Stadtarchivar Leon Pfaff hatte keine Lust auf Stress. Bereitwillig wollte er den Schlüssel hergeben, doch er fiel in den See. Foto: Reinhard

Die Haslacher Stadtverwaltung tauchte beim diesjährigen Sturm auf das Rathaus ab. Poseidon, Schildkröten, Fische, Meerjungfrauen und eine Wassergöttin suchten im Wasser den Rathausschlüssel.

Die sollten den Schlüssel vom Grund des Waldsees holen, denn Stadtarchivar Leon Pfaff hatte dieses Symbol der Macht aus Versehen im Wasser versenkt. Das war ein trauriges Missgeschick, denn Pfaff hatte sich zuvor noch sehr bereitwillig gezeigt, den Schlüssel ohne Widerstand an die Narren zu übergeben.

 

Nach den vielen Umzügen und dem Schnurren am vergangenen Wochenende habe er gar keine Lust mehr auf die Narretei, erklärte er. Da er auch mit dem Kiffen angefangen habe, wolle er jetzt wirklich keinen Stress und da der Rathausschlüssel sowieso das ganze Jahr über bei ihm im Archiv herumliege „könnt ihr ihn jetzt einfach haben“, meinte Pfaff. Doch blöd nur, dass der Joint auch Auswirkungen auf seine Motorik hatte. Plumps, da fiel der Schlüssel in den Waldsee.

Die beiden Teufelskrebse „Lord Kanzler Krabbelkrebs“ alias Haslachs Kulturamtsleiter Martin Schwendemann und Hauptamtsleiter Adrian Ritter als „Hofmarschall Hummerheinz“ zeigten sich darüber wenig erfreut, schließlich hatten sie zwischen all ihren Frühstückspausen bei der Arbeit keine Zeit dafür, den Schlüssel zu suchen. Was also tun? Die Leuchtfische von den Stadtwerken sollten es regeln, doch die wurden bei ihren Bemühungen von einem merkwürdigen, hektisch schwimmenden Mann in einem Neoprenanzug unterbrochen, der eifrig Plastikflaschen aus dem Waldsee sammelte. „Was war denn das?“, fragte Hofmarschall Hummerheinz, was Kanzler Krabbelkrebs mit „Der Doktor Fath“ beantwortete. Er erklärte: „Er übt für die Durchquerung des Welschensteinbacher Talbachs.“

Im Laufe der Aufführung sollte Gemeinderat Fath mehrere Male auftauchen, in Anlehnung an seine bekannten Schwimmaktionen gegen Mikroplastik immer größer werdende Flüsse durchschwimmen und auch den „allergrößten Verwaltungsmüll“ beseitigen.

Als nächstes rekrutierten der Lord Kanzler und der Hofmarschall die „weisesten, langsamsten und verbohrtesten“ Rathaustiere, die Schildkröten des „Bauverhinderungsamts“. Die gaben den beiden verdatterten Krebsen statt eines Schlüssels einen laminierten roten Punkt zurück, wobei beide schließlich anerkennend anmerkten: „Den bekommt nicht jeder.“

„Dann müssen wir nun wohl die stärkste Truppe holen, das große Verwaltungswasserballett“, meinte Ritter. Diese war ein bisschen zu erfolgreich, denn statt nur eines zauberte das Ballett leichtfüßig und grazil gleich mehrere, verschiedenen Schlüssel herbei, einer schöner als der andere. Darunter war unter anderem der „Hofstetter Hirschschlüssel“.

Das Wasserballett zauberte mehrere Schlüssel herbei

„Den hat Martin Aßmuth persönlich vorbei gebracht. Er weiß ja, wo man gut leben kann“, sagte Ritter in Bezug auf die Tatsache, dass der Hofstetter Bürgermeister kein Domizil in Hofstetten gefunden hatte und stattdessen ein Haus in Haslach gekauft hatte.

Doch der richtige Haslacher Rathausschlüssel war immer noch nicht dabei und so musste der Hummerheinz sich in die Fluten stürzen und suchen – ohne Erfolg, er wurde von mehrere Wassergeistern gehindert.

Wütend tauchte schließlich Poseidon alias Bürgermeister Philipp Saar höchstpersönlich auf und beschwerte sich, dass er ja alles selbst machen müsse. Als seine Wassergöttin Amphitrite verkleidet schaffte Rebecca Saar, was zuvor keinem gelungen war. Sie zauberte den Rathausschlüssel hervor und übergab ihn feierlich an die Narren.

Abschied vom Guller

Am Ende der Darbietung gab es noch einen Abschied zu verkünden: Büttel Tobias Rauber und Zunftmeister Manuel Seitz erklärten, dass Martin Schwendemann den Gullervertrag aufheben wolle. Sein Orthopäde habe dem Gullerreiter dazu geraten, nicht mehr so schwer zu tragen. Als Abschiedsgeschenk erhielt Schwendemann den Gullerkittel und Gullerzylinder.