Auch in Rottweil musste die Polizei in das Narrentreiben eingreifen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Der Rosenmontag ist für viele Fastnachtshochburgen aus dem Südwesten ein Höhepunkt der fünften Jahreszeit. Trotz Corona wollten die Narren auch in diesem Jahr etwas feiern. Nicht überall wurden dabei die Corona-Regeln eingehalten.

Oberndorf - Nach dem närrischen Motto "Wir lassen uns von der Obrigkeit nichts sagen" sind am Montag und am Wochenende hier und da Narren unterwegs gewesen, um die fünfte Jahreszeit trotz Corona zu zelebrieren. Das lief teils in einem coronakonformen Rahmen ab, an anderer Stelle allerdings ziemlich aus dem Ruder.

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So richtig wahrhaben, dass die Fastnacht dieses Jahr komplett ausfällt, wollte man etwa in Villingen-Schwenningen nicht. In der Narrenhochburg zogen pünktlich um 9 Uhr – der eigentliche Beginn des Historischen Umzugs – Narros, Morbile und Stachis durch die Villinger Innenstadt. Zuschauer, die sich teilweise zu Gruppen zusammenfanden und nicht immer Maske trugen, säumten dabei den Straßenrand und jubelten den Hästrägern zu. Doch damit nicht genug: Auch um 14 Uhr ließen es sich Narren der Historischen Narrozunft nicht nehmen, ihren traditionellen "Maschgerelauf" zu vollziehen und zogen dabei mehrere hundert Zuschauer an.

Mehrer Hästräger jucken am Rosenmontag durch das Rottweiler Schwarze Tor

Die Stadtverwaltung zeigte für das Verhalten wenig Verständnis – Oberbürgermeister Jürgen Roth (CDU) appellierte während des Treibens an die Vernunft der Bürger und forderte sie auf, nach Hause zu gehen. Diesen "Auflauf an Menschen" hielt Roth "unverantwortlich allen Mitmenschen gegenüber". Insbesondere deshalb, weil der kommunale Ordnungsdienst laut Angaben der Stadtverwaltung zahlreiche Verstöße gegen die Corona-Verordnung festgestellt hatte.

Die Narrozunft sah das Treiben derweil weniger dramatisch an. Man habe ohnehin erwartet, dass Hästräger durch die Stadt ziehen. Zunftmeister Anselm Säger war vielmehr "hocherfreut", dass es nicht so viele Narren waren wie befürchtet. Mehr Probleme hätten die Zuschauer bereitet, die in Gruppen zusammenstanden.

Das Fasnetsmotto "Jedem zur Freud’ und niemand zu Leid!" wird auch in Rottweil in diesen Tagen auf eine harte Probe gestellt. Grund ist, dass am Montagmorgen 25 Narren durch das symbolträchtige Schwarze Tor gejuckt sind. Laut Polizei haben mehrere Hundert Zuschauer das kurze närrische Treiben verfolgt. Dabei hatte die Zunft schon vor Wochen alle Veranstaltungen in Rottweil aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Die Stadtverwaltung hatte die Narren eindringlich darum gebeten, zu Hause zu bleiben. Der Sprung am Montagmorgen mit Tausenden Zuschauern gehört normalerweise zu einem der Höhepunkte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. In sozialen Netzwerken wird das närrische Minispektakel inzwischen harsch kritisiert.

Ordnungswidrigkeiten-Verfahren gegen Schramberger Narren

Vermisst wird die Solidarität mit all jenen, die unter der jetzigen Situation zu leiden haben und die hoffen, die Pandemie so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Den Narren werde Egoismus und Ignoranz vorgehalten. Andere bestärken rebellischen Geist: Diese zeige, dass sich die Fastnacht der Obrigkeit nicht einfach beuge. Wieder andere betonen, dass die allermeisten Narren vernünftig waren und die fünfte Jahreszeit in den eigenen vier Wänden gefeiert haben.

Im rund 20 Kilometer entfernten Schramberg hat die Verwaltung angekündigt, gegen die Beteiligten des sonntäglichen "Hanselsprungs" Ordnungswidrigkeiten-Verfahren einzuleiten. Im Voraus hat es ein Schreiben des Polizeipräsidiums Konstanz gegen, in dem darauf hingewiesen wurde, auf jegliche Aktivitäten in der Gruppe zu verzichten.

Ähnliche Situation in Schömberg (Zollernalbkreis): Trotz der von der Zunft offiziell abgesagten Fastnacht, haben sich am Morgen Dutzende Kleidlesträger und Musiker zu einem Narrensprung getroffen und sind durch die Stadt gezogen. Aber nicht allzu lange: Die Versammlung wurde nach wenigen Minuten von der Polizei und vom örtlichen Vollzugsdienst beendet. Immerhin hätten sich die Teilnehmer sowie die wenigen Zuschauer, abgesehen von der Ansammlung selbst, an die Corona-Regeln gehalten. Die Abstände seien eingehalten worden, sagte eine Sprecherin. Bei der Versammlung am Montag habe es sich um eine rein private Initiative gehandelt, teilte die Zunft mit.

Die Rottenburger Zunft fährt mit dem Ahlandwagen quer durch die Bischofsstadt

Für reichlich Ärger sorgte eine Gruppe der Elzacher Schuttig Narrenzunft am Rosenmontag mit ihrem Auftritt auf den Straßen der Stadt. Die Polizei prüft strafrechtliche Konsequenzen, die 2000 Mitglieder starke Elzacher Narrenzunft hat sich vom Treiben ihrer einzeln oder in Kleingruppen auftretenden Mitglieder distanziert und prüft zunftinterne Schritte. Etwa 15 Narren sollen an dem Treiben beteiligt gewesen sein und unter anderem für Verkehrsbehinderungen gesorgt haben. Bis zu 200 Schaulustige sollen das Spektakel verfolgt haben.

Als kleine Sensation werteten die Zuschauer am Straßenrand oder auf dem Marktplatz den Ahlandwagen, der am Sonntag durch Rottenburg (Kreis Tübingen) fuhr. Zahlreiche Narren verfolgten das Treiben. "Narri-Narro" schallte es über den Marktplatz. Polizei und Ordnungsamt kontrollierten die Abstandsregeln und die Maskenpflicht, die in der Fußgängerzone gilt. Auszusetzen hatten die Kontrolleure nur wenig.

Der Pandemie zum Trotz hat die Lörracher Narrengilde am Sonntag zu einem fastnächtlichen Wortgottesdienst in und um den Garten der Kirche St. Bonifatius eingeladen. Corona-konform mit Maske und viel Abstand saßen über 200 Gläubige in klirrender Kälte auf hölzernen Bänken – und doch war dies eine Stunde, die Gemeinschaft und Nähe schaffte. Ein im wahrsten Sinne erhebender Moment war die abschließende Aussendung der Fürbitten: An bunten Ballons befestigt schwebten sie – von den Gedanken der Gottesdienstbesucher begleitet – in einen wolkenlosen, sonnendurchfluteten Himmel über Lörrach.