Närrische Gruppen, traditionelle Figuren und kunstvolle Schemen prägen das bunte Treiben an den Hohen Tagen. Doch welche Fasnetsvereine gibt es in Schwenningen überhaupt?
Wenn die Narren die Straßen erobern, zeigen sich die Fasnetsvereine mit all ihrer Farbenpracht und jahrzehntelangen Tradition. Ob freundliche Narrenfiguren mit kunstvoll geschnitzten Schemen, geheimnisvolle Hexen oder urige Gestalten – jede Figur hat ihr eigenes Gesicht und ihre eigene Bedeutung. Wer steckt hinter Schantle, Hexe und Co.? Und was verkörpern sie?
Narrenzunft Schwenningen
Gründungsjahr 1928, Ausruf „Narri-Narro“
Zur traditionsreichsten Zunft in Schwenningen zählen die Narrenfiguren Hölzlekönig (benannt nach einer der höchsten Tannen Deutschlands), Schantle (verschmitzter Charakter mit Fuhrmannskittel), Moosmulle (1971 kreierte Frauenfigur) und Mooshexe (drei, die die Moosmulle behüten).
Hauptfigur ist der Hansel mit bemaltem Leinengewand, Lindenholzscheme, weiß-blauer Rüsche, Gschell und Uhrpendel, das 11.11 Uhr anzeigt. Die Narrenzunft ist Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte und richtet an den Hohen Tagen Umzug, Schlüsselübergabe oder OB-Verhaftung aus.
Hexengilde Sauerwasen
Gründungsjahr 1978, Ausruf „Hexen - Juhuiii“
Die Hexen mit ihren Vereinsfarben grün, gelb und rot wurden durch Gründer und Hexen-Fanatiker Fritz Münch auf dem Sauerwasen ins Leben gerufen und umfassen derzeit rund 300 Mitglieder.
Die handgeschnitzte Hexenscheme zeigt ein schauriges Gesicht mit nur noch einem großen Zahn im Mund. Dazu trägt sie ein grünes Kopftuch. Das Häs besteht aus einer roten, mit Blümchen gemusterten Bluse, einem roten Rock mit grüner Schürze, einem grünen Kopftuch, einem gelben und einem roten Socken sowie Strohschuhen.
Flammenteufel Schwenningen
Gründungsjahr 1985, Ausruf „Flammen - Teufel“
Das Häs der Narrenfiguren entstand zur Erinnerung an den großen Schwenninger Stadtbrand von 1850. Die Einzelfigur des „Ziisler“ verkörpert den damaligen Brandstifter. Während der Fasnet legen die Täuflinge ihre bürgerlichen Namen ab und treten unter ihren Teufelsnamen wie „Belphegor“, „Chancalaera“ oder „Lamia“ auf.
Ziegel-Buben Schwenningen
Gründungsjahr 1985, Ausruf „Ziegel – Buben“
Die Schwenninger Ziegel-Buben wurden als Erinnerung an die damaligen drei Ziegelwerke gegründet.
Das Häs setzt sich aus rund 630 biberschwanzartigen, roten Stoffziegeln zusammen. Die grimmige Maske, die das abgeschaffte Gesicht eines Ziegelwerkarbeiters zum Ausdruck bringt, und der Kopfumhang mit Abdruck des letzten Schwenninger Ziegelwerks sind die wichtigsten Teile des Häses. Der Ziegler mit Streckschere stellt den alternden, erfahrenen und zynischen Vorarbeiter einer Schwenninger Ziegelei dar.
Die Ziegel-Buben sind mit rund 147 Mitgliedern Vollmitglieds-Zunft der Schwarzwälder Narrenvereinigung und veranstalten am Schmotzigen stets den beliebten Kinderumzug.
Butterfasshexen Schwenningen
Gründungsjahr 1987, Ausruf „Butter – Hex, Butter – Hex, Butter – Hex, Hex, Hex“
Als historischen Hintergrund fand man im Heimatbuch „Von des Neckars Quelle“ von August Reitz die Geschichte von der „Hex im Butterfass“. Die Bäuerin glaubte, dass in ihrem Butterfass Hexen leben sollen, die den Rahm nicht zu Butter werden ließen. Die Bäuerin schlug auf den Rahm ein, um die Hexen aus dem Butterfass auszutreiben.
Das Häs besteht aus einem braunen Rock, einer grünen Bluse, einer gelben Schürze und einem gelben Kopftuch. Hinzu kommt die markante Lindenholzscheme sowie der obligatorische Hexenbesen.
Der Verein zählt heute mehr als 300 Mitglieder.
Neckar-Fleckle Schwenningen
Gründungsjahr 1990, Ausruf „Neckar – Fleckle“
Der Neckarsage aus dem Alt-Württembergischen nach werden unvorsichtige Wanderer in der Johannisnacht vom Neckargeist in die Tiefe gezogen und dort erwürgt. Ein blauer Ring um den Hals ist dabei das sichere Zeichen, dass der Wanderer vom Neckargeist erwürgt wurde. Solch eine arme Seele stellt das Neckar-Fleckle dar.
Das Häs besteht aus dunkelblauen, gelben – stellvertretend für die Johannisnacht – sowie hellblauen Filzflecken, die den Verlauf des Neckars darstellen. Die Scheme des Neckar-Fleckle ist eine Mischung aus Mensch und Dämon.
Schwenninger Bären
Gründungsjahr 1993, Ausruf „Schwenninger – Bären“
Der Verein erinnert an die mehr als 200-jährige Tradition der ehemaligen lokalen Bären-Brauerei, immer noch Wahrzeichen von Schwenningen. Das Häs besteht aus einem roten Leinenkittel mit aufgemaltem Bärenmotiv, Fellimitat an Armen und Hosen sowie einer handgeschnitzten Holzmaske mit einem grimmigen und einem lächelnden Gesicht.
Schwenninger Wikinger
Gründungsjahr 1995, Ausruf „Wal-Halla“
Nach einer Pause ist der Verein seit 2018 wieder aktiv und nimmt mit Wikinger-Kostümen, Feuerspuckern an Fasnetsumzügen oder Mittelaltermärkten teil.
Moor-Teufel Schwenningen
Gründungsjahr 2004, Ausruf „Moor – Teufel“
Die Figur repräsentiert eine dämonische Gestalt, die mit dem Schwenninger Moos verbunden ist.
Bauchenberg-Hexen Schwenningen
Gründungsjahr 2005, Ausruf „Bauchenberg – Hexen“
Die Schwenninger Bauchenberg-Hexe stellt ein Kräuterweib dar, das im späten Mittelalter abgeschieden in der Nähe des Schwenninger Moos lebte, Kranke heilte und auf dem Bauchenberg verbrannt worden ist.
Aktuell zählt der Verein rund 120 Mitglieder.
Urzeitelche Schwenningen
Gründungsjahr 2009, Ausruf „Urzeit – Elche“
Vor der Vereinsgründung waren die Initiatoren bei der Veranstaltung mehrerer Partys bereits als Elch Crew unterwegs. Historische Anknüpfungspunkte fanden sie in der „Geschichte der Baar“ – dort lasen sie, dass vom 4. bis 9. Jahrhundert auf der Baar Elche geschossen und verzehrt worden sind. Der Begriff „Urzeit“ soll zudem an die Schwenninger Uhrenindustrie erinnern.
Schopfelenwald Hexen Schwenningen
Gründungsjahr 2018, Ausruf „Narri-Narro“
Vor langer Zeit verirrte sich ein Wandersmann im Schwenninger Schopfelenwald, wo sich auf einer Lichtung Hexen um ihren Kessel am Feuer versammelt hatten. Sie fingen ihn ein und ließen ihn von ihrem Zaubertranke trinken – so dass der Wandersmann einer von ihnen geworden ist. Man munkelt, dass die Hexen ab und an noch im Schopfelenwald zu hören sind. Als markantes Detail enthält die Scheme der Schopfelenwald Hexen grün-leuchtende Augen. In der vereinseigenen Werkstatt entstehen unter anderem die Fluggeräte der Hexen.
Diese Übersicht über Schwenninger Fasnetsvereine erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gerne können sich weitere, neu gegründete Vereine melden und so die Darstellung der hiesigen Fasnetstradition bereichern.