Die Freude der Deißlinger Boomsteller ist groß, währt aber gerade mal gut einen Tag.
Am Samstagnachmittag stellten die Deißlinger Narren ihren Narrenbaum auf. Mit seinen knapp 18 Metern Länge entsprach der Baum den Vorschriften der Gemeinde.
Früh am Morgen machten sich die Boomsteller unter der neuen Führung von Steffen Kapala und Markus Schumpp auf den Weg in den Wald, um den Baum zu fällen und zu schmücken.
Fast pünktlich um 14.30 Uhr setzte sich der Umzug vom Kehlhof in Richtung Gupfen in Bewegung, begleitet von zahlreichen Hästrägern und der Jugendkapelle des Musikvereins Deißlingen unter Leitung von Robin Nikol.
Vesper und eine Überraschung
Den Schluss des Zuges bildeten die Boomsteller mit dem prachtvoll geschmückten Narrenbaum und Rainer Schmeh, der auf dem gezogenen Baum thronte. Auch der ehemalige Boomsteller-Chef, Dieter Bippus, ließ es sich nicht nehmen, an dem Spektakel teilzuhaben. Nach getaner Arbeit stärkten sich die Narren mit einem Vesper, bevor sie ins katholische Gemeindezentrum zogen, um zünftig zu feiern.
Ein Nussautomat
Eine besondere Überraschung hatte der „Nussahage“ Herbert Hengstler parat: Nachdem die Kolpingfamilie wegen der in den vergangenen Jahren entstandenen „Sauerei“ beim Verteilen der Erdnüsse eine Sperrstunde um 21 Uhr geplant hatte, konterte Hengstler mit einem Nussautomaten. Für zehn Cent konnten sich die Feiernden bereits geschälte Nüsse ziehen – die Münzen hatte der „Nussahage“ sogar selbst parat.
Ob die Strategie von Hengstler aufging, dass die Feier doch noch länger dauert, als von der Kolpingfamilie geplant ist leider „noch nicht“ bekannt. Übrigens: Leider konnte die „Hagebänd“ in diesem Jahr nicht am „Boomstella“ mitwirken.
Die ganz große Ernüchterung ließ freilich auch nicht lange auf sich warten: Die Ausläufer des Sturmtiefs Éowyn bliesen in der Nacht zum Montag die Spitze des gerade erst feierlich eingeweihten Prachtstücks kurzerhand herunter.
Krisensitzung am Montag
Ex- und Ehrennarrenmeister Hubert Lissy traf sich am Morgen zur Vor-Ort-Besprechung mit Bürgermeister Ralf Ulbrich. Für den war gleich klar: Die Narrenzunft und ihre Boomsteller haben geschlampt und bei der Auswahl des Baums nicht Obacht gegeben.
Lissy widersprach vehement, doch letztlich musste er zugeben, auch keinen guten Rat zu wissen. Ebenfalls ziemlich ratlos zeigte sich sein Nachfolger, der amtierende Zunftmeister Rainer Schmeh. „Das müssen wir erstmal besprechen.“
Ob die Zunft nun klammheimlich den Rest des Baums verschwinden lässt, wie Hubert Lissy es anklingen ließ, oder ob es eine Neuauflage des Boomstellens geben wird, blieb zunächst ungeklärt.