K.o.-Tropfen sind eine echte Gefahr zur Fasnet, insbesondere für Frauen. Werden diese mit einer neuen Masche verabreicht? (Symbolfoto) Foto: © imaginando - stock.adobe.com/cm1610923

Narrenzünfte und Fasnetsvereine aus der Region warnen insbesondere Frauen derzeit vor einer neuen Masche mit K.o.-Tropfen auf Toilettenpapier. Ist die Angst gerechtfertigt?

Viele Fasnetsvereine und Narrenzünfte teilen derzeit eine Warnung vor einer neuen Masche mit K.o.-Tropfen auf Social Media. Diese sollen angeblich nicht nur wie bisher über Getränke, sondern auch auf Damentoiletten über Toilettenpapier verteilt werden. Die Aufnahme des Betäubungsmittels soll dann über die Schleimhäute erfolgen.

 

Ist bei der Benutzung von Toilettenpapier auf Fasnetsveranstaltungen tatsächlich Vorsicht geboten? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

Als erstes stellt sich die Frage: Woher stammen die Gerüchte? Genau zurückverfolgen lässt sich das nur schwer – eine zuverlässige Quelle für diese Behauptung wird in den Posts nicht genannt. Als Grund für diesen Sicherheitshinweis über Social Media wird ein „aktueller Anlass“ erwähnt – ohne weitere Informationen.

Das sagt die Polizei zu den Gerüchten

Auch das Polizeipräsidium Konstanz hat bereits von den Beiträgen auf Social Media mitbekommen und Hinweise und Fragen zu der angeblich neuen Masche mit K.o.-Tropfen auf Toilettenpapier erhalten. Sowohl dem Polizeipräsidium Konstanz als auch den Präsidien Pforzheim und Reutlingen sind jedoch derzeit keine entsprechenden Fälle bekannt. Auch der Kriminalpolizei sei solch eine Tat mit präpariertem Toilettenpapier „gänzlich unbekannt“, hieß es auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Angst vor Toilettenpapier in Damentoiletten auf Fasnetsveranstaltungen sei demnach unbegründet. Melanie Konrad, Sprecherin des Polizeipräsidiums Pforzheim, klärt auf: „Soweit bekannt, ist ein konkretes Risiko durch K.o.-Tropfen [auf Toilettenpapier] sehr gering.“

„K.o.-Tropfen wirken nur, wenn sie in ausreichender Menge in den Körper gelangen“, erklärt Konrad. Ein kurzer Hautkontakt wie beim Abwischen reiche nicht aus - zumal man bei durchtränktem und nassem Toilettenpapier auf öffentlichen Toiletten ohnehin Verdacht schöpfen würde.

Andere Gerüchte, die Jahr für Jahr aufkommen, wonach K.o.-Tropfen auf Umzügen von Narren über Fuchsschwänze oder Glocken an ihren Stöcken an Zuschauer verteilt werden, seien unwahrscheinlich. Auch zu dieser Form der Verabreichung liegen bei den Polizeipräsidien Pforzheim und Konstanz keine Meldungen vor.

Aus medizinischer Sicht sind die Gerüchte ebenfalls widerlegbar. „K.o.-Tropfen wirken nachweislich nur bei oraler Einnahme, typischerweise über Getränke. Deswegen sollte man generell bei Festen auf seine Getränke und aufeinander achten“, sagt Roxana Ghiorghe, Oberärztin an der Helios-Klinik in Rottweil.

Hier ist Vorsicht geboten

Die einzig bekannte Form der Verabreichung von K.o.-Tropfen sei weiterhin durch den Mund – meist durch Getränke, die für einen kurzen Moment unbeaufsichtigt sind. Auch in der Region hört man immer wieder von derartigen Vorfällen.

In den häufigsten Fällen werden K.o.-Tropfen in Getränken verabreicht. (Symbolfoto) Foto: s-motive - stock.adobe.com/S-MOTIVE

Um sich bestmöglich vor K.o.-Tropfen zu schützen, gibt die Polizei folgende Tipps: keine Getränke von fremden Personen annehmen und insbesondere offene Getränke niemals unbeaufsichtigt stehen lassen. Außerdem rät die Polizei, dass Freunde und Freundinnen aufeinander Acht geben und ihre Getränke nicht aus den Augen lassen.

Was Betroffene tun können

Was sollten Betroffene tun, die den Verdacht haben, K.o.-Tropfen bekommen zu haben? Laut Polizei ist es besonders wichtig, bei Übelkeit Hilfe beim Personal oder Sanitätern zu suchen. Freundinnen und Freunde sollten im Ernstfall sofort ärztliche Hilfe für das Opfer holen. Bei starken Symptomen sollte der Notruf gewählt oder die betroffene Person direkt in die Notaufnahme gebracht werden.

Es gelte, schnellstmöglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen – denn viele Substanzen sind nur für einen kurzen Zeitraum im Körper nachweisbar. Die Polizei rät auch, wenn möglich, das Getränk zu sichern.

Betroffene haben dann die Möglichkeit, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten, trotz eventueller Scham oder Angst. Die Polizei macht deutlich: Nur so können Täter ermittelt und mögliche weitere Opfer vor einem Schaden bewahrt werden. 

Bei der Verabreichung von K.o.- Tropfen können laut Polizei verschiedene Straftatbestände wie gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung, versuchte oder vollendete Vergewaltigung sowie Verstöße gegen das Betäubungsmittel– oder Arzneimittelgesetz erfüllt sein.  

Was man unter K.o.-Tropfen versteht

Unter dem Begriff K.o.-Tropfen können verschiedene Drogen oder flüssige Substanzen gemeint sein, die sedierend wirken und potenziellen Opfern heimlich ins Getränk gemischt werden. In der Regel wirken die Tropfen schnell und haben das Ziel, die Betroffenen rasch außer Gefecht zu setzen. Oftmals stehen diese Vorfälle in Verbindung mit einem Sexualdelikt oder Diebstahl.