In geheimer Wahl wurde das neue Gremium mit großer Mehrheit der Anwesenden bestätigt – und Tobias Klemm (links) durfte die Insignien eines Elferrats, den roten Zylinder und den Elferratsorden, von Marco Pfisterer entgegennehmen. Foto: Hübner

Ein Neuzugang, hochkarätige Ehrungen, ein Minus in der Kasse, der Narrentag und manches Sorgenkind: Bei der Hauptversammlung der Narrenzunft Oberndorf war einiges geboten.

In seinem Jahresbericht zeichnete Zunftpräsident Marco Pfisterer das Bild eines erfüllten Zunftjahres – sowohl im Hinblick auf die Fasnet als auch auf die Aktivitäten des Elferrats. Neben insgesamt elf Sitzungen des Elferrats und vielen weiteren Treffen prägten zahlreiche Veranstaltungen das vergangene Jahr für die Elfer – öffentliche, wie „Kultur in der Werkstatt“ oder die Dreikönigsversammlung, aber auch Treffen mit den Vertretern der befreundeten Narrenzünfte im Viererbund oder der Narrozunft in Villingen.

 

Bei seinem Blick zurück bezeichnete Pfisterer die Fasnet als „eindrückliches Zeugnis von Engagement und Lebensfreude“. Der „Schmotzige“ sei ein „Tag der Superlative“ gewesen, der Bürgerball ein wunderschöner Abend bei bester Stimmung.

Sorge wegen des Schantlesonntags

Der Testballon beim Rammeln vom Vorjahr habe dieses Jahr eine spürbare Eigendynamik entwickelt – leider habe das nasskalte Wetter den Schantle einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Aber wir können uns nicht um alles kümmern“, bemerkte er mit einem Augenzwinkern. Mit leichter Sorge blickt der Zunftpräsident auf den Schantlesonntag mit weniger Besuchern in den Wirtschaften.

Der Kinderumzug, so kündigte Marco Pfisterer an, wird in den nächsten Sitzungen auf der Agenda der Elferräte stehen: Immer mehr Eltern laufen mit, manche mischen sich auch unter Hansel, Narro und Schantle. Als sehr positiv hingegen bezeichnete er die vielen Motto-Gruppen.

Mit Bedauern berichtete der Narrenpräsident, dass bei der Kleiderabnahme ein Narro abgelehnt werden musste. Er rief dazu auf, sich frühzeitig beraten zu lassen, wenn Interesse an einem eigenen Narrenkleid bestehe.

Leichtes Minus in der Kasse

Finanziell schloss die Narrenzunft mit einem leichten Minus ab, wie Kassierer Charly Graf berichtete. Ursache sei vor allem eine Steuernachzahlung im Zusammenhang mit dem Narrentag gewesen.

Während die Mitgliedsbeiträge und der Verkauf von Fasnetsartikeln die wichtigsten Einnahmequellen darstellen, zählt der Bürgerball zu den größten Kostenfaktoren. Angesichts allgemein steigender Ausgaben werde sich der Elferrat verstärkt mit der Frage beschäftigen müssen, wie künftig kostendeckender gewirtschaftet werden kann, ergänzte Pfisterer.

Leicht rückläufig entwickelte sich der Verkauf von Fasnetsartikeln. Elferrat Jörg Lohmann führte dies unter anderem auf das wetterbedingt geringere Besucheraufkommen zurück. Mit einem Augenzwinkern verwies er auf den kommenden Narrentag in Elzach – passende Fasnetsartikel aus Oberndorf seien bei den Gastgebern dort sicherlich gefragt.

Tobias Klemm löst Hans-Jörg Kopf ab

Nach dem Bericht der Kassenprüfer Eberhard Schmid und Wolfgang Merkel standen die Wahlen an. Für den scheidenden Hans-Jörg Kopf (über seinen Abschied berichten wir separat) schlage der Elferrat Tobias Klemm vor. Klemm bringe eine enge persönliche Bindung zur Oberndorfer Fasnet mit, betonte Marco Pfisterer, engagiere sich in der Vorfasnet und verfüge über fundierte Kenntnisse der Fasnetstradition.

In geheimer Wahl wurde das neue Gremium mit großer Mehrheit der Anwesenden bestätigt – und Tobias Klemm durfte die Insignien eines Elferrats, den roten Zylinder und den Elferratsorden, entgegennehmen.

Teilnehmerzahl der Narren muss wohl begrenzt werden

Mit Blick auf diesen Narrentag 2027 bat Pfisterer die Narren darum, aufgrund begrenzter Unterkunftsmöglichkeiten frühzeitig private Quartiere zu organisieren. Auch die Planung von Bussen ist noch in Abstimmung.

Der Informationsabend mit Anmeldung findet am 21. November in der Neckarhalle statt; bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Teilnehmerzahlen der Narren begrenzt werden müssen.

Einführung einer Zuschauerplakette?

Zwei Anträge aus der Versammlung werden den Elferrat in den kommenden Sitzungen beschäftigen: die mögliche öffentliche Zugänglichkeit der Satzung sowie die Einführung einer verpflichtenden Zuschauerplakette bei Narrensprüngen. Beide Themen sollen weiter beraten werden; die Satzung, so ergänzte Pfisterer, könne jederzeit für alle Mitglieder bei ihm eingesehen werden.

Narrenzunft will in Planungen eingebunden werden

Ein weiteres Thema war die Zukunft der Neckarhalle und das angekündigte Gutachten zu derem baulichen Zustand. Für eine Umbauphase werde man flexible Lösungen finden, bei einem möglichen Neubau erwarte die Narrenzunft als größter Verein jedoch eine frühzeitige Einbindung in die Planungen.

Zudem richtete Pfisterer einen Appell an Bürgermeister Matthias Winter: Der Kernstadtbeirat oder ein vergleichbares Gremium müsse als Interessenvertretung erhalten bleiben.

Zahlreiche Ehrungen für wichtige Persönlichkeiten

Neben den Berichten standen zahlreiche Ehrungen auf der Tagesordnung. Für ihr Engagement in der Vorfasnet wurden „die schillernde Persönlichkeit“ Christoph Seidel, das Putzgeschwader sowie das Schantletrio ausgezeichnet. Für zehn Jahre Tätigkeit im Elferrat wurde Chris Kienzel geehrt, der für die Verwaltung der 2426 Mitglieder verantwortlich ist. Auch langjährige Teilnehmende an Narrensprüngen wurden mit Orden für zehn, 25 und 40 Jahre Sprungteilnahme bedacht.

Mit besonderer Wertschätzung verabschiedete die Narrenzunft Peter und Helene Wilhelm, die über 25 Jahre hinweg den Narrensamen betreut hatten. Die Versammlung dankte ihnen mit stehenden Ovationen. Pfisterer würdigte ihr Engagement mit den Worten, es habe sich „manchmal wohl eher wie einen Sack Flöhe zu hüten“ angefühlt.

Zum Abschluss dankte Pfisterer allen Unterstützern und Mitwirkenden: „Wir können die Fasnet als Elferrat nur organisieren. Mit Leben füllen muss sie jeder und jede Einzelne.“