Beim Todtnauer Narrengericht gab es gleich mehrere Spitzen Richtung Schönau. Viele wollten beim Spektakel dabei sein, bei dem selbst Zunftmeister Tobias Gutmann nicht verschont wurde.
Nicht nur die Sonne lachte an diesem Freitagnachmittag als unter Protest die Angeklagten in den Narrenknast geführt wurden. Der Marktplatz füllte sich immer mehr als wieder Zeit war für das Todtnauer Narrengericht.
Zwei Neuerungen gab es zunächst zu verkünden: Narrenpolizeikommissar Reinhold „Noldi“ Seger wurde anlässlich seines 60. Geburtstags zum Narrenpolizeioberkommissar (kurz: Napoloko) befördert und nach 25 Jahren gab es endlich neue Kittel für die Richter Roland Walleser, Dominic Günther, Jürgen Wehrle sowie für Verteidiger Matteo Abbate.
Zunftmeister ist schuldig
Gleich zu Beginn saß das höchste Tier der Todtnauer Narren – Zunftmeister Tobias Gutmann – auf der Anklagebank, verkleidet als „Esel für alles“. Der Tatvorwurf: Gutmann habe das eigene Festzelt der Zunft am Rosenmontag an die Schönauer Narrenzunft vermietet. Und somit hatte er seine eigenen Narren um die größte Unterstellmöglichkeit beraubt.
Zum ersten Mal in der Geschichte des Narrengerichts gab es dazu indirekte Zeugen, eben die Narrenschar, die am Todtnauer Rosenmontag kein Festzelt erblicken konnte. Verteidiger Abbate konterte souverän, dass die Tat als „Entwicklungshilfe für das kümmerliche Pflänzchen Fasnacht in Schönau“ zu verstehen sei. Doch keine Chance. Unter Buh-Rufen seiner Fans wurde Gutmann für schuldig gesprochen.
Die Strafe: Zum Verurteiltenball muss er als Zeltrichtmeister erscheinen, Schnaps, ein geschmücktes Tännle, ein Wurfzelt und eine sechsköpfige Absperrgruppe mitbringen. Das Zelt muss mit Richtspruch und Richtbaum unter Gesang aufgebaut werden.
Ein besonderer Zeuge
Zweite Strafe galt dem diesjährigen Rekordhalter in der Narrenzeitung Maximilian Eckert von den Besenbindern. Er habe beim Jubiläumsumzug in Rust eine Aufstellungstafel mit brachialer Gewalt auf ein Garagendach geschleudert. Napoloko Seger stellte zur Beweisaufnahme den Wurf schauspielerisch dar. Dann die Überraschung: Bürgermeister Oliver Fiedel höchstpersönlich versuchte den Angeklagten in Schutz zu nehmen. Immerhin sei dieser langjähriger Jugendtrainer sowie Gemeinderat. Doch vor Gericht seien eben alle Narren gleich, machte Richter Walleser klar und so wurde auch Eckert in allen Anklagepunkten für schuldig gesprochen.
Überraschung vor Gericht
Nach der Urteilsverkündigung gab es aber die nächste Überraschung: Der Napoloko fuchtelte wild herum und gab ein entscheidendes Detail bekannt: Auf dem besagten Schild sei „Narrenzunft Schönau“ gestanden. Damit sah die Sache natürlich ganz anders aus, aber für einen Freispruch reichte auch dies nicht. Immerhin: Die Richter reduzierten das Strafmaß auf ein Minimum – unter großem Gelächter des Publikums.
Für Strafsache drei mussten mit Albert Wehrle und Eberhard Schäuble gleich zwei Angeklagte auf die Bank knien. Wehrle soll Schäuble mit einem alten Verurteilungsorden zum Jubiläumsabend des Narrengerichts eingeschleust haben, ein Abend nur für geladene Gäste, also für alle bereits Verurteilten. Zum ersten Mal in der Geschichte des Narrengerichts fand dazu eine Gegenüberstellung statt – Zeugen identifizierten nacheinander Schäuble als den Eingeschleusten. Alle Indizien sprachen gegen ihn. Ein klarer Fall also. Die beiden müssen verkleidet als Ordensbrüder ein Ganovenlied vortragen, während Ordensschwestern Ballett tanzen.
Wieder einmal war das Todtnauer Narrengericht, das einzigartige Spektakel im Wiesental, ein Hingucker mit Lachgarantie.
Die Strafen werden am Verurteiltenball am Fasnachtsdienstag, 17.30 Uhr, in der Eisdiele, vorgeführt.