Wieder half keinerlei Gegenwehr – das Rathaus Trossingen wurde vom Narrenverein erstürmt und Bürgermeisterstellvertreter Gustav Betzler in Handschellen abgeführt.
Auch wenn Trossingen nicht die Narrenhochburg schlechthin ist, der Narrenverein Trossingen mit seinen Unterdorfhexen, Uhren-Annemeien und Heidenpetern ließ es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, das Rathaus zu stürmen. Der Dauerregen konnte den Narren und der närrischen Verwaltung den Spaß, der in diesem Jahr unter dem Motto „Kindheitshelden“ stand, nicht verderben. Allerdings nahm der Kindergarten St. Josef, der mit seinen vielen großen und kleinen Hemdglonkern stetes ein buntes närrisches Bild auf dem Rathausvorplatz rund um den Narrenbaum bildete, wegen des schlechten Wetters nicht teil. Stattdessen bekamen die Kinder im Laufe des Morgens Besuch vom Narrenverein.
Der Jenga-Turm stürzt ein
Ihr Rathaus verteidigen konnte Bürgermeisterin Susanne Irion in diesem Jahr nicht, sie weilt gerade im Urlaub, doch Bürgermeister-Stellvertreter Gustav Betzler, dem die Narretei in seinem Heimatort bereits in die Wiege gelegt wurde, rief den im Regen vor dem Rathaus Ankommenden zu „ihr könnt hier rufen, toben, lachen, das Rathaus bleibt heut fest verschlossen“. Das blieb es nicht – ins närrisch geschmückte Foyer und Treppenhaus war wetterbedingt Einlass.
Aber Stadtsprecherin Sabine Felker-Henn im Mickey-Mouse-Kostüm warnte: „Ohne Anstrengung geht es nicht weiter“, denn Hauptamtsleiterin Daniela Klimt verteidigte als Pipi Langstrumpf das „Wegerecht“ im Wettstreit mit dem Narrenverein beim Jenga-Spiel, bei dem es nicht nur die Steine geschickt zu ziehen galt, es war Fachwissen über die unterschiedlichsten Kinderhelden gefragt. Bei „Ich bin Olaf“ war sie mit „und ich liebe Umarmungen“ noch gut dabei, hatte aber gegen den fünfjährigen Matteo Pielecki, ein kleiner kecker Heidenpeter, keine Chance. Bei ihm kam alles wie aus der Pistole geschossen. Und als der Turm einstürzte, gab es kein Halten mehr.
Einen gefallenen Held gibt es dann doch
Unterdorfhexen und Heidenpeter stürmten die hohe bunte Mauer, hinter der sich Gustav Betzler gemeinsam mit Kämmerer Axel Henninger, verbarrikadiert hatte. Da half auch das Leuchtschwert von Luke Skywalker, dem Kindheitshelden von Axel Henninger nichts. Im kleinen Saal wurde Betzler der große Rathausschlüssel abgenommen und Handschellen angelegt. Der Bürgermeister-Stellvertreter wurde von einer Unterdorfhexe trotz großen Widerstandes am Seil abgeführt: „Bis Aschermittwoch regiert ihr nun, ich darf mich vom Dienst mal ausruhn. Doch merkt auch das, ihr Narrenschar – auch gefallene Helden kommen wieder – ganz klar.“ Und der fünfjährige Mateo rief voller Stolz: „Jetzt habe ich den Rathausschlüssel.“
Doch damit nicht genug, schließlich hatte der Narrenverein Trossingen vor, in diesem Jahr aus der Chefetage ein Social-Media Zentrum zu machen.
Dem Bürgermeisterstellvertreter wurde schnell eine blonde Perücke aufgesetzt, geschminkt wurde er mit gelbem Rouge. Seine Aufgabe, einen kurzen Reim über Trossingen frei zu sprechen, erledigte er mit Bravour: „Die Narren von Trossingen und die Stadt hat so schnell noch keiner satt. Am Aschermittwoch ist’s vorbei, da freut sich keiner – mir ist es einerlei.“
Und damit jeder sehen kann, wie schnell Trossingen ist, wurde unter Anweisung von Benjamin Kohler, einer der vielen Unterdorfhexen ein Video gedreht und gezeigt, dass trotz Regenwetters jeder „oben, unten, rechts und links gute Laune hatte“. Mit dem Ruf des Narrenvereins Trossingen „Hauke Schteacke“ war die Schmotzige-Donnerstag-Party im Rathaus eröffnet.