Rottenburger Royals mit vielen Herzchen: Bürgermeisterin Annette Schwieren (von links), Oberbürgermeister Stephan Neher, Bürgermeisterin Manuela Beck und Pressesprecherin Birgit Reinke. Foto: Hete Henning

Der Personalrat der Rottenburger Stadtverwaltung lästert über das Rathaus-Spitzentrio ab. King Stephan radelt listig rückwärts.

Im Freien ist es unangenehm am Schmotzigen in Rottenburg. Im Historischen Sitzungssaal des Rathauses ist es warm und trocken. Dort tagt wie jedes Jahr das Narrengericht: Die Rathausspitze muss sich gegenüber dem Personalrat verantworten, die Beschäftigten der Stadtverwaltung dürfen ihrem Spott freien Lauf lassen und sich biegen vor Lachen.

 

Der Saal ist gut voll, Bürgermeisterin Annette Schwieren mit Federboa und vielen roten Herzchen auf der Hose pinnt den Leuten Herzchen-Buttons ans Revers. „Wir lieben unsere Stadt“, versichert sie. Der Personalratsvorsitzende Frank Eberle ist als Oberrichter mit Frack und Zylinder unterwegs.

„Rottenburg Royal“ ist das Fasnetsmotto der Stadtverwaltung. Ein großer Bildschirm zeigt OB Neher sowie seine Dezernentinnen Schwieren und Manuela Beck in königlichem Ornat. Das Publikum besingt King Stephan sowie die Queens Annette und Manu auf Englisch: „God save our gracious King“. Die Rottenburger Goldschätzchen in goldenen Flitterjäckchen werfen Goldstücke unters Volk – laut Eberle „die letzten Reserven der Stadt“.

Rückwärts treppeln und Sangria

Weil King Stephan aus Sparsamkeit keinen Amtsarzt habe finanzieren wollen, trage er wohl heimlich einen Doktortitel, so der Oberrichter. Der OB muss einen Arztkittel anziehen und sich ein Stethoskop umhängen. Dann geht’s auf den Heimtrainer. Das Volk singt: „Wir haben oben gute Laune“ (links, rechts und oben auch), der OB schwenkt die Arme. Listig treppelt er rückwärts – so geht’s leichter.

„Wir haben oben gute Laune“ – und links, rechts und unten auch. OB Stephan Neher unterm strengen Blick des Personalratsvorsitzenden Frank Eberle. Foto: Hete Henning

Queen Annette soll zur Strafe einen Eimer Sangria leer trinken. Sie habe das Motto „Mallorca’“ für die diesjährige Fasnet abgelehnt, heißt es. Wer will, darf helfen, der OB verteilt superlange Strohhalme.

Das Publikum buht ungeniert

Queen Manuela „kam von Daimler zu uns“, sagt Oberrichter Eberle, und habe anfangs viel Denglisch gesprochen. Also soll sie englische Begriffe ins Schwäbische übersetzen. „Asap“ (as soon as possible) fällt ihr leicht: „Gschwind.“ Bei „Committen“ muss Beck passen. „Das kennt der Schwabe net“, entfährt es ihr. Das Publikum buht ungeniert.