Der Fanfarenzug der Insel Reichenau eröffnet die Zunftmeister-Tagung der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee in der Reichenauer Inselhalle. Hier sind Vertreter von 120 Zünften zusammengekommen. Foto: Claudia Rindt

Die Tagung der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee fand mit 450 Vertretern aus 120 Zünften statt. Sie hoffen auf weitere Erleichterungen.

Handglocken läuten, Fanfaren erschallen: Die Inselhalle der Reichenau ist fest in Narrenhand. Rund 450 Vertreter von 120 Mitgliederzünften der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee halten dort ihre Zunftmeister-Tagung ab.

 

Präsident Rainer Hespeler hofft auf weitere Erleichterungen bei der Genehmigung von Fastnachtsveranstaltungen. Die ersten Schritte zu weniger Bürokratie seien gemacht, manche Fragen aber noch nicht geklärt, etwa bei den Kosten.

Die Narren verhandeln deswegen mit dem Land. Seit 2024 gibt es einen Wegweiser für die Genehmigung von Fastnachtsveranstaltungen, der an alle Bürgermeister und Landräte in Baden-Württemberg ging. Er enthalte ein „klares Bekenntnis des Landes zu unserem fasnächtlichen Brauchtum“.

Behörden in den Kommunen und Kreisen seien angehalten, ihre Spielräume auszuschöpfen und mehrjährige Genehmigungen zu erteilen. „Die Erfahrung der letzten Fasnacht hat gezeigt, dass zumindest an einigen Stellen Erleichterungen sichtbar wurden.“ Der Verband empfehle, sich eng mit dem örtlichen Behörden abzustimmen.

Noch offene Fragen

Es gebe aber noch ungeklärte Fragen. Der Sachbearbeiter, der Genehmigungen ausspricht, etwa über Sicherheitskonzepte und Verkehrsführungen, muss dieser die ganze Last tragen, wenn es Schäden gibt? Bei der Sitzung am 8. Dezember 2025 der Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Narrenverbände mit dem Innenministerium, dem Verkehrsministerium, dem Normenkontrollrat sowie dem Städte-, Gemeinde- und Landkreistag sei unter anderem darüber gesprochen worden.

Sachbearbeiter sollen entlastet werden

Der Präsident des Gemeindetags, Steffen Jäger, habe konkrete Ideen, wie die Lasten von den Schultern der Sachbearbeiter genommen werden könnten. Er wolle sie beim nächsten Runden Tisch vorstellen. Zudem sei über weitere Klarstellungen gesprochen worden. Einige Anmerkungen der Narren, vor allem die Kostenfrage, seien noch nicht geklärt. „Wir wissen, dass dies nur ein erster Schritt in die richtige Richtung ist, aber wir werden daran bleiben und versuchen, weitere Erleichterungen für Euch zu erreichen.“

Rainer Hespeler blickt auf die Verleihung der Heinrich-Rehm-Medaille an Walter Benz zurück. Dieser präge seit mehr als fünf Jahrzehnten die Arbeit im Präsidium der Narrenvereinigung. Als Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Narrenverbände habe er auch überregional „wichtige Akzente in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht“ gesetzt.

Ein alter Esel?

Er würdigt auch das Wirken von Amalie Vayhinger von der Konstanzer Quakerzunft. Zum 50. Mal habe „Male“ den Würstchenstand auf dem Schiff betrieben, das mit 500 Narren an Bord für die Tanzkreuzfahrt in See stach. Die Quakerzunft, mit dem Präsidenten, sorgt traditionell für die Bewirtung. Hespeler sagt, Amalie Vayhinger habe ihm bei der Überreichung des Blumenstraußes einen trockenen Kommentar ins Ohr geflüstert: Die Häufigkeit der Ehrungen zeige einem, man sei schon ein richtig alter Esel.

Ein großes Erlebnis für die 120 Narrenzünfte ist die Eröffnung des neuen Fastnachtsmuseums Schloss Langenstein. Seit Ende Juni 2025 handle es sich um ein „echtes Erlebnismuseum für Jung und Alt“. Hespeler fordert dazu auf, die Homepage und das Haus zu besuchen. Das Motto lautet: „Mitmachen, Erleben, Staunen und Wiederkommen.“

Ruth Brecht nimmt Millionen in die Hand

Ruth Brecht nahm bei dem Neubau eine besondere Rolle ein. Durch ihre Hände gingen 2,6 Millionen Euro. Sie ist die Kassiererin des Museumsvereins, der hinter dem Projekt steht. Für ihr langjähriges Engagement für die Narretei wurde sie zur Narrenvögtin ernannt.

Während der Tagung der Zunftmeister wurden 13 Narren in den Stand des Obristen erhoben. Es sind Männer und Frauen, die sich in außergewöhnlicher Weise für die Fasnacht einsetzen. Oft engagieren sie sich schon als Kinder und Jugendliche für eine Zunft. Ihnen ist es zu verdanken, dass Narrenbäume gestellt werden, Umzüge möglich sind, Narretei über die Bühne geht, Narrenzeitungen erscheinen.

Ein Fuhrpark auf zwei Beinen

„Du hast allen Sch... gemacht“, sagt Hespeler bei der Ehrung von Edgar Wiedemann. Er sei quasi ein Fuhrpark auf zwei Beinen, Handwerker, Logistiker und gute Seele in einem. Hespeler blickt auch auf die 61. Ausgabe der Narrenzeitung mit einem Umfang von 88 Seiten. Es sei eine „Fundgrube für jeden Liebhaber unserer Hegau-Bodensee-Fasnacht.“

Die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee hat wegen besonderem Engagement fürs Närrische folgende Personen zu Obristen ernannt: Werner Heim, Hans-Joachim Schuster, Willi Schirmeister, Karl-Heinz Rimmele, Gerhard Wiedenbach, Edgar Wiedemann, Elvira Klett, Josef Münch, Josef Abreder, Herbert Rauser, Siegfried Mayer, Harald Zolg und Regina Fortenbach.

Die Landschaft

Der Landschaft Hegau-Randen
gehören unter anderen die Zundermännle Aulfingen, die Schnecken Epfenhofen, die Eggäsli Fützen, der Narrenverein Hattingen, die Schöntalhasen Hintschingen, die Latschari Kirchen-Hausen, die Strohglonki Leipferdingen, die Randenwölfe Nordhalden, der Blaue Stein Riedöschingen, die Teufelsbrut und die Pfetzer Zollhaus-Randen an.