Nach sieben Monaten Bauzeit ist das Heizhaus in Betrieb: Mit einem Kombinationsfest hat Herzogsweiler den Anschluss an die Nahwärmeversorgung gefeiert. Am Ende können von dem Gebäude aus 100 Häuser mit Wärme versorgt werden.
Aus luftiger Höhe, auf der Plattform eines Hubwagens, ertönte der Richtspruch auf das gelungene Bauwerk des neuen Heizhauses in Herzogsweiler. Mit dem Zerschellen des Trinkglases und dem Wunsch nach ökologischer und ökonomischer Wärme in jedem Haus wurde die Nahwärmeversorgung eingeweiht und gleichzeitig Richt- und Anheizfest mit der Bevölkerung gefeiert.
Sieben Monate nach dem ersten Spatenstich sind bei der Einweihung des neuen Heizhauses in Herzogsweiler bereits 30 Häuser an die Nahwärmeversorgung der Weiler Wärme angeschlossen. Vorstand Siegfried Neub verwies zur Festeröffnung auf 20 Millionen Euro, die die Energiegenossenschaft in den vergangenen Jahren in das Nahwärmenetz investiert habe, allein drei Millionen in Herzogsweiler und zuletzt zwei Millionen in Kälberbronn. Er dankte für das gute Miteinander und die gute Lösung, die mit Zustimmung des Denkmalamts auf dem Grundstück der Familie von Hans-Jörg Ziegler in der Herzogstraße gefunden worden sei.
„Hotmobil“ hat ausgedient
Nachdem das Provisorium mit dem „Hotmobil“ der Vergangenheit angehört, ist die Anlage im neuen holzverkleideten Heizhaus mittlerweile in Betrieb. Mit den 30 Häusern wurden bereits der Kindergarten und das Bürgerhaus ans Netz angeschlossen, wie Neub berichtete. Weitere Hausanschlüsse würden gebaut und dabei gleichzeitig Mikroröhrchen für schnelles Internet durch Glasfaserversorgung mitverlegt, ergänzte er und bat um Geduld für die unumgänglichen Sperrungen während der Bauzeit. Beim Bauen wurden 1500 Kubikmeter Erdaushub vom Ausbau eines Waldwegs bei Cresbach genutzt, so Neub.
Unter dem neuen Gebäude in Herzogsweiler befindet sich ein großer Keller und vor dem Heizhaus ein Hackschnitzelbunker mit einem Fassungsvermögen von 150 Kubikmetern. „Das entspricht drei großen Containern und reicht im Winter für etwa eineinhalb Wochen“, erklärte Neub.
Das neue Heizhaus mit einer Leistung von 100 000 Kilowatt ist seit Ende Juni in Betrieb und kann 100 Häuser mit Wärme versorgen. Der 55 000 Liter umfassende Pufferspeicher reicht in den Sommermonaten, um die Wärme zwei Tage lang aufrechtzuhalten. Das Gebäude beinhalte ausreichend Platz für einen zweiten Kessel. Ende 2024 solle ein stromerzeugender Holzgas-Motor hinzukommen, ergänzte Neub.
Rohrer: Nachfrage groß
Auch Ortsvorsteherin Sieglinde Rohrer freute sich über die Einweihung des Heizhauses: „Was lange währt, wird endlich wahr – trotz einiger zu überwindender Hürden.“ Inzwischen sei auch die Nachfrage groß. Einige Häuser hätten wegen fehlender Nahwärmeleitungen noch nicht angeschlossen werden können. Rohrer hofft jedoch, dass bis Ende 2024 alle angeschlossen sind.
Vorstand Neub ergänzte, dass weitere Nahwärmeleitungen in der Sonnenbergstraße und eventuell in kleinen Seitenstraßen gebaut werden. Auch die Alte Poststraße Richtung Landesstraße 404 sollte im kommenden Jahr fertig sein, erklärte Neub. Zur Feier des Richt-, Einweihungs- und Anheizfestes im Bereich der sogenannten „Platzreserve“ hatte die Metzgerei Pfau Geschnetzeltes mit Spätzle sowie Bauernbratwürste vorbereitet. Getränke auf Spendenbasis standen ebenfalls bereit. Ein Alleinunterhalter umrahmte das Fest musikalisch.
Das Projekt in Zahlen
Leitungen
Für das Planungsbüro Gall und Gärtner fasste Theo Gärtner den Leitungsbau auf 2,3 Kilometern in Zahlen zusammen. Demnach wurden für die Nahwärmeversorgung in Herzogsweiler in den Straßen 1400 Meter Hauptleitungen verlegt, weitere 900 Meter Anschlussleitungen führen bis in die Keller der Gebäude.
Straßen
Von den bislang gebauten 67 Hausanschlüssen liegen 33 Gebäude in der Herzogstraße mit Talweg, 16 im Hanfland bis Geißteich, 14 in der Oberen Sonnenbergstraße mit Bergstraße und vier in der Alten Poststraße. Die Straßen sollen zur 300-Jahr-Feier am Wochenende 15./16. Juli baustellenfrei sein.