Wie es mit dem Weiler Wärmenetz weitergeht, war Thema im Finanzausschuss. Eventuell soll das Laguna mit einem neuen Blockheizkraftwerk angeschlossen werden.
Kilometer für Kilometer ist das Weiler Wärmenetz in den vergangenen Jahren gewachsen. Eine Erfolgsgeschichte, wie Daniel Weiß, Geschäftsführer der Firma HBG, im Weiler Finanzausschuss am Montag betont hat. Der technische Betriebsführer, der einen Großteil der Weiler Anlagen geplant hat, stellte im Auftrag der Stadtwerke dort die jüngsten Entwicklungen und die Pläne für die kommende Zeit vor.
Seinen Anfang nahm das Weiler Wärmenetz, als die Stadtwerke im Jahr 2015 das Wärmenetz Leopoldshöhe übernahmen.
Seitdem wurde das Netz erheblich ausgebaut, der Wärmeabsatz wurde mehr als vervierfacht.
Blockheizkraftwerke im Testbetrieb
Im Laufe der nächsten zwei Wochen soll zusammen mit dem Unternehmen Endress und Hauser eines der beiden Erdgas-Blockheizkraftwerke in Friedlingen in Betrieb genommen werden. Derzeit befinden sich die Anlagen – zwei Erdgas-BHKWs mit Wärmepumpe – im Testbetrieb.
Aufgrund von Verzögerungen beim Bau musste die Inbetriebnahme entgegen der Planungen um rund ein Jahr verschoben werden, teilt Stadtwerke-Leiter Markus Indlekofer auf Nachfrage mit.
Ein weiteres mittelfristiges Ziel ist, die beiden Wärmenetze in Friedlingen und auf der Leopoldshöhe miteinander zu verbinden – einerseits der ausgeglichenen Preisgestaltung wegen, so Indlekofer, andererseits auch, um das Netz resilienter zu machen und nicht nur von einem Energieträger abhängig zu sein.
Vitra ist größter Abnehmer
Fast komplett angeschlossen ist das Unternehmen Vitra, nach Worten Weiß’ der größte Nahwärme-Abnehmer der Stadtwerke. Im Zuge der Bauarbeiten an der Geffelbachstraße befindet sich der westliche Teil derzeit in Finalisierung, präzisiert Indlekofer im Nachgespräch.
Als weiterer Standort eines leistungsfähigen Blockheizkraftwerks könnte nach den Plänen der Stadtwerke bald das Laguna hinzukommen. Die bisherige Heizungsanlage war im vergangenen Jahr mehrfach durch Störungen aufgefallen und muss bald schon ersetzt werden.
Neues BHKW soll beim Laguna in Betrieb gehen
Statt der bisherigen Planungen für einen weiteren Biomasse-Heizkessel im Bereich der Karl-Tschamber-Schule gehen die Überlegungen nun in die Richtung, den Nukleus eines neuen Netzes in Form eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerks beim Laguna und dem Wasserwerk anzusiedeln und dieses dann eventuell nach Alt-Weil hinaufzuführen. Hierzu sind noch weitere Abstimmungen nötig.
Zum Hintergrund: Ziele der unternehmensunabhängigen kommunalen Wärmeplanung, wie sie die Stadtwerke Weil am Rhein mit ihrem Wärmenetz verfolgen, sind auf lange Sicht die CO2-freie Wärmeherstellung, ein wirtschaftlicher Betrieb sowie optimale Wertschöpfung vor Ort im Umkreis von 30 Kilometern.
Dies ist derzeit bei den Biomasse-Heizkraftwerken der Fall, die mit Abfallholz aus der Region betrieben werden. Hinzu kommen hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen in Form der Blockheizkraftwerke sowie perspektivisch als potenziell verfügbare Energieträger die Abwärme von Rechenzentren in Friedlingen und Haltingen sowie der Kläranlage Bändlegrund.
Abwärme soll im ganzen Landkreis genutzt werden
Perspektivisch könnte über einen Abwärme-Wärmeverbund Hochrhein, Wiesental, Oberrhein die Abwärme großer Industrieanlagen in Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen ebenfalls für Weil am Rhein nutzbar gemacht werden, wie Paul Kempf in einem anschließenden Vortrag anhand erster Planungen vor Augen führte.
Entsprechend sei ein gemeinsames Vorgehen mit den Nachbarn in der Schweiz angedacht, wie Weiß weiter ausführte.
Basler könnten Wärme liefern
Die Basler Energieversorgerin IWB und die Stadtwerke Weil am Rhein prüfen einen gemeinsamen Wärmeverbund, wie aus einer Pressmitteilung des IWB vom Dienstag hervorgeht. Erste Ergebnisse einer laufenden Machbarkeitsprüfung seien demnach positiv ausgefallen: Ein Wärmeverbund in Weil am Rhein scheine technisch machbar, eine Wärmelieferung aus Basel könnte ab Mitte 2028 erfolgen.
Um die Wärmeerzeugung in Zukunft zu dekarbonisieren, legen die Verantwortlichen ihre Hoffnung auf die langfristig angestrebte Nutzung von Geothermie.