Am Aschermittwoch 1986, erschien im Schwarzwälder Boten der Bericht über die frostigen Fasnetstage in Rottweil. Foto: Wiest/Stadtarchiv Rottweil

Rund 3000 Narren und bis zu 20 000 Zuschauer prägten den Fasnetsdienstag 1986. Selbst „sibirische anmutende Verhältnisse“ hielten die Feiernden nicht auf.

Beißende Kälte, frostige Instrumente – und dennoch Tausende in den Gassen: Wer vor 40 Jahren in Rottweil an der Fasnet unterwegs war, brauchte Ausdauer und eine ordentliche Portion närrische Leidenschaft. Ein Blick in die Ausgabe des Schwarzwälder Boten, vom Aschermittwoch 1986 zeigt, mit welcher Intensität die Stadt die närrischen Tage damals erlebte.

 

Schon damals – ganz wie heute – wiederholte sich ein vertrautes Ritual: Dem Fasnetsmontag fieberten die Narren entgegen, entsprechend groß war der Andrang. Am Dienstagvormittag fiel der Narrensprung jedoch wetterbedingt kurz aus. Zwischen 1500 und 2000 Narren zogen durch die Stadt, rund 8000 Zuschauer säumten die Straßen – beachtlich, aber noch kein Ausnahmezustand.

Am Nachmittag bot sich ein anderes Bild. Nur in den Singreimen der Kinder klang an, dass die Fasnet bald wieder „a Loch“ hat. Noch einmal wollten alle dabei sein, noch einmal mittendrin stehen – der Narrensprung wollte kein Ende nehmen. Rund 3000 Narren bewegten sich durch die Hauptstraße, an den Straßenrändern drängten sich nach damaligen Angaben etwa 20 000 Zuschauer – eine Zahl, die die Wucht des Geschehens eindrucksvoll unterstreicht.

Der Kampf mit dem Wetter

Dabei meinte es das Wetter alles andere als gut mit den Feiernden. Der Bericht sprach von „sibirisch anmutenden Verhältnissen“. Beißende Kälte und ein schneidender Wind fegte durch die Gassen. Besonders die Musiker hatten zu kämpfen: Ihren Instrumenten drohte buchstäblich das Einfrieren. Und doch hielten sie durch – ebenso wie das Publikum, das trotz klammer Finger und frostiger Füße ausharrte.

Die Praline hat es in sich

Unermüdlich zeigten sich auch die Narren. Sie suchten den Kontakt mit den Zuschauern, sagten aus dem Narrenbuch auf, zückten die Schnupfdose – Brauchtum, das bis heute gepflegt wird.

Und sie bewiesen Humor. Für eine Anekdote sorgte damals ein „Biss“, das statt der üblichen „Industriebonbons“ vermeintlich edles, schokoladenüberzogenes Konfekt verteilte. Wer beherzt zugriff, biss allerdings nicht auf Süßes, sondern auf eine „stattliche Knoblauchzehe“. Zu den prominenten „Opfern“ zählte laut Bericht Stadtrat Hepp, der mit den olfaktorischen Folgen zu kämpfen hatte.

Heut wie vor altem

Vier Jahrzehnte später kommt einem vieles erstaunlich vertraut vor: das erwartungsvolle Hinsteuern auf den Höhepunkt, die leise Wehmut, wenn das Ende naht, das Durchhaltevermögen bei Wind und Wetter, der Austausch zwischen Narren und Publikum und nicht zuletzt der unverwechselbare Narrenwitz.

Die Fasnet hat sich in Nuancen verändert, ihr Kern aber ist geblieben. Auch heute trotzen Narren und Zuschauer der Witterung, auch heute lebt die Tradition vom Miteinander in den Gassen. Der Rückblick ins Jahr 1986 zeigt: Die Rottweiler Fasnet war schon damals ein Ereignis mit Wucht – und mit Herz.