Die Narrenzunft Freudenstadt auf dem Marktplatz versammelt. Foto: Schwark

Zwei lange Jahre musste die Freudenstädter Narrenzunft auf ihre geliebte Fasnet verzichten. Mit der diesjährigen Hästaufe wurde sie von ihrer 1045 Tage langen Wartezeit befreit.

Freudenstadt - Solange ist es her, als man letztmals das Ende der Fasnet betrauerte. Das es wieder aufwärts geht, belegte der Einmarsch der "Hexa-Heuler", die mit zünftigen Melodien den Beginn der Fasnet verkündete: "Es geht wieder los."

Zuvor wurde ein Sarg von einem Bergmännle, Belzebua, Bärenfänger und einer Hexe in die Mitte vor der Musikmuschel getragen. Im schwarzen Behältnis regte sich alsbald Leben. Mit Recken und Strecken entstieg eine Hexe dem Sarg. Zunftmeister Derk Wittnebel begrüßte dazu eine stattliche Zuschauerschar, die gebannt das lebhafte Geschehen verfolgte.

Virtuelle Zeiten vorbei

"Von unsichere Zeita, mir grad send umgeba, unser Los es ist, mit dem zu leba", so der Zunftmeister im breiten Schwäbisch. Die virtuellen Zeiten waren endlich für ihn vorbei, wo man fast nirgends mehr eine Freude am Spaß hatte. "Doch auf die Narrenzunft isch jetzt wieder Verlass", rief Wittnebel dem Publikum zu.

Durch die "Hexa-Mutter" vom Staub befreit kehrte in die Symbolfiguren wie Bergmännle, Belzebua, Bärenfänger, Bär und Hexen das Leben zurück. Jede der einzelnen Figuren wurde beim Maskenabstauben mit einem Spruch bedacht. Folgend wurde mit Freude die glänzende Maske aufgesetzt. Mehr und mehr begann das große Narren-Treiben rund um die Musikmuschel.

Derweil liefen die "Hexa-Heuler" zur Hochform auf. Aktuell heizen 62 aktive Guggamusiker musikalisch zur Fasnet ein. Angeführt werden sie vom Vollblutmusiker Timo Gaiser, der mit der Trompete durch und durch den richtigen Ton findet. Diesen Winter hat man schon kräftig geübt. Mehrere neue Musikstücke wurden einstudiert. Und so kann man am 21. Januar die Freudenstädter Guggamusiker beim "Hexa-Heuler-Ball" in Mitteltal erleben.

Nach und nach wurde die schaurige Brühe zur Hästaufe im dampfenden Kessel angerührt. Mehrmals hallte ein lautes "Narri, Narro" über den Marktplatz.

Sagenumwobene Brühe

Dann kam der große Moment für die Neumitglieder. Mit einem kräftigen Schluck der sagenumwobenen Brühe wurde man endgültig vollwertiges Mitglied der Narrenzunft. Getauft wurden: Sabrina Singer (Bergmännle), Philip Scharff (Freudenstädter Bär), Samuel Hauer, Sandrine Jost, Mara Merz, Dustin Kirschemann, Steffen Merz und Rita Margues da Silva (alle Kearberghex). Auch die Hexa-Heuler hatten mit Alica, Nils, Laura, Sabine, Mike, Fabian, Hannes, Lisa, Felix und Max Philipp zehn Taufkandidaten.

Aktuell verfügt die Narrenzunft über rund 100 aktive und 100 passive Mitglieder. Rund 20 Ausfahrten sind in dieser Fasnetssaison geplant. Am Fastnachtssonntag geht’s nach Neuhausen/Fildern. Aber auch in Freudenstadt steppt der Bär. Am 4. Februar findet die Kinderfasnet in der Turn- und Festhalle statt. Richtig rund geht es am 10. Februar. Nach der Narrenmesse gibt es einen Fackelumzug zur Turn- und Festhalle mit dort stattfindendem Brauchtumsabend. Höhepunkt wird Tags darauf am 11. Februar ab 14 Uhr der große Umzug durch die Stadt sein. Am schmotzigen Donnerstag wird das Rathaus gestürmt, verkündete schon mal Zunftmeister Wittnebel.