Zum Baustart für das Nahwärmeprojekt der Bürgerenergie Schopfloch und das Breitbandnetz griffen zum Spaten (von rechts): die Vorstände der Bürgergenossenschaft Christoph und Helmut Kugler, Bürgermeister Klaas Klaassen, Landrat Klaus Michael Rückert, die Planer Theo Gärtner und Arnold Berghoff sowie Vertreter der am Bau beteiligten Firmen. Foto: Ade

Mit dem symbolischen Spatenstich startete der Bau des Nahwärme- und Glasfasernetzes in Schopfloch. Bürgermeister Klaas Klaassen sprach von einem "wichtigen und denkwürdigen", Landrat Klaus Michael Rückert von einem "zukunftsträchtigen" Tag für die Gemeinde.

Schopfloch - Bei der Erddeponie Bräunleshalde nahm eines der größten Infrastrukturprojekte in der Geschichte Schopflochs seinen Anfang. In einem Zug werden nun Glasfaserrohre der Gemeinde und Nahwärmerohre der Genossenschaft Bürgerenergie Schopfloch verlegt.

Christoph Kugler, Co-Vorstand der Genossenschaft Bürgerenergie Schopfloch, erinnerte beim Spatenstich an die Anfänge des Projekts 2013. Nach langen Jahren der Planung und Vorbereitung starte jetzt die praktische Abwicklung. Eine große Baustelle werde die Gemeinde nun die nächsten zwei Jahre begleiten, kündigte Kugler an.

Im ersten Bauabschnitt wird ein Nahwärmenetz mit mehr als acht Kilometern Leitungslänge gebaut. Zeitgleich werde man in der Baustelle Glasfaserleerrohre für die Gemeinde einlegen. Christoph sowie sein Vater und Co-Vorstand Helmut Kugler dankten allen, die sich über die Jahre für das Projekt eingebracht hatten. Für das Nahwärmeprojekt werden laut Christoph Kugler mehr als sechs Millionen Euro investiert. Damit sei man gewappnet, Schopfloch für "die nächsten 50, 60 oder auch viel mehr Jahre" mit erneuerbarer Wärme zu versorgen und einen Teil zur Energiewende beizutragen, gab er sich überzeugt.

1,5 Millionen Euro Kosten

Bürgermeister Klaas Klaassen erinnerte daran, dass der Anstoß zur Nahwärme 2013 unter anderem vom damaligen Gemeinderat und heutigen Co-Vorstand der Genossenschaft, Helmut Kugler, gekommen sei. Ergebnisse einer Potenzialstudie hätten Mut gemacht, sodass der Gemeinderat im März 2014 einer Fragebogenaktion durch die Gemeinde zugestimmt habe. Nach Informationsveranstaltungen für die Bürger habe die Arbeitsgruppe Energiewende Schopfloch ein umsetzbares Konzept auf den Weg gebracht. So habe der Gemeinderat 2019 beschlossen, das Nahwärmeprojekt mit einer Bürgschaft von zwei Millionen Euro zu flankieren, blickte Klaassen zurück.

Rückenwind habe das Nahwärme-Projekt auch durch die Breitbandinitiative des Landkreises erhalten, da durch das gemeinsame Verlegen der Rohre Kostenvorteile entstünden. Klaassen berichtete, dass beim Glasfasernetz im Ortsteil Schopfloch – einem direkten Projekt der Gemeinde – nach aktuellem Stand 187 Anschlüsse bestellt worden seien. Die Anschlussquote liege damit bei rund 52 Prozent. Die Kosten für die Gemeinde lägen allein in Schopfloch bei voraussichtlich 1,5 Millionen Euro, wobei staatliche Zuschüsse die Finanzierung erleichtern würden.

Anschlussquote bei rund 63 Prozent

Wegen der "nicht unerheblichen Tiefbauarbeiten", um in Schopfloch in diesem und im nächsten Jahr sowohl Nahwärme- als auch Glasfaserleitungen zu verlegen, bat Klaassen die Bevölkerung mit Blick auf "die damit verbundenen Begleiterscheinungen" um Verständnis.

Auch in Ober- und Unteriflingen hätten vorbereitende Arbeiten für das Glasfasernetz begonnen, das dort unter Federführung der Netze BW verlegt wird, informierte Klaassen. Das Netz in den beiden Teilorten orientiere sich überwiegend an der Backbone-Trasse des Landkreises. Mut mache die Resonanz: Die Anschlussquote liege dort bei rund 63 Prozent. Die Gesamtkosten für die Gemeinde in Iflingen bezifferte Klaassen auf 1,1 Millionen Euro. Über Nahwärmemöglichkeiten in Iflingen mache sich die Genossenschaft Gedanken, wenn das ehrgeizige Projekt in Schopfloch abgeschlossen sei, so der Bürgermeister.

Rückert: wichtiger Beitrag zum Klimaschutz

Froh, an diesem "zukunftsträchtigen Tag für Schopfloch" dabei sein zu dürfen, zeigte sich Landrat Klaus Michael Rückert. Er dankte allen "Pionieren", die in Sachen Nahwärme in dem Arbeitskreis zusammengewirkt und eine Genossenschaft gegründet haben. Damit werde ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz geleistet, sagte Rückert: "Damit sind Sie am Puls der Zeit, damit geht Schopfloch in die richtige Richtung." Das Landratsamt versuche zu unterstützen, wo es gehe, versprach Rückert.

Diplom-Bauingenieur Theo Gärtner vom planenden Büro Gall und Gärtner hatte zum Nahwärmeprojekt der Bürgerenergiegenossenschaft interessante Zahlen parat. Die 140 Hausanschlüsse für die Nahwärme entsprächen einer Anschlussdichte von 60 bis 70 Prozent. Die Rohre würden in einer Tiefe von einem Meter verlegt. Für den Tiefbau sei ein Grabenaushub von 8000 Kubikmetern – rund 600 Lastwagenladungen – erforderlich. Mitverlegt würden für das Breitbandnetz etwa 20 Kilometer Mikrorohrbündel. Es entstünden zwölf Röhrchenverteiler, an denen jeweils bis zu 48 Glasfaserhausanschlüsse befestigt werden können. Die Bauarbeiten sollen bis Ende Oktober 2022 dauern.

Schopfloch sei seine sechste Kommune, sagte Mitplaner Arnold Berghoff, der das Projekt von Anfang an begleitet hatte. Angefangen habe er in St. Peter im Südschwarzwald. Mit seinen Anlagen würden pro Jahr sechs Millionen Liter Heizöl eingespart.

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