Die 33. Neuenburger Narrensuppe in der „Krone“ schreibt nicht nur wegen eines hochkarätigen Programms Geschichte: Die Gastrofamilie Waidele war letztmals Gastgeber.
Bei aller Ausgelassenheit der Gäste bei der städtischen Narrensuppe im Gasthof „Krone“ in Neuenburg lag doch ein bisschen Wehmut in der Luft. Mit der Narrensuppe in ihrer 33. Auflage verabschiedeten sich Elisabeth und Stefan Waidele von den Neuenburger Narren – allerdings nicht ohne Geschenke und Dankesworten sowohl von den Fasnächtlern, allen voran Rhiischnooge-Oberzunftmeister Tobias Anlicker, als auch von Bürgermeister Jens Fondy-Langela.
Vermutlich auch künftig Fasnacht in der „Krone“
Doch ganz Schluss wird vermutlich doch nicht sein, denn: „Wir arbeiten daran, dass unsere Nachfolger in die Bresche springen werden“, kündigten Stefan Waidele und seine Ehefrau Elisabeth auf der kleinen Bühne im Kronensaal an. Und da habe es bereits gegenüber den bisherigen Inhabern deutliche Zeichen des künftigen Pächters gegeben, bei den Fasnachtsveranstaltungen, also Narrensuppe, Schmutzige Dunnschdig und am Umzugssonntag, für einen entsprechenden Rahmen sorgen zu wollen.
Zurück zum Programm der städtischen Narrensuppe: Schon die Musiker der „Blech-Chaoten“ sorgten mit ihrem kräftigen rhythmischen Sound für Stimmung. Passend zur finanziellen Schieflage der Zähringerstadt stieg der Bürgermeister Jens Fondy-Langela als „Mc Fondy aus Langela“ im Schottenrock – er verriet übrigens nicht, ob er etwas darunter anhatte – in die Bütt und trug eine geschliffene Rede vor, die nicht nur die städtische Fast-Pleite streifte, sondern auch die gastronomische Zäsur in der „Krone“ thematisierte.
Der Kilt und das Schotten-Dasein passen nach den Worten des Bürgermeisters bestens zum Thema, denn: „Wir müssen sparen, sparen, sparen.“ Und: Er sei lieber ein Schotte, denn das Dasein als Schwabe verbiete sein Badenzer-Stolz. Übrigens: „Den Schwaben (gemeint war Amtsvorgänger Joachim Schuster) hatten wir schon und der war uns lieb und teuer“, erzählte der Vogt mit Blick auf teure Investitionen wie das Parkhaus und zündete damit beim Publikum eine ordentliche Lachsalve.
Trotz der Geldkrise wolle sich die Stadt manches leisten wie das Nepomukfest, „in der tollen Zusammenarbeit mit den Vereinen“. Es ging natürlich nicht ohne Seitenhieb auf Müllheim, das unter anderem die krisengebeutelte Zähringerstadt an den Sanierungskosten ihrer Realschule beteiligen will. „Unser Vorschlag zur Güte – wir schenken euch unsere Schulden“, bot Fondy-Langela an. Das Publikum tobte.
Einen ausgezeichneten Vortrag, der viel Lokalkolorit samt Seitenhieben auf die künftige große Kreisstadt und die Diskussion um den Gemeindeverwaltungsverband und das Doppelmittelzentrum enthielt, hatte Rhiischnooge-Oberzunftmeister Tobias Anlicker vorbereitet. Seine Interpretation sorgte für viele Lacher: „Ohne uns geht in Mülle halt nix!“ Auch er übte sich in positiven „Durchhalteparolen“: „Trotz großem Loch in der Kasse isch Neueburg ein liebenswertes Städtli mit Klasse.“
Publikum spendet tosenden Applaus
Klamauk mit geschliffenen Reimen zum Thema eigener Körperfülle verbreitete Martina Binger von den Freiburger Zunft Westhansele in der Bütt. Interessant, was die Rednerin, oder besser gesagt ihr Ehemann, unter Ernährungsumstellung versteht – der Göttergatte hatte einfach den Vorratsschrank ins Wohnzimmer und den Kühlschrank ins Schlafzimmer umgestellt. Tosender Applaus war der Lohn für diese Büttenrede.
Die beiden „Putzfrauen“ Beate Berger und Beate Sänger von Frauen-Freizeit-pur zogen lokale Ereignisse, die Sehnsucht nach den legendären 1980er-Jahren und auch die Bundespolitik durch den Kakao. Auch die KI war Thema: „Anstatt KI einzuführen, hätte man besser zuerst die natürliche Intelligenz stabilisieren sollen!“
Einen musikalisch gelungenen Streifzug durch viele Themen unternahmen die Sänger der Clownerie der Breisgauer Narrenzünfte, die seit vielen Jahren zu den Höhepunkten der Narrensuppe zählen und erst nach einer Zugabe die Bühne verlassen durften.
Über den Elektro-Tesla machten sich die beiden Schauspieler des elsässischen Theaters aus Lutterbach in einem urkomischen Zwiegespräch in bestem elsässischem Dialekt lustig.
Nachfolger bereiten diesmal die Narrensuppe zu
Bevor die gewohnt feine, dieses Mal aber bereits von den Waidele-Nachfolgern zubereitete Nudelsuppe und die Fasnachtsscherben auf den Tisch kamen, dankten die beiden Moderatoren Daniela Klingenmaier und Lars Schuh den scheidenden Wirtsleuten und überraschten sie mit einer Bilderpräsentation aus 33 Jahren.