Foto: Daiker

Auch das traditionelle Betteln gehört zum Fasnetsspiel in Boll. Die Gruppen ziehen lautstark mit Gesang und Musik durch die Straßen des Teilorts – und die Einwohner freuen sich, die Narren bewirten zu können.

Die nur alle vier Jahre stattfindende Zigeunerhochzeit in Boll geht bereits am Samstag los. Seit fast 100 Jahren gehört das „Betteln“ traditionell zu diesem Fasnetspiel. Und das findet nicht nur symbolisch statt. Die „rote“ und die „gelbe“ Sippe trafen sich am Samstag, um gemeinsam durch die Straßen zu ziehen. Dies noch zum Teil in „ärmlichem Häs“, denn der gute Zwirn wird erst tags drauf mit Stolz zur Hochzeitsfeier getragen. Wurde bis in die 60er-Jahre noch Sauerkraut und Fleisch gesammelt und für die Zigeunergesellschaft in der Dorfmitte gekocht, wird heuer Bares genommen.

 

Mit Gitarre und Quetsche unterwegs

Die Einwohnerschaft ist gewillt, den Zigeunern zu spenden, da der Betrag vollumfänglich in die Jugendarbeit der Narrhalla Boll fließt. Mit Gitarre oder Quetsche wurden die sammelnden Gruppen begleitet, was zu manchem Ständchen vor dem Haus oder in der Wohnstube führte. Oft wurde erfreut festgestellt, dass sich die Hausbewohner auf den Besuch vorbereitet hatten. Doch auch manche spontane „Einladung“ wurde angenommen. Schnell entstand im getrauten Heim eine familiäre Partystimmung. Einen Bissen für den Magen und etwas gegen den Durst gehörte allemal dazu.

Dem Vater der Braut fehlten die Worte

Spät am Abend trafen sich alle wieder im Zelt vor der Festhalle zum Polterabend. Für das leibliche Wohl hatte das Brautpaar Tanja und Erik gesorgt. Im laufe des Abends gab der Vater des Bräutigams bekannt, dass sich das Paar bereits seit einem Jahr heimlich getroffen habe. Damit müsse jetzt Schluss sein, weshalb bereits tags darauf die Hochzeit gefeiert werde. Natürlich wolle er morgen alle in der Kirche sehen. Dem Vater der Braut fehlten die Worte und dem Poltern stand nichts mehr im Wege. Auch die Zigeuner wissen, dass Scherben Glück bringen. Zuhauf wurden dem Brautpaar damit die Glückwünsche bezeugt. Die Sause im Zelt ging noch weit in die Nacht weiter.