Keine Fasnet ohne Wagen der Narrenzunft Frohsinn Donaueschingen. Die Arbeit verbindet Handwerk, Humor und Haltung. Welche Themen sich die Bauer 2026 vornehmen.
Wenn sich in Donaueschingen die fünfte Jahreszeit nähert, beginnt für eine kleine Gruppe ein arbeitsintensiver Ausnahmezustand. Während andere noch über Kostüme nachdenken, entstehen im Hintergrund jene rollenden Bühnen, ohne die der Fasnetumzug am Sonntag, 15. Februar, kaum vorstellbar wäre: die Themenwagen des Frohsinn Donaueschingen. Jahr für Jahr greifen sie auf, was die Stadt bewegt – politische Entscheidungen, Baustellen, Verkehrsfragen oder schulische Debatten. Pointiert, humorvoll und stets mit dem nötigen Fingerspitzengefühl.
„Ideen gibt es genug“, sagt Sabine Spies, die seit 26 Jahren aktiv in der Narrenzunft ist und seit 2025 den Wagenbau leitet. „Man muss nur durch die Stadt gehen, Zeitung lesen oder den Gesprächen zuhören – vieles liegt sprichwörtlich auf dem Präsentierteller.“ Über das Jahr hinweg werden Themen gesammelt, im Dezember nimmt die Arbeit konkrete Formen an: Gruppen finden sich zusammen, Motive werden ausgearbeitet, Besatzungen geplant.
Jeder Wagen ist ein Einzelstück – gebaut vom Donaueschinger Frohsinn, jedes Motiv neu gedacht. Die Gruppen übernehmen die Feindekoration selbst, setzen Akzente und verleihen den Wagen am Ende ihr charakteristisches i-Tüpfelchen. Samstags vor dem Umzug werden alle Wagen in der Donauhalle zusammengeführt, letzte Details ergänzt und die Besatzungen auf ihre Rollen vorbereitet.
Gebaut wird in der Werkstatt am Sennhof – oft unter hohem Zeitdruck. Das vergangene Jahr bleibt dabei als Rekordjahr in Erinnerung: Sechs Wagen entstanden innerhalb von nur drei Wochen, gearbeitet wurde von morgens bis in die Abendstunden. Möglich war das nur, weil im Team Erfahrung, Vertrauen und eingespielte Abläufe zusammenkommen. Rund zehn Aktive bringen ihr handwerkliches Know-how ein, unterstützt von zahlreichen lokalen Betrieben und Sponsoren.
Themenwagen folgen einer klaren Linie
Inhaltlich folgen die Themenwagen einer klaren Linie. Sie greifen Stimmungen auf, die man in der Stadt wahrnimmt – auch Kopfschütteln oder Unmut –, bleiben dabei jedoch stets diplomatisch. Besonders der Rathaus- und Bürgermeisterwagen nimmt kommunalpolitische Entwicklungen aufs Korn. „Wir gehen nie unter die Gürtellinie“, sagt Spies. Die Fasnet sei kein Krawallhumor, sondern lebe vom feinen Spott. Die gute Beziehung zur Stadtspitze gehöre dazu – und meist schmunzle der Bürgermeister mit.
Dass Themenwagen in Donaueschingen eine lange Tradition haben, ist kein Zufall. Schon vor fast 100 Jahren prägten sie die Umzüge in der Region.
Diese Kontinuität ist es, die Oberwagenbauleiterin Sabine Spies besonders schätzt: „Es ist faszinierend, diese Tradition weiterzuführen. Viele erinnern sich an frühere Wagen, schwelgen in Nostalgie – und freuen sich gleichzeitig auf neue Ideen.“
Donaueschingen wächst mit der Fasnet auf – sprichwörtlich von der Wiege an. Für Spies ist sie Teil der eigenen Biografie, eine fünfte Jahreszeit, die Gemeinschaft stiftet. Entsprechend hoch ist der Stellenwert des Umzugs in der Stadt. Gerade die Abwechslung und Aktualität der Themenwagen machen den Umzug Jahr für Jahr unvergesslich. Sie sorgen dafür, dass der Umzug nicht nur ein Ritual bleibt, sondern ein lebendiger Spiegel der Stadt.
Den Lohn für die Arbeit gibt es am Umzug
Alle Beteiligten am Wagenbau arbeiten ehrenamtlich. Der Lohn liegt im Moment des Umzugs – in den Reaktionen der Menschen am Straßenrand. „Das ist die Bestätigung“, sagt Sabine Spies. Und vielleicht auch der Grund, warum die Wagenbauer mit Humor auswählen, was am Ende auf den Wagen darf – und was narrenmäßig schon erledigt ist. Der Quellsommer Donaueschingen hat sein Fett längst abbekommen. Solange es etwas gibt, das Donaueschingen bewegt, wird der Narr es aufgreifen – respektvoll, kreativ und mit Haltung.
Eine Teamarbeit
Getragen wird der Wagenbau
von einem zehnköpfigen Kernteam um Sabine Spies, die die Leitung innehat und für die Malerarbeiten verantwortlich ist. Bis 2024 lag die Leitung bei Martin Wullich, der dem Team weiterhin im Bau zur Seite steht. Zum Team gehören außerdem die Maler Ekkehard Hesch, Sandra Di Diego und Anette Jaiser sowie die Bauaktiven Rober Rakowski, Reiner Wolff und Hannes Vosseler. Für Transport und Bau sind Stefan Bolkart und Bernd Rothweiler zuständig. Unterstützt wird die Gruppe von den Wagenbau-Rentnern Reiner Dudek und Wolfgang Zinnecker, die sich um die Organisation der Kleinteile kümmern. Am Fasnetsonntag 2026 gehen sechs Mottowagen an den Start, gestaltet von DJK, Kirchenbankrutschern, der Almendhofener Gaudigruppe, der Donaueschinger Gaudigruppe, der NZ Frohsinn Jugend sowie dem Bürgermeisterwagen der NZ Frohsinn.