Wegen schwerer Verstöße gegen die närrische Kleiderordnung musste sich Bürgermeister Ralf Ulbrich (rechts) wieder einmal vor dem Deißlinger Narrengericht verantworten. Foto: Marcel

Das Deißlinger Narrengericht machte seinem Ruf alle Ehre und verurteilte wie immer kompromisslos.

Nein, ungeschoren kommt keiner davon, wenn am Dreikönigstag das Deißlinger Narrengericht tagt. Die beiden Richter Elmar und Rainer Schmeh gelten samt ihrer Schmeh’schen Entourage als gnadenlos, Verteidigung, Akteneinsicht oder Widerspruch sind hier ausgeschlossen.

 

Eine kleine Ausnahme, oder besser, ein kleines Schlupfloch: Der Verwandte eines Angeklagten hat den Finger an der Lautsprecheranlage und dreht damit den Richtern kurzerhand den Ton ab. Angeklagt waren Hannes Binder und Daniel Kapala, und Vater Kapala hatte die Technik organisiert. Wirklich genutzt hat es den Tätern wenig, ihnen wurde ein kurzer Prozess gemacht, weil sie im vergangenen Jahr ihre Abstauberkameradin Vanessa Merkle an der Tankstelle stehen gelassen hatten. Nun müssen sie zur Strafe die junge Frau beim Sommerfest der Narrenzunft am 21. Juni an dieser Tankstelle abholen und mit ihr im Bärengarten beim Bewirten helfen.

Verurteilt wurden zudem Gebhard und Carola Walter – er war nämlich am Schmotzigen im Baurekittel statt im Nachthemd unterwegs. Als Begründung brachte er an, er dürfe sich nur einmal täglich umziehen. Das hohe Gericht empfahl eine Waschmaschine oder auch das Deponieren eines Ersatz-Nachthemds im Ruckgaber. Klar ist: Die Walters müssen das Narrengericht zum Speckvesper einladen.

Vor dem Gericht musste sich auch Armin Schaumann verantworten. Er hatte es versäumt, Abstauber zu sich einzuladen und nötigte dann eine Gruppe, die ihm über den Weg lief, zu ihm zu kommen. Die armen Abstauber seien deshalb zu spät ins Hotel Hirt gekommen. Schaumann durfte seine Strafe direkt ableisten, in dem er dem Gericht einen ausgab.

So leicht kommt Ingo Deutschle nicht davon, er blamierte nämlich beim Narrentreffen in Meersburg die Deißlinger bis auf die Knochen, indem er, statt mit den anderen Hageverwürgern zu laufen, als Einzelfigur zwischen anderen Zünften unterwegs war. Da sei zu wenig blau gewesen, versuchte Deutschle sich zu verteidigen – ohne Erfolg, er muss nun Herbert Hengstler beim Malen der Umzugs-Täfele helfen.

Dauergast vor dem Narrengericht ist Bürgermeister Ralf Ulbrich, der laut Anklage „ein tiefgreifendes Problem mit der Kleiderordnung der Narrenzunft“ hat. So sei er mal mit einem Musikerhemd der Lauffener in Deißlingen unterwegs gewesen, einmal habe er gar sein Häs mit einem Wyhler Waggis getauscht. Und, das ist das allerschlimmste Verbrechen, am Schmotzigen war er ohne Laterne unterwegs. Fast nackt sei Ulbrich unterwegs gewesen, so Schmeh, doch der Bürgermeister konterte: „Mich kann mer im Gegesatz zu Ihne näckig agucka!“

Im Schlagabtausch ging’s auch um die Schlüsselübergabe, wo Narrenrichter Rainer Schmeh die Faulheit des Schultes anprangerte. Ralf Ulbrich wiederum meinte, am Aschermittwochmorgen sei im Rathaus überhaupt nichts weggeschafft gewesen.

Der Bürgermeister muss sich nun sputen, denn schon beim Ringtreffen in Lauffen am 31. Januar muss er mit einer Laterne unterwegs sein, die mindestens dreimal so groß ist wie die gängigen. Kein Problem, meinte der Schultes: Er glänze ja ohnehin. Und damit vermeidet man dann vermutlich die laut Narrenrichter Schmeh angekündigte Schlagzeile in der Bildzeitung, dass Deißlingen ohne Leuchte da stehen muss.

Ulbrich drohte an, bei einer eventuellen weiteren Anklage im kommenden Jahr ein Schild „unschuldig“ mitzubringen. Das ziehe dann allerdings gleich die nächste Anklage nach sich, drohten die Richter. Übrigens geht das Gericht bald fremd: Anlässlich des Ringtreffens in Lauffen wird es erstmals im Gemeindetreff tagen.