Im linken Quader befindet sich die Heizzentrale aus dem Jahr 2000 und im rechten Quader die neue Anlage, die im Januar 2025 eingeweiht wurde. Der hohe silbrige Zylinder in der Mitte ist der Wärmepufferspeicher. Foto: Stadtwerke Tuttlingen

Fernwärmenetze – in Bad Dürrheim hat man bis jetzt keinerlei Erfahrung und wie es am Anfang mit Neuem ist, steht man der ganzen Sache noch etwas skeptisch gegenüber. Tuttlingen und Donaueschingen sind da schon einen bedeutenden Schritt weiter.

In der Kurstadt ging es jüngst um die konkrete Planung zu einem Fernwärmenetz Süd, das vor allem im Kurgebiet installiert werden soll. Die Ingenieure des Unternehmens GP Joule planen derzeit kostenfrei ein solches Netz. In Tuttlingen und Donaueschingen gibt es solche Fernwärmenetze bereits.

 

Grundstock für das Bad Dürrheimer Wärmenetz soll das der Kur und Bäder GmbH sein, über das unter anderem Solemar, Kurhaus und Salinensporthalle versorgt werden. Das Unternehme würde es gerne kaufen. Eine Heizzentrale soll – nach jetziger Planung – auf einer städtischen Fläche gegenüber von Haus Hohenbaden entstehen, mit einem 18 Meter hohen Wärmepufferspeicher. Hier wünschen sich manch Gemeinderäte einen anderen Platz, da es doch an sehr prominent einsehbarer Stelle geplant ist.

Start im Jahr 1997

Die Geschichte der Nahwärme hat in Donaueschingen schon 1997 mit der Nahwärme Brigachschiene begonnen – Keimzelle war die Abwärme der Fürstenbergbrauerei und die Idee des Ingenieurs Joachim Ledwig. In Tuttlingen hat man für das Nahwärmenetz erst kürzlich eine Holzhackschnitzelanlage in Betrieb genommen.

Die Gründung der Brigachschiene benötigte technischen Wissen und viel Überzeugungskraft – so wie mit allem, was neu ist. Mittlerweile ist es eine Erfolgsgeschichte.

Genutzt wurde bei der Gründung die Abwärme der Brauerei. Mit ihr wurden Häuser rund um das Unternehmen geheizt, nach und nach erweiterte man den Radius. Den Namen erhielt die Nahwärme Brigachschiene, weil die ersten Gebäude mit einer Leitung entlang der Brigach verbunden waren.

Neue Wärmezentrale

Heute nutzt die Brauerei ihre Abwärme selbst und die Brigachschiene hat ihre Heizzentrale westlich des Bahnhofs. Angeschlossen sind heute beispielsweise das Rathaus, das Fürstenberggymnasium oder auch die Donauhallen. Erweiterungen gibt es beispielsweise in Richtung Westen in die so genannte Siedlung. Beteiligt ist mittlerweile zu 50 Prozent die EGT Energie GmbH aus Triberg.

Seit März 2024 ist nach Unternehmensangaben eine neue Hackschnitzelanlage in Betrieb. ​Die Anlage hat eine Wärmeleistung von 2000 Kilowatt und erzeugt jährlich etwa zwölf Millionen Kilowattstunden auch erneuerbarer Energie.

Neben dem Einsatz von Biomethan in der BHKW-Anlage und Erdgas im Spitzenlastkessel steht nun ein weiterer Brennstoff zur Erzeugung der Wärme zur Verfügung, informiert das Unternehmen. Somit steigt die Brennstoffredundanz und Versorgungssicherheit entsprechend.

Ebenfalls mit Holzhackschnitzel arbeiten die Stadtwerke Tuttlingen (SWT) in ihrem Heizwerk in der Stadionstraße. Das im Jahr 2000 gebaute Wärmenetz um das Holzhackschnitzel-Heizwerk in der Stadionstraße wurde in den vergangenen Jahren mehrfach erweitert, um größere Abnehmer versorgen zu können, teilt die SWT auf Anfrage mit – es gab zudem steigende Nachfrage und es ist nochmals eine Netzerweiterung geplant.

Neue Heizzentrale

Die neue Heizzentrale wurde in 2023/2024 neben dem Bestandsgebäude errichtet und bietet Platz für einen Holzhackschnitzelkessel mit einer Leistung von 1000 Kilowatt.

Beim Heizwerk Stadionstraße handelt es sich nicht um ein BHKW (Blockheizkraftwerk). Ein BHKW erzeugt Fernwärme und Strom aus Erdgas. Vielmehr nutzt das Heizwerk Stadionstraße den regional verfügbaren Energieträger Holzhackschnitzel und liefert so regenerative Fernwärme.

Wärme aus Abwasser

Im Untergeschoss ist ausreichend Platz für eine Wärmepumpe mit 500 Kilowatt vorgesehen. Die Wärmepumpe soll die Restwärme aus den umliegenden Abwasserkanälen für die Wärmeversorgung nutzbar machen, sobald sie installiert ist. Diese Wärme wird in einem Pufferspeicher eingespeichert. Auf dem Dach des Gebäudes ist eine neue Photovoltaikanlage installiert, die Kessel, Netzpumpen und später auch die Wärmepumpe mit Strom versorgen soll.

Die Kosten für Gebäude und Anlagentechnik inklusive Grundstück, Außenanlage und Baunebenkosten belaufen sich nach Angaben der SWT auf rund 2,2 Millionen Euro. Für die Abwasserwärmepumpe müssen nochmals 1,2 Millionen veranschlagt werden. Der Erweiterungsbau hat eine Leistung von 3300 Kilowatt wobei 1800 über Hackschnitzel erzeugt werden, der Rest über die Spitzenlasterzeugung durch Erdgas. Das Wärmenetz beträgt drei Kilometer und es sind 53 Hausanschlüsse vorgesehen. Versorgt werden unter anderem das Légère Hotel, das Kinoareal, die Alte Feuerwache, sowie mehrere Schulen.

7600 Kubik Hackschnitzel

Verbraucht werden 7600 Kubikmeter Hackschnitzel jährlich, teilen die SWT mit, der tatsächliche Verbrauch hängt natürlich von der Witterung ab. Die Hackschnitzel stammen aus der Region, auch aus dem Tuttlinger Stadtwald. Kurze Wege reduzieren obendrein beim Transport den CO2-Ausstoß. Die städtische Hackschnitzeltrocknungsanlage, die dieses Jahr fertiggestellt werden soll, wird den Hackschnitzelanteil aus städtischen Wäldern zu 100 Prozent decken.