Das Publikum schaut gespannt beim „Narrentanz und Firlefanz“ zu. Foto: Siegmeier

Tanzbär, Gaukler und Mehlschlacht: In Rottweil wurde das Mittelalter lebendig. Was hinter dem wilden Spektakel steckt – und warum sogar „nakked“ getanzt wurde.

Eine Reise in die Altstadt zur Zeit des Mittelalters konnten die unzähligen Besucher am Samstag bei „Narrentanz und Firlefanz“ auf dem Pflug-Parkplatz erleben.

 

Viele Vorbeifahrende staunten nicht schlecht, welch ein Stelldichein sich Gewichtheber, Gaukler, Tanzbär, Tanzende und Musikanten bei nahezu brütender Hitze gaben. Die Kabiszunft hatte zu der Traditionsveranstaltung eingeladen, die nach den letzten Aufführungen im Jahr 2000 und 2001 wieder zu neuem Leben erweckt werden sollte, „bevor sie ganz in Vergessenheit gerät“, wie Ralf „Hefe“ Armleder sagt.

Viele Begeisterte, historisch wie neuzeitlich gewandet, hatten sich eingefunden und sich zunächst ein schattiges Plätzchen gesucht, da die Sonne am Samstagnachmittag unerbittlich vom Himmel brannte. Da konnten einem die Tanzpaare, die von der Volkstanzgruppe Frommern zünftig musikalisch begleitet wurden, beinahe schon leidtun. Auch der Tanzbär in seinem Pelzgewand hatte mit der Hitze zu kämpfen.

Cervisia, Most und Fasnetsküchle

Und dennoch: die Stimmung war perfekt. Das Publikum, das es sich bei Cervisia, Most, Fasnetsküchle und Brot mit Kräuterquark gut gehen ließ, klatschte begeistert mit. Auch der Tanzbär mit Bärentreiber begeisterte die Großen und gruselte die Kleinen, die dennoch mit Feuereifer bei der Sache waren. Bis die Müllersburschen schließlich auf den Plan kamen, herumpöbelten, die Tanzenden mit Mehlsäcken bewarfen und sich mit dem Publikum anlegten.

Die gesamte Handlung geht übrigens auf historische Zeugnisse zurück. Zwischen Straßburg und Prag sei nirgends so unzüchtig getanzt worden, wie in der Rottweiler Altstadt, heißt es unter anderem in der Stadtgeschichte. „Sogar nakked“, steht geschrieben.

Büttel stoppen das wilde Treiben

Als dann auch noch der Tanzbaum den Müllersburschen zum Opfer fiel, tauchten die Büttel aus der „Oberstadt“ auf, die Bernd Pfaff und Georg Hauser brillant verkörperten. Auch sie hatten in ihren dicken Gewändern und in den Fellstiefeln mit der Hitze zu kämpfen. Sie setzten – ganz gemäß der Historie – dem Treiben ein Ende, worauf „Pflug“-Wirt Wilhelm Mayer die illustre Gesellschaft einlud, bei ihm in Saal und Garten weiterzufeiern, was sich die Gästeschar nicht zweimal sagen ließ. Bei kühlen Getränken, leckeren Speisen und Liedern der Gauklertruppe und Figa und Hefe dauerte das Fest noch bis in den späten Abend hinein.