Ein hoher Lichtschutzfaktor schützt vor Sonnenbrand, das geht nicht ohne Nanotechnologie. Foto: dpa

Was macht Lacke kratzfest und wie wirkt sich Nanomaterial in der Sonnencreme auf die Gesundheit aus? Fragen wie diese will das Verbraucherministerium Baden-Württemberg in seinem Nanodialog beantworten.

Stuttgart - Ohne Nanotechnologie ist keine Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor von mehr als 20 möglich. Ohne Nanotechnologie gibt es keine selbstreinigende Markise, keine atmungsaktive Kleidung, die meisten Autolacke enthalten Nanomaterialien, was sie beispielsweise kratzfester macht.

Allerdings wissen die meisten Verbraucher nicht, wo Nanotechnologie drin ist, oder woran man sieht, dass Nanomaterialien verwendet werden. Die baden-württembergische Landesregierung hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Chancen und Risiken der Nanotechnologie informieren.

Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU), die Staatssekretärin im Landwirtschafts- und Verbraucherministerium, sieht Baden-Württemberg an der Spitze Aufklärer. Das Land legt jetzt eine Broschüre zum „Nano-Dialog“ vor. Diese sollen sich Schulen aber auch Einrichtungen der Erwachsenenbildung wie die Volkshochschulen zunutze machen. Damit setze das Land seine schon vor sieben Jahren in der damaligen schwarz-gelben Landesregierung begonnene Initiative fort, sagt Gurr-Hirsch, die damals ebenfalls Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium war.

Kennzeichnung ist Pflicht

Aufklärung erscheint durchaus notwendig. Die wenigsten wissen, dass auf Produkten, die die Technologien verwenden, der Begriff „nano“ stehen muss, meist bei den Inhaltsstoffen. Im Internet hat das Ministerium ein „Nanoportal“ eingerichtet. Dort können Verbraucher auch Fragen an Experten stellen. „Wir wollen die Kennzeichnung präsenter machen“, formuliert Gurr-Hirsch als ein Ziel der Initiative. Bis jetzt sei es so: „75 Prozent der Verbraucher interessieren sich nicht dafür, was auf den Produkten steht“. Die Broschüre und das Portal sind das eine. Für das kommende Jahr kündigte Gurr-Hirsch außerdem ein Expertenhearing an.

In Baden-Württemberg sei Nanotechnologie durchaus ein Wirtschaftsfaktor. Als Automobilstandort spielen vor allem die Autolacke eine große Rolle. Bedeutung hätten aber auch Medizintechnik und kosmetische Industrie. In der Gesundheitstechnologie führen Nanomaterialien dazu, dass Implantate vom Körper eher akzeptiert werden, erklärte die Staatssekretärin.

Etwa 400 Firmen im Land stellen kosmetische Mittel her oder vertreiben sie. 25 von ihnen hätten Produkte mit Nanomaterialien im Sortiment. Die staatlichen Kontrolleure hätten 140 Kosmetika gefunden, die Nanomaterialien enthielten, 116 davon waren Sonnenschutzmittel. Die hohen Lichtschutzfaktoren könnten nur mit Nanomaterial, in diesem Fall Titandioxid, erreicht werden, erklärte einer der Experten. Diese Teilchen wirkten auf der Haut wie winzige Spiegel, die die Sonne abwiesen. Alle Proben seien korrekt mit „nano“ gekennzeichnet gewesen.

Land sieht Technologie positiv

Umweltschützer wie der BUND warnen vor Risiken für Mensch und Natur. Die Landesregierung steht der neuen Technologie weitgehend positiv gegenüber. Durch Nanomaterialien könne die Qualität von Produkten gesteigert werden, sagte Gurr-Hirsch. „Es ist ein Ziel von uns, die Möglichkeit der Nanotechnologie zu nutzen, wenn sie Gesundheit garantieren“.

Skeptisch zeigt sich die Landwirtschaftsstaatssekretärin aber bei Nanotechnologie in Lebensmitteln. „In Lebensmitteln ist nanotechnologische Veränderung nicht anzustreben.“ Es sei besser, „regionale Produkte pur zu nutzen“. Sollten Lebensmittel nanotechnologisch verändert werden, müssten sie zugelassen werden und unterlägen dann einer Kennzeichnungspflicht, betonte die Staatssekretärin. Allerdings hätten die baden-württembergischen Überwachungsbehörden „keinen Hinweis, dass nanotechnologische Partikel in Lebensmitteln vorhanden sind“.

Einheitliche Definition erwünscht

Problematisch nannte Gurr-Hirsch, dass es unterschiedliche Definitionen von Nanomaterial gebe. Wünschenswert wäre eine eindeutige Definition, sagte sie. Die Ambitionen Baden-Württembergs sind groß: „Wir wollen das Thema im Bund und in Europa vorantreiben“, erklärte Gurr-Hirsch bei der Präsentation der neuen Broschüre. Das Verbraucherministerium macht sich unter anderem für ein europäisches Register für Produkte, die Nanomaterialien enthalten, stark.

http:www.nanoportal-bw.de

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