Jugend forsch: Die Narrenzunft muss sich keine Sorgen um den Nachwuchs machen. Salzhansele Nele Daniel begeisterte mit einem in Mundart vorgetragen fastnächtlichen Gedicht das Publikum im Siedersaal Foto: Martin Gruhler

Am Dreikönigstag wird auch in Bad Dürrheim die fastnächtliche fünfte Jahreszeit eröffnet. Die Narrenzunft feierte den Beginn mit viel Karacho und noch mehr Esprit.

Bei bitterkalten Außentemperaturen waren die Mitglieder der Narrenzunft und ihre Freunde im Siedersaal des Haus des Bürgers im 101. Jahr ihres Bestehens zusammen gekommen, um die Fasneteröffnung zu begehen.

 

Schnell wurde den Gästen richtig warm ums Herz, denn das sogenannte Abstauben ähnelte in Ablauf und Gehalt einer Miniversion der legendären Zunftbälle.

Allerdings musste Zunftmeister Volker Martin gleich zu Beginn zwei schlechte Nachrichten offenbaren: Im historischen Bohrturm, dem Vereinsheim der Narrenzunft, ist aktuell ein Wasserschaden zu verzeichnen. Das Malheur ist womöglich auf einen Rohrbruch zurückzuführen. Noch schlimmer eine weitere Tatsache: „Die Fasnet wird in diesem Jahr eine sehr kurze sein, denn sie endet bereits früh am 17. Februar“, seufzte Martin tief und toppte die Information als männliche Kassandra mit einem weiteren Schlag in die Magengrube der Narren: „In 2027 wird sie Fasnet sogar noch eine Woche kürzer sein!“

Der gut aufgestellte Fanfarenzug ließ sich unter der Leitung von Tambourmajor Dirk Daniel ob solcher Nachrichten nicht unterkriegen. Mit größter Vehemenz wurden die Fanfaren und die Trommel in Aktion gebracht, so dass auch die letzte Schlafmütze erkannte: Jetzt hat die Fasnet begonnen.

Tanz der Salzhansel

Mit ihren prächtigen Landsknechtuniformen und der gekonnten Darbietung der Musiker erhielt die Veranstaltung einen besonderen feierlichen Charakter. Der Tanz der Salzhansel war ein weiterer traditioneller Brauch der Veranstaltung. Mit einem langen fastnächtlichen Gedicht im alemannischen Dialekt rührte und begeisterte Fasnetsamen Nele Daniel das Auditorium im komplett besetzten Siedersaal.

Das Abstauben im Sinn von Reinigen der jetzt bald genutzten Larven, Kleidle und Geschelle wurde von der Narrenzunft neu interpretiert. Zwei pfiffige Gesellen mit Tausendsassa Jonas Fruh und Narrenvater Lukas Himmelsbach wedelten mit Staubfängern und zeigten schräge Momente von Dieremer Fastnächtlern in den nahen Vergangenheit auf.

So war etwa Ehrenzunftmeister Karl-Heinz Hornberger als Nikolaus bei der Eröffnung des Christkindlesmarktes die große Mitra als Bischofzeichen vom Kopf gerutscht. Vermeintliche Heiden bezeichneten die Kopfbedeckung als ordinäre Kappe, was nun für nachhaltigen Spott und fastnächtliche Freude sorgt. In einer aufwendigen Aktion konnte die beschädigte Mitra in einem nahen Stoffgeschäft wieder in Façon gebracht werden. Auch die Hanselmutter wurde durch den Kakao gezogen. Sie hatte ein Wichtelmännle auf einer Internetplattform zur Versteigerung angeboten, was zunächst überraschend gut finanziell auszahlen sollte. Viele Zunftmitglieder taten es ihr schnell gleich, aber schon bald stellte sich heraus, dass man einem Scharlatan aufgesessen war.

Viele Ehrungen

Viele Ehrungen wurden für noch junge Mitgliedschaft und wichtige aktive Mitarbeit mit der Verleihung von prächtigen Orden vorgenommen. Der neue Sieder-Vorsitzende Fabian Heiler wurde mit dem Salzsackorden ausgezeichnet, was die formelle Aufnahme in den Narrenrat darstellt. Wichtige Funktionsträger der Narrenzunft Schwenningen sowie der Präsident der Vereinigung der Schwäbisch-alemannischen Narrenzünfte Roland Haag zeigten mit ihren Stelldichein ehrliche Wertschätzung gegenüber den Dürrheimer Narrenzunft auf.

Mit dabei war auch die 96-jährige Toni Kohler, die früher als Hanselmutter und Zunftwieberchefin aktiv war. Kundgegeben wurde die Teilnahme bei den Narrentreffen in Ehingen (18. Januar) und Stockach (25. Januar).