Die Narrenzunft „Klammhoka“ Felldorf feierte am Freitag und Samstag im Festzelt ihr 50-jähriges Bestehen. Zahlreiche Zünfte aus der Umgebung gratulierten zu diesem Jubiläum.
Zurück in die 1970er-Jahre und zu Flower Power: Das war das Motto der Narrenparty am Freitag. Bei der Auftaktveranstaltung im Festzelt beim Sportplatz merkte man auch gleich, dass die Besucher so richtig Lust auf Fasnet hatten.
34 Zünfte waren der Einladung der Narrenzunft Felldorf gefolgt. Das 1700 Personen fassende Festzelt war damit komplett gefüllt – ein vielversprechender Auftakt für das Jubiläum der Felldofer Klammhoka.
Die Eröffnung des Programms überließen die Gastgeber der benachbarten Zunft aus Bierlingen. Die sturmerprobten Showtanzmädchen setzten als „Kriegerinnen der verlorenen See“ die Bühne gleich einem Belastungstest aus. Im Wellengetöse, wo andere untergehen, tanzten sie zu rockigen Seemannsliedern. Am Schluss hieß es: „Keine Panik auf der Titanic“.
Die Dettinger Lombaseggel waren Stimmungsgaranten. Sie brachten mit ihren melodisch-schrägen Tönen schon bald die Narren auf die Bänke und zum Mitklatschen. „Wenn es gut läuft, machen wir noch eine Zugabe“, versprach der Sprecher der Gruppe. Klar, das Publikum wollte noch mehr hören.
Auch die Gastgeber sind zeigten Showtänze
Die Zirkusmiezen der Narrenzunft Bad Niedernau und anschließend die Narrenzunft Felldorf, ohne die es die Party nicht gäbe, zeigten weitere Showtänze. Nach den „Baizakrageelern“ aus Börstingen war Party pur mit der Band „Fashion“ angesagt.
Viele Besucher waren mottogemäß blumig gekleidet. Mit der Narrenparty wollten die Felldorfer ihr Gründungsjahr 1976 wieder aufleben lassen.
Der Henker mit dem schwarzen Umhang
Am Samstag stand das Brauchtum im Vordergrund. Trotz des Winterwetters wurde das Zelt erneut voll: 24 Zünfte kamen und überbrachten ihre Glückwünsche.
Die Felldorfer Zunft machte sich zum 50. Jubiläum selbst ein Geschenk – nämlich eine neue Narrenfigur. Narrenrätin Laura Hok stellte den „Henker“ vor. Er ist mit seinem schwarzem Umhang und seiner tief ins Gesicht gezogenen Kapuze ein finsterer, unheimlicher Geselle. Sein Werkzug ist das lange Richtschwert, mit dem einst der Räuber Maizel hingerichtet worden ist. Der Henker – eine Einzelfigur – läuft in der Gruppe der Felldorfer Räuber mit, um diese im Zaum zu halten.
Die Showtanzmädchen der Narrenzunft Weiler brachten Schwung ins Zelt. Rasche Schrittfolgen, turnerische Elemente, Hebefiguren – so bauten sie auf der Bühne die Weiler Burg. Dafür bekamen sie stürmischen Applaus. Die Sulzauer Hexen führten einen schauerlichen Tanz um den Hexenkessel herum auf. Sie erweckten den Fürsten der Finsternis, um den Frühling zu verhindern. Die Sulzauer Hansel lieferten mit ihrem fröhlichen Narrentanz den Kontrast dazu.
Die Showtanzgruppe der Wachendorfer Narrenzunft spielte Schach. „Weiß beginnt, schwarz gewinnt“, lautete ihr Motto. Auf Rockmusik aus den 1980er-Jahren wirbelten die Mädchen und Jungs auf der Bühne. Als Zugabe feierten sie eine Party zu Disco-Musik aus den 1970-ern. Die Zigeunerteenies aus Untertalheim begeisterten mit einem Gardetanz zu Beethovens „Lied der Freude“, schwangen aber nicht nur rasant die Beine, sondern bauten auch meterhohe Pyramiden. Sie erhielten ebenfalls einen Riesenapplaus.
Kandldabber aus Betra lassen es richtig krachen
Die Kandldabber aus Betra hatten schon zum Einmarsch der Narren gespielt. Im zweiten Teil des Abends ließen sie es dann richtig krachen. Weitere Auftritte hatten die Gomaringer Käsperle mit einem Brauchtumstanz, die „Schälripple“ aus Bad Imnau und die Felldorfer Showtanzmädchen.
Die Zunft zählt heute 280 Mitglieder
Die Narrenzunft
ist im Jahr 1976 gegründet worden. Der Name „Klammhoka“ nimmt Bezug auf die früher in Felldorf verbreiteten Berufe Zimmerleute und Mühlenbauer. Der Klammhaken wird in der Zunft aber auch als Symbol für Zusammenhalt gesehen.
Es dauerte nach der Gründung noch fünf Jahre
, bis die erste „Klammhoka“-Maske vorgestellt werden konnte. Es handelt sich hier um einen freundlichen Narren mit roten Backen und großer Nase. Ein doppeltes Holz-Schellenband wird kreuzweise über dem Häs getragen.
1994 kam mit dem „Räuber Maizel“
eine zweite Maske dazu. Auch diese Narrenfigur hat einen Ortsbezug und eine eigene Geschichte. Maizel, der Ende des 18. Jahrhunderts der berüchtigten Hannikelbande angehörte, wurde in Felldorf hingerichtet.
2007 wurde die Gruppe „Müllers Leut“ gegründet.
Hier ist der Bezug die historische Bannmühle, die Honor von Ow 1810 gebaut hat. Anlässlich des Jubiläums zum 50-jährigen hat die Zunft nun den „Henker“ als Einzelfigur eingeführt.
Die Lumpenkapelle „Blechquäler“
sorgt bereits seit 1984/85 für schräge Musik bei Umzügen. Die Tanzgarde ist zu einem Aushängeschild der Felldorfer Narren geworden.
Die Zunft
verzeichnete in den vergangenen Jahren einen starken Zuwachs. Heute zählen die „Klammhoka“ rund 280 Mitglieder, davon sind 150 aktive Hästräger.