Kaum recht im Amt wurde die neue Weitinger Ortsvorsteherin schon wieder entmachtet. Die Narren lasen der Verwaltung bei der Schlüsselübergabe ordentlich die Leviten. Die Spaßmaßnahmen in der Gemeinde setzen schwer zu.
Wieder voll in Narrenhand ist seit Donnerstagnachmittag der alte Narrenflecken Weitingen. Der endgültigen Übernahme der Schlüsselmacht folgte die Rathausstürmung, angeführt von der Narrenkapelle. Das alles vor einer großen Zuschauerkulisse.
Gleich zum Auftakt riefen die Kanoniere zur „Aaaattacke!“, um die die neue Ortsvorsteherin Tanja Ellinger-Gius vom Thron zu stoßen, den sie erst im Oktober bestiegen hatte. Die Narren seien jetzt mit Regieren dran, meinten abwechselnd die beiden neuen Vorsitzenden Larissa Leins und Julia Müller.
Mit voller Breitseite gegen die rigiden Sparmaßnahmen Dann ging es gleich mit voller Breitseite in gereimten Versen gegen die bürokratischen Gängelungen und rigiden Sparmaßnahmen. Angeführt wurden dabei die vom Schultes gewünschten En-bloc-Abstimmung über 67 Sparmaßnahmen in der vergangenen Ratssitzung.
Doch Leins und Müller bedauerten Markus Tideman auch „ein bissle“, weil er mehr Konkursverwalter als Bürgermeister sein müsse: „Oas scho môl vorab / dr Haushalt isch knapp, / die Kasse bleibt leer, / doch dabei werdet die Wünsch vo de Leut et môl mehr.“
Luxusbunker Fantadu und Waldkindergarten mit zwei Kindern Das Duo war fast nicht zu bremsen und zählte „eine ganze Latte“ von Problemen und Versäumnissen auf, unter anderem den geplanten Verzicht auf das Aufstellen von Christbäumen in den Ortsteilen, den „Luxusbunker Fantadu“ in Eutingen und den Waldkindergarten in Rohrdorf, in welchem zwei Erzieherinnen gerade mal zwei Kinder zu betreuen hätten.
Insgesamt sei die „Debatte oms Sparpaket, a echtes Trauerspiel, / statt Idea zu finda, zählt nur das Ziel: / Kürza ond streicha, wo es nur gôht, / onsere Heimat nemme wirklich em Fokus stôht.“ Statt zu schauen, wie man Einnahmen generieren könne, werde lieber verkauft wie auf einem türkischa Basar, zum Beispiel das Rathaus und das Schulhaus. Das sei ein Witz und man bekäme das Grausen. Der Schmerz treffe die Weitinger tief ins Herz.
Kein Sprachrohr mehr für die Ortschaften
Und weiter ging’s: „Ond dann wird älles nôch Eutinga verlegt, / ond was isch mit de Sacha, die dr Flecka wirklich bewegt? / Mir send aber no et am Ende der Reise, / ‘s gôht grad so weiter mit dera Scheiße.“ Denn die Ortschaftsverwaltung und der Ortschaftsrat sollen noch verschwinden, meinten sie in Eutingen drüben „mit ihren Augenbinden“. „Doch was bleibt dann für da Bürger no hier? / Koa Sprachrohr mehr, kein Vertreten wega äll dera Gier!“ Ganz schlimm auch, dass den Narren spätnachts mit haarsträubenden Argumenten das Durchbrennen der Straßenbeleuchtung verwehrt bleibe, obwohl sie die Kosten übernehmen würden.
Abgesagtes Gemeindefest natürlich auch ein Thema Abschließend gingen sie noch auf das vorerst abgesagte Gemeindefest zum 50-jährigen Jubiläum ein. Dazu gab’s eine Geburtstagstorte mit einem aufgedruckten und zerrissenen 50-Euro-Geldschein, der den Zustand der Gemeinde symbolisiere. Der Zusammenhalt stehe auf dem Spiel und es gelte: „Rücket näher an d‘ Bürger, reichet deane die Hand / statt emmer no weiter ganga uff Abstand!“ Denn: „Was es jetzt braucht, isch Z’sammhalt und Miteinander, / statt ständig nur Ärger und a kalt‘s Gegeneinander.“
Ortsvorsteherin weist die Schuld von sich Danach kam dann endlich auch Ortsvorsteherin Tanja Ellinger-Gius zu Wort. Da sie noch nicht allzu lange im Amt sei, könne man sie nicht für das alles verantwortlich machen. „I hör’ euer G’schempf“, meinte sie, „ihr hend schao reacht, doch was soll i ma macha, / aohne a Geld geit’s für aos älle nix zum Lacha.“
Es sei halt die Zeit des Drangs zum Sparen. Sie forderte die Narren aber auf: „Veränderung isch guat, wenn se nachhaltig isch g’macht, / doch einschneidende Schritte überlegt mit Bedacht.“
Daher forderte sie, bevor sie den Schlüssel herausrückte, die Rathausstürmer und das Volk auf: „Drom, liabe Narra, send stets uff dr Huat, / ond basset uff aosern Schlüssel uff, nô bleibt älles guat!“ Nicht im Programm war der Auftritt von Christel Winker und ihrer Fasnetsgruppe, die mit einer überraschenden Idee zum Erhalt des Rathauses aufwarteten: die Einrichtung eines Freudenhauses mit entsprechenden Etablissements im zweiten Oberschoss.
Dafür schallte ihr breite Zustimmung entgegen. Nun war aber wirklich Schluss und unter Trommelwirbel und großem Jubel wurden dann die die Narrenfahnen gehisst und ein fetziger Abschluss auf dem Dorfplatz gefeiert.