Sind kleinere Veranstaltungen die Projekte der Zukunft? Der Sulzer Zunftmeister Timo Holst erklärt, wo aktuelle Probleme liegen und mit welchen Ideen man diese beheben will. Denn wichtig sei die Mischung von Tradition und Innovation.
Mit dem Wandel der Gesellschaft hat sich auch die Fasnet verändert. Narrenpartys sind inzwischen fester Bestandteil der Fasnet.
Sie bieten eine Plattform für Jung und Alt, um gemeinsam die närrische Zeit zu feiern und sind beliebte Treffpunkte. Die Fasnet ist aber nicht nur ein Fest des Feierns, sondern auch ein tief verwurzelter Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Kultur. Über Jahrhunderte hinweg haben sich Bräuche und Riten entwickelt, die das Narrenwesen prägen.
Tradition und Moderne
Aber geraten Narrenzünfte, die auf den Erhalt der Traditionen und die Pflege lokaler Bräuchen achten, gegenüber Zünften mit Narrenparty und großem Barzelt finanziell ins Hintertreffen?
Der Zunftmeister der Sulzer Narrenzunft, die bald auf ihr 90-jähriges Bestehen blicken kann, Timo Holst, erklärt: Nein. Allerdings seien die Zünfte sehr wohl gefordert, wenn es darum geht, einen Weg zwischen Tradition und Moderne zu finden.
Er sieht es als oberstes Gebot, Veranstaltungen wie den Breagler-Abend, die Fasnetseröffnung am Schmotzigen und das Abstauben mit Promiraten am Leben zu erhalten, jedoch wird auch eine Wandlung von Nöten sein.
Problem: Gaststättensterben
„Den Breagler-Abend in der jetzigen Form mit Auftritten von Gastwirtschaft zu Gastwirtschaft wird es so in zehn Jahren nicht mehr geben, weil Sulz ein Problem mit dem Gaststättensterben hat“, klärte Holst auf.
Gerade dieses Problem der Wirtschaften setzt sich auch am Höhepunkt der Sulzer Fasnet, am Schmotzigen mit der Fasnetseröffnung mit Hexentanz, Narrensprung und Narrenformation, fort. „Bis jetzt haben wir den Marktplatz nach der Veranstaltung sauber gemacht und damit war es für die Narrenzunft erledigt“, sagt Holst.
Es braucht viel „Manpower“
Mit weniger Wirtschaften sei die Narrenzunft gefordert, das Stadtzentrum zu beleben und den vielen Gästen, die kommen, auch eine Unterkunft mit Bewirtung zu geben. So bietet die Narrenzunft im Narrengässle am Mühlkanal eine Bewirtungshütte, die Gästen und Narren zur Verfügung stehen soll, an.
Allerdings brauche man hierzu wieder zusätzliches Standpersonal. „In diesem Jahr wird den Dienst am Schmotzigen der Ausschuss übernehmen, damit die Narren Fasnet feiern können“, erklärt er. Und spricht gleich das nächste Problem – die Arbeitsdienste – an.
Gutes Konzept „Promiraten“
Obwohl die Sulzer Narrenzunft rund 900 Mitglieder hat, kommt es bei den Diensten immer wieder zu Engpässen. Darum müsse die Zunft auch die Festlegung ändern, dass Mitglieder ab dem 50. Lebensjahr keinen Arbeitsdienst mehr verrichten müssten.
Zu hinterfragen seien auch die Veranstaltungen in der Stadthalle, da hier der Arbeitsaufwand mit dem Dekorieren der Halle viele ehrenamtliche Stunden benötige.
Hier müsse man überlegen, weniger arbeitsintensive – und deswegen kleinere – Veranstaltungen anzubieten. Als Beispiel spricht Holst das Abstauben mit Promiraten an, das mit wenig Arbeits- und Dekorieraufwand in der eigenen Zunftstube über die Bühne ginge.
Umdenken ist nötig
Für Holst gilt es, die Traditionen zu bewahren, aber gleichzeitig offen für Veränderungen zu sein und auch neue Elementen aufzunehmen. Denn das Potenzial einer lebendigen und zukunftsfähigen Fasnet liege seiner Einschätzung nach in der Mischung zwischen Tradition und Innovation. Aber auch Soziale Medien spielten eine immer größere Rolle bei der Bekanntmachung von Veranstaltungen und der Vernetzung der Narren.
Sie förderten den Austausch von Ideen, Bildern und Videos und könnten so das Brauchtum für neue Zielgruppen attraktiver machen. Holst mahnt aber auch an, dass gerade in der älteren Generationen der Narrenzunft ein Umdenken nötig sein.
Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob er den Weg mitgehen wolle oder nicht. Um für die Zukunft gerüstet zu sein und die Narrenzunft zukunftsfähig zu machen, ist der Zunftmeister auch gerne bereit, Geld zu investieren.
Nur momentan möchte er mit Blick auf das künftige Ringtreffen im Jahr 2027 zum 90-jährigen Bestehen noch einen finanziellen Puffer haben.