Bei der Sitzung des Narrengerichts im „Gasthaus Adler“ in Hausen waren sogar die Fenstersimse besetzt. Bürgermeister Philipp Lotter folgt auf Dorfrichter Mario Brugger.
Mit Spannung wurde der Dorfrichter-Neuling erwartet - es handelte sich um ein streng gehütetes Geheimnis in Hausen. Wie in der närrischen Szene erfahren werden konnte, verliefen diesbezüglich auch mannigfache Bestechungsversuche bei der Narrenzunft Hausen vergeblich. Und dann lüftete sich in der altehrwürdigen Stube des Gasthauses Adler das Rätsel. Bereits zwei Stunden vor Start der Gerichtsverhandlungen war die historische Beiz dermaßen voll , dass jeder Millimeter noch ausgenutzt werden musste. Besetzt waren sogar die Fenstersimse, auch die Wirtshaustüre war platzsparend ausgehängt worden. Kuschelig eng und erheblich kommunikativ erwies sich das „Vorprogramm“ des Altbadischen Narrengerichtes, es war wieder ein höchst amüsantes Spektakel zu erwarten.
In der Nachfolge des vorjährigen „Interims-Richters“ Mario Brugger bahnten sich „Büttel“ Uwe Klement samt Bürgermeister Philipp Lotter in Talar und silbergrauer barocker Perücke den Weg durch die Gäste. „Moderator“ Mario Brugger erklärte, das Lotter als Dorfrichter aus Vorschlägen herausgegangen war, die beim Schnitzelbanksingen per Zettel abgegeben wurden.
„Mir lege de Hebel um“ als Motto der Zeller Narren
Drei haarsträubende Straftaten waren abzuurteilen, die sich im Dorf zuletzt ergeben hatten. Der erste Delinquent war „eine ganze Gruppe organisierter Täter“ der Narrenzunft Zell, die gleich mit Christoph Rudigier und „Verteidiger“ Thomas Kaiser angereist war. Die Zeller Narren hätten sich die unglaubliche Dreistigkeit herausgenommen, als ihr diesjähriges Fasnachtsmotto „Mir lege de Hebel um“ zu erwählen.
Dies wurde laut Anklageschrift als „Verunglimpfung einer Person und Androhung von Gewalt“ gewertet, wobei die Hausemer Bevölkerung um das Wohlergehen ihres Dichters Johann Peter Hebel bangte. Zu verurteilen sei hierbei die komplette Narrenzunft . Nach Anklageverlesung verteidigte Thomas Kaiser: „Wir Zeller sind entrüstet, betrübt ,entsetzt und gekränkt vom unglaublichen Justizskandal“. Es besteht eine lange Freundschaft, obwohl die Hausener evangelisch seien.
Dass es sich beim Motto um die Person des Dichters Johann Peter Hebel handelte, sei ein Irrtum des Schriftführers, der sich beim „B“ vertippt hat. Gemeint war der Dichter Friedrich Hebbel, der vor Jahrhunderten in Zell einmal zwei Dachlatten entwendet hatte. Der Zeller Verteidiger drehte nun den „Anklage“-Spieß und forderte von den Hausemer eine Entschädigung für das Ungemach. Insoweit können die Hausemer Narren ihm gerne beim Holzmachen behilflich sein. Klaiser verabschiedete sich: „Mit Elan und voller Schwung lege wir den Heb(b)el um“.
Statthalter „Max vom Viehmärkt“ als Missetäter
Eine weitere Untat spielte sich laut Richter Lotter zur Fasnachtseröffnung im Sportheim am Ölfte Ölfte ab. Das Mitglied der Dorfhexen, Lena Hug, habe es mit ihrer Kollegin Ramona Grether gewagt, nicht die Hausemer Fasnachtseröffnung zu besuchen. Vielmehr haben die beiden Hexen die Schopfheimer Fasnachtseröffnung besucht, was in Hausener närrischen Kreisen als schweres Vergehen gewertet wurde. Im Hintergrund der Untat habe der Schopfheimer Statthalter „Max vom Viehmärkt“ als Freund von Hexe Lena Hug gewaltet. Als „First Lady der Schopfheimer Fasnacht“ beteuerte diese ihre Unschuld. Auch die Hexen machten in der Verhandlung mobil und zeigten ihre uneingeschränkte Solidarität zu den Kolleginnen mit Fahnen „Freiheit für die Liebe“. Verteidiger Michael Hug kritisierte das „hohe Gerücht“ als „Badische Trinkquisition“ und verwies auf ähnliche Liebespaare der Weltliteratur, wie beispielsweise Philipp und Jessica. Auch hätten sich die beiden Hexen nur kurzfristig nach Schopfheim entfernt, sogar Ozume Joe Keller habe im Sportheim längere Raucherpausen gemacht.
Die dritte Untat beging Metzger Ingo Hug mit seiner „Flüsterkneipe“. Beim Abholen aus seiner Wurstküche in der Eisenbahnstraße würden die Kunden regelmäßig verpflegt werden, es bildeten sich lange Warteschlangen. Ingo Hug verteidigte sein Tun und betonte, dass sein Bier gratis sei, weil eben die Wurst so teuer wäre. Sein Verteidiger Mario Brugger betonte, dass nur „abgekrampfte“ und durstige Bürger den Weg zu seinem Schützling finden, da sonst keine Wirtschaft in Hausen geöffnet sei.
Sämtliche Delinquenten wurden vom „hohen Gerücht“ verurteilt. Die Zeller Narrenzunft hat für 2027 als Strafe den Narrenbaum-Umzug und das Hausemer Narrenbaumstellen zu organisieren. Max vom Viehmärkt als „Anstifter“, der hinter dem Fehlen der beiden Hexen steht, hat ein Grillfest für die Dorfhexen durchzuführen. Und Metzger Ingo muss aufgrund der „schwammigen Verteidigung“ das Narrengericht samt Stubenmusik in seiner Wurstküche verköstigen.