Einen Hampelmann machen: Das war nur eine der Aufgaben, die OB Roth zu bewältigen hatte. Foto: Antonia Messner

Schulunterricht beim Schwenninger Narrengericht: OB Roth drückt die Pennälerbank und Detlev Bührer wird man bald mit einem Bauchladen sehen.

Der Schwenninger Ratssaal verwandelte sich am Freitagmorgen in ein Klassenzimmer, in dem das Narrengericht tagte.

 

Auf der Anklage- beziehungsweise Schulbank: natürlich Oberbürgermeister Jürgen Roth.

Grund für die schulische Szenerie: Bekanntlich wurden ja die Schulbezirke neu geordnet.

Antrag auf den Bierautomat

Büttel Florian Schütze erklärte den vielen Narren, die den Saal wieder einmal in ein volles Haus verwandelten und die anstehende Aburteilung gespannt und vorfreudig erwarteten: „Alle Narren sind dem Bezirk Rathaus zugeordnet worden, deshalb treffen wir uns heute hier.“

Dann noch flugs die Anwesenheit geprüft: „Narrenräte?“ „Hier!“, „Brav! Gemeinderäte?“, einige wenige Hände gingen hoch, die von Nicola Schurr zum Beispiel, außerdem auch die von Frank Bonath, Dirk Sautter und Armin Schott. „Sehr gut! Klassenkasper Roth?“ „Hier!“, gab selbiger in guter Tagesform zurück, munter aufgelegt und spürbar fest entschlossen, vor dem schulischen Narrengericht zu bestehen.

Das war dieses Mal in Doppelfunktion tätig, als Abgeordnete des „Ministeriums für Kultur, Jugend, Sport, Schule und so weiter“ im Rahmen einer Lehrprobe – und als Richter in Person von Stephan Rothfelder, Staatsanwalt, verkörpert durch Johannes Hellstern, und Anwalt (Jens Peter).

VS am Watt(en)meer

Als erstes Fach stand Heimat- und Sachkundeunterricht auf dem Stundenplan. Hier galt’s für Schüler Roth beim Thema Photovoltaik auf einer Karte anzuzeigen, wo die Bertholdshöfe liegen (was er fast schaffte) und zu zeigen, wie viel 30 Hektar sind (was nicht klappte).

Der Anwalt hatte derweil noch einen Tipp parat: Man könne doch auf der CMT mit Blick auf all die bald verfügbare Energie Werbung mit dem Slogan „Villingen-Schwenningen am Watt(en)meer“machen.

Dagegen hatten wiederum Richter und Staatsanwalt etwas „man liege doch am Wildi’schen Sonnenblumenmeer“! Das wiederum inspirierte den Ankläger zu einer gekonnten Gesangseinlage: „Das isses, was ich liebe, mich machen Blumen an. Ich bin ein Blumenmann, summ, summ, summ.“

Module ab nach Villingen

Der Richter befand schließlich: Das geplante PV-Projekt sei „nicht ganz verkehrt, aber so eine Wildi-Fläche gefällt vielen Leuten halt mit Sonnenblumen besser als mit Solarpaneelen.“ Also gab’s einen Alternativ-Vorschlag: Ab mit den Modulen auf das Areal Alte Tonhalle drüben in Villingen. Weiterer Unterrichtsstoff war dann noch Wasserstoff (ein nasser Waschlappen in Richtung OB gepfeffert) und der Song „Du kannst nicht immer Schultes sein“ mit Blick auf all die Projekte, die er noch realisieren will.

Im Fach Sport musste Roth unter anderem in Rückenlage Fahrrad fahren (was lästerlich als käferähnliche Bewegung bewertet wurde) und einen Hampelmann und das närrische Volk Kniebeugen machen.

Bemängelt wurde apropos Radverkehr, dass in der Bert-Brecht-Straße die neue Fahrradstraße gleich wieder aufgefräst wurde.

Eine sportliche Hochburg

Gar eine glatte Eins und ein Fleißsternchen hingegen gab’s für all die Events vom Radrennen übers Beachvolleyballturnier bis zum Stadtstrand: „Wir können schlussfolgern, das Schwenningen eine sportliche Hochburg ist“ – im Gegensatz zu Villingen, wo jedenfalls beim FC 08 der alte Hit passe: „Auf und nieder – immer wieder...“

Fehlte noch das Schulfach Mathe: Der als „Musterschüler“ ausgemachte Chris Helbig, seines Zeichens schließlich auch Säckelmeister der Narren und außerdem bei der Bäder VS tätig, soll dem OB das neue Schwimmbad durchrechnen.

Nicht gerade als Mathe-Ass wurde unterdessen Bürgermeister Detlev Bührer auf die Schulbank zitiert: Nicht einmal einen Förderantrag könne der korrekt einreichen, wurde moniert – siehe Friedensschule. Klar, dass das bestraft werden muss: Bührer muss nun beim Narrentreiben am Samstag aus einem Bauchladen heraus Weckle verkaufen – zugunsten der Uniformen des Fanfarenzugs.

Für seinen obersten Dienstherrn ging das Ganze hingegen fast ohne Strafe aus: Er darf sich sogar mit den Narren zum Picknick im Sonnenblumenfeld treffen. Was Heimat- und Sachkunde betrifft, wünschte sich das Narrengericht mehr Harmonie im Gemeinderat, wenn schon alle im Sinne der Energiewende gerufen hätten: „Ich Wildi!“

Schrieb direkt was ins Freundebuch von OB Roth: FDP-Stadtrat Frank Bonath. Und als nächster war dann Armin Schott aus der grünen Ratsfraktion dran. Foto: Mareike Kratt

Um mehr Einmütigkeit herbeizuführen, muss Roth jetzt in sein neues Freundebuch mindestens zehn Leute reinschreiben lassen, die ihm freundschaftlich verbunden sind. Während die ersten Stadträte das direkt beherzigten, spendeten die übrigen Besucher des Narrengerichts reichlich Applaus und schunkelten zur Musik der spontan zusammengekommenen Abordnungen von Stadtmusik, Harmonie, FZ-Musikband und Lumpenkapelle.