. „Es sind halt einfach zu viele Narren, viel zu viele. Trotzdem prüfen wir alle Abläufe und die Sprünge auch 2024, um uns einer Lösung anzunähern“, betont Bechtold. Wie diese aussehen kann, wird sich dann wohl erst zur nächsten Fasnet zeigen.